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Köln- Der FC Bayern München hat dank eines souveränen 2:0-Sieges beim 1. FC Köln die Tabellenführung verteidigt und den Vorsprung auf den neuen Zweiten Borussia Mönchengladbach auf zwei Punkte ausgebaut.

Die befürchteten Nachwehen der strapaziösen Weltmeisterschaft scheinen bei den Münchenern im Gegensatz zu einigen Konkurrenten auszubleiben. Entsprechend gut gelaunt und gewohnt schlagfertig stellte sich nach dem ersten Auswärtssieg der Saison Thomas Müller zum Interview, der mit Blick auf die Konkurrenz eine Menge Selbstbewusstsein ausstrahlt.

Frage: Thomas Müller, Glückwunsch zum 2:0-Auswärtssieg beim 1. FC Köln. Sie haben sich einige Male die Haare gerauft, weil die Mannschaft einige Chancen hat liegen lassen. Dann haben die Kölner das zweite Tor ja selbst geschossen. Nett, oder?

Thomas Müller: Die Kölner haben bei dem Tor ja nicht von der Mittellinie aus selbst aufs eigene Tor gespielt. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und versucht, Tore zu erzielen. Sicher haben wir es verpasst, das 2:0 früher zu machen. Dadurch haben wir das Spiel vielleicht unnötig lange offen gehalten. Aber ich sehe in diesem Spiel sehr viele positive Dinge, über die wir gerne sprechen können. Wir sind sehr zufrieden mit dem Spieltag. Wir haben selbst gegen eine sehr defensiv eingestellte Kölner Mannschaft viele Tormöglichkeiten gehabt. Und es ist ja auch klar, dass wir mehr Chancen reinmachen wollten.

"Wer der Jäger wird, ist mir gleich"

Frage: Sie haben es angesprochen: Wenn man auf die Tabelle schaut, hat der FC Bayern bereits sieben Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund. Auch wenn es noch früh in der Saison ist, dürfte einem das schon ein gutes Gefühl geben oder?

Müller: Natürlich schaut man immer auch auf die vermeintlichen Hauptkonkurrenten Dortmund und Leverkusen. Es tut uns gut, wenn die beiden ein paar Punkte liegen lassen. Wir stellen uns das so vor, dass wir an der Tabellenspitze stehen. Wir haben jetzt einen kleinen Vorsprung. Den wollen wir nach den Ansprüchen des FC Bayern auch bis zum Ende halten. Wir sind auf einem guten Weg. Mit den beiden Unentschieden auswärts (auf Schalke und in Hamburg, Anm. d. Red.) können wir absolut leben in einer Post-WM-Saison. Wir sind sehr zufrieden.

Frage:Mario Götze hat wieder das 1:0 erzielt und im Moment einen richtigen Lauf. Das tut der Mannschaft sicher auch gut?

Müller: Marios Qualitäten sind unbestritten. Er darf ruhig auch ein paar Tore machen, ohne dass Nachfragen kommen. Das sollte Normalität sein.

Frage: Sie haben Dortmund und Leverkusen als die vermeintlichen Hauptkonkurrenten bezeichnet. Gibt es überhaupt Konkurrenten oder dominieren die Bayern wieder?

Müller: Wir haben jetzt den 6. Spieltag. Da können wir noch nicht über irgendwelche Zukunftsprognosen sprechen. Wir wollen die nächsten Spiele gewinnen und schauen, dass wir unseren Vorsprung halten oder ausbauen. Darum geht es. Wer dann der Jäger wird, ist mir gleich. Aber von der Qualität her sind Dortmund und Leverkusen schon die beiden Mannschaften, die man auf dem Zettel hat. Mal schauen, was passiert.

"Dann gilt: Birne aus"

Frage: Ist die Aussage von Pep Guardiola, dass es bis Weihnachten schwer werden würde, jetzt schon widerlegt?

Müller: Nein. Es ging dabei ja auch nicht darum, dass wir keine Punkte holen oder gegen den Abstieg kämpfen. Er meinte, dass es uns vielleicht nicht so leicht fallen würde, unsere Ergebnisse einzufahren. Aber man weiß ja, dass unsere Qualität sehr gut ist. Es geht darum, dass wir für die Punkte kämpfen müssen und es nicht locker von der Hand geht.

Frage: Spüren Sie eine Post-WM-Müdigkeit?

Müller: Es ist nicht unbedingt das Körperliche. Das geht immer. Wir sind ja alle junge Burschen. Aber wenn man den Spielplan bis Dezember sieht und weiß, dass es nicht ruhiger wird, dann könnte das im Kopf ein bisschen Probleme machen. Aber dann gilt: Birne aus und sobald es losgeht, geht es eben los.

Frage: Jetzt steht den Bayern am Dienstag in der Champions League ein Geisterspiel in Moskau bevor.

Müller: Dürft Ihr da überhaupt rein?

Frage: Wir schon.

Müller: Dann will ich aber auch etwas hören. Haben Sie schon ein paar Lieder einstudiert?

Frage: Wir wollen lieber etwas mehr von Thomas Müller hören.

Müller: Wir genießen jetzt erst einmal den Sieg in Köln. Dann konzentrieren wir uns auf Moskau.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski