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Mainz - Nikolce Noveski ist 35 Jahre alt und spielt seit dem ersten Bundesligaaufstieg 2004 beim 1. FSV Mainz 05. Er hat in dieser Zeit viele Spieler kommen und gehen sehen - Noveski aber blieb ein Mainzer. Der zweimalige Fußballer des Jahres in seiner mazedonischen Heimat, erzählt im Interview mit bundesliga.de, warum er Mainz immer treu geblieben ist, wie er Klopp und Tuchel erlebt hat und warum ihm von allen Mainzer Profis Mohamed Zidan so nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.

bundesliga.de: Herr Noveski,  Sie haben am zweiten Spieltag in Paderborn in ihrem 249. Bundesligaspiel für Mainz 05 einen Innenbandriss im linken Knie erlitten. Wie geht es Ihnen heute?

Nikolce Noveski: Danke, gut. Ich habe nach sechs Wochen jetzt wieder angefangen, mit der Mannschaft zu trainieren.

bundesliga.de: Wann können Sie wieder in der Bundesliga spielen?

Noveski: Es ist schwer, eine Prognose abzugeben. Ich will erstmal meine Fitness wieder bekommen und dann weitersehen. Darauf konzentriere ich mich.

bundesliga.de:Aus in der Europa League, Aus im DFB-Pokal gegen Drittligist Chemnitz - der Anfang mit dem neuen Trainer Kasper Hjulmand verlief wenig verheißungsvoll. Warum?

Noveski: Wir hatten uns für die Europa League qualifiziert, er hat die Mannschaft also nach einem großen Erfolg übernommen. Doch die Vorbereitung  auf die neue Saison war schwierig. Die Belastung der Spieler, die bei der WM dabei waren, war doch sehr hoch. Sie konnten auch die Vorbereitung nicht von Anfang an mitmachen. Und wir mussten gleich Ergebnisse liefern, das war alles nicht so einfach.

"Wirtschaftlich ganz andere Möglichkeiten"

bundesliga.de: Nun ist Mainz 05 aber in der Bundesliga ungeschlagen. Wie haben Trainer und Mannschaft die Wende hinbekommen?

Noveski: Ich denke, dass es normal ist, dass ein neuer Trainer Zeit braucht. Mittlerweile sind Mannschaft und Trainer viel enger zusammengewachsen, der Trainer kennt die Spieler und die Liga jetzt besser. Und wir haben mit den fünf Neuverpflichtungen kurz vor Transferschluss natürlich noch einmal Qualität im Kader dazubekommen. Ich bin froh, dass wir uns stabilisiert haben.

bundesliga.de: Sie sind seit zehn Jahren bei Mainz 05, wie sehen Sie die Entwicklung vom ersten Tag an bis heute?

Noveski: Der Verein hat in den letzten zehn Jahren eine Riesenentwicklung genommen. Wir haben in den letzten Jahren richtig gut gespielt und gute Platzierungen geschafft. Der Verein steht jetzt finanziell und sportlich ganz anders da als am Anfang meiner Zeit. Heute hat Mainz 05 wirtschaftlich ganz andere Möglichkeiten und ist auch finanziell in der Lage, kurzfristig zu reagieren - wie man im Sommer mit den Verpflichtungen gesehen hat. Das alles hat auch mit dem neuen Stadion zu tun. Das ist eine richtig gute Sache für die Fans und auch für uns Spieler.

"Zidan war anarchisch"

bundesliga.de: Im alten Bruchwegstadion war die Stimmung aber auch nicht schlecht, oder?

Noveski: Klar, wir hatten dort eine super Stimmung. Aber für uns Spieler ist die Atmosphäre im neuen Stadion noch besser, es sind mehr Leute da und die Tribünen sind ganz nah am Spielfeld.

bundesliga.de: Sie haben zwei prägende Trainer erlebt, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. Können Sie skizzieren, was diese Trainer ausmacht?

Noveski: Mainz 05 hatte den Mut, aber natürlich auch das Glück, zwei so außergewöhnliche Trainerpersönlichkeiten verpflichtet zu haben, die die sportliche Entwicklung so stark vorangetrieben haben. Klopp und Tuchel pflegen einen sehr modernen, das heißt, sehr aggressiven, offensiven Fußball. Und beide sind sehr emotionale Typen auch am Spielfeldrand und beim Coaching. Sie können Spieler und Publikum mitreißen. Und sie sind beide, was das Fachliche im Fußball abgeht, absolut top.

bundesliga.de: Sie haben viele Spieler kommen und gehen sehen. Wer blieb Ihnen am nachhaltigsten in Erinnerung?

Noveski: Das stimmt, es waren sehr viele Spieler, an manche kann ich mich kaum noch erinnern (lacht). Auf Anhieb fällt mir jetzt Mohamed Zidan ein, der ist ja ein paar Mal weggegangen und dann wieder gekommen, ich glaube drei Mal insgesamt, wenn ich mich recht erinnere (lacht). Zidan war ein ziemlich anarchischer Stürmer. Er bekam von den Trainern auch die Freiheiten, die er gebraucht hat - und er hat mit seinen Toren ja auch immer zurückgezahlt.

Startrekord 2010/11? "Einfach großartig!"

bundesliga.de: Sie hatten immer wieder auch Angebote anderer Klubs. Warum sind Sie im Gegensatz zu vielen anderen Spielern Mainz 05 auch beim Abstieg 2007 treu geblieben?

Noveski: Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt. Ich hatte auch nach dem Abstieg immer das Gefühl, es geht schnell wieder bergauf und dass die Phase in der 2. Bundesliga nur von kurzer Dauer sein wird.

bundesliga.de: Als Mainz unter Thomas Tuchel in der Saison 2010/11 mit sieben Siegen den Bundesligastartrekord von Bayern München und dem 1. FC Kaiserslautern eingestellt hatte, herrschte einen große Euphorie in Mainz. Die "Bruchweg-Boys" rockten die Liga, hieß es, ein Reporter aus Italien kam mit einem Imitat der Meisterschale zum Training nach Mainz...

Noveski: ...ja, das war schon ein Höhepunkt damals, es war eine sehr aufregende Zeit. Der viele Rummel war ja neu für uns, plötzlich waren viele Kameras schon beim Training in Mainz. Das kannten wir nicht, es war wirklich eine super Zeit mit einer super Mannschaft. Die Stimmung war einfach großartig.

"Bundesliga ist ein Höhepunkt"

bundesliga.de: Trotz der Erfolge wirkt die Stimmung nicht mehr ganz so euphorisch. Es scheint, als sei die Zeit, in der für Mainz 05 jedes Erstligaspiel nur ein neues, großes Abenteuer ist, vorbei?

Noveski: Für uns Spieler ist es immer noch ein Höhepunkt, jede Woche in der Bundesliga aufzulaufen. Bei den Fans steigt natürlich nach all den guten Platzierungen der letzten Jahre ein bisschen die Erwartungshaltung. Aber das ist auch ein normaler Prozess, das ist doch menschlich.

bundesliga.de: Sie sind 35 Jahre alt, machen Sie sich schon Gedanken an ihre Zukunft nach der aktiven Zeit?

Noveski: Natürlich mach man sich Gedanken, aber ich kann dazu nichts Konkretes sagen. Ob ich als Trainer arbeiten will, oder was auch immer. Vielleicht mache ich nach all den Jahren dann, wenn Schluss ist, auch mal eine längere Pause, um die Zeit zu verarbeiten, um auszuruhen. Ich lasse das langsam auf mich zukommen. Aber das ist noch weg, im Moment will ich erstmal wieder fit werden.

bundesliga.de: Wo landet Mainz 05 am Ende der Saison?

Noveski: Es ist schwierig, eine Prognose abzugeben, es ist das erste Jahr mit einem neuen Trainer und einer neuen Mannschaft. Warten wir doch mal ab. Wir sind immer gut gefahren mit der Methode, von Spiel zu Spiel zu denken.

Das Gespräch führte Tobias Schächter