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Dortmund - Mats Hummels versuchte gar nicht erst, das Ausscheiden schön zu reden. Nach der 0:3-Heimniederlage gegen Juventus Turin und dem Abschied aus der Champions League sprach der Kapitän von Borussia Dortmund Klartext und nennt im Interview auch Dinge, an denen die Mannschaft jetzt mit Blick auf die nächsten Spiele arbeiten muss.

Frage: Mats Hummels, wie muss man sich die Stimmung in der Kabine nach dem Ausscheiden vorstellen?

Mats Hummels: Ruhig, enttäuscht. Da ist natürlich niemand, der noch ein Lächeln im Gesicht hätte. Wir wissen, dass wir einfach schlecht gespielt haben und verdient rausgeflogen sind. Das wird niemand in Frage stellen. Juventus war vor allem in der zweiten Halbzeit unheimlich abgezockt, fußballerisch richtig gut. Und wir haben es weder defensiv noch offensiv irgendwie geschafft, noch einmal zurück ins Spiel zu kommen.

Frage: Wenn man beide Spiele zusammen rechnet, hat der BVB gegen Juventus mit 1:5 verloren. War die Borussia einfach nicht gut genug fürs Viertelfinale?

Hummels: Um richtig etwas zu reißen in der Champions League, sind wir in diesem Jahr nicht gut genug gewesen. Das kann man so sagen und das hat man jetzt auch gesehen. So ein 1:5 ist dann allerdings auch der Tatsache geschuldet, dass man irgendwann ein bisschen riskanter steht. Aber egal: Entscheidend ist, dass wir rausgeflogen sind. Wir haben außer den ersten 45 Minuten in Turin in diesen beiden Partien nicht wirklich gut gespielt. Und das wissen wir auch.

"Spielen uns keine Chancen heraus"

Frage: Der BVB hat gegen Juventus kaum mal Gefahr ausgestrahlt und hatte fast keine Torschüsse. Woran hat das gelegen?

Hummels: Wir spielen uns einfach keine Chancen heraus, angefangen schon beim Spiel in Hamburg. Davor haben wir das Tor getroffen, davor wiederum hatten wir auch eine kleine Flaute. Es ist im Moment sehr wechselhaft bei uns. Es gibt dafür aus meiner Sicht verschiedene Gründe.

"Große, spektakuläre und schöne Abende erlebt"

Frage: Welche Gründe sind das?

Hummels: Wir haben auf jeden Fall eine zu kleine Strafraumbesetzung, wenn wir zum Flanken kommen. Und so etwas wie Distanzschüsse gibt es bei uns auch eher selten. Es sind einige Dinge, an denen wir arbeiten müssen.

Frage: Hatte man gegen Juve auch zu viele Einzelaktionen und zu wenig Kombinationsfußball?

Hummels: Ich fand eher, dass wir sehr oft versucht haben, auf kleinem Raum zu kombinieren,  dann noch mal zu kombinieren - und eben nicht Richtung Tor zu gehen. Wir haben lieber noch mal den Pass gespielt. Da muss man vielleicht einfach mal aus 25 Metern draufhaben. Das haben wir vielleicht ein, zwei Mal gemacht gegen Juve. Aber gegen eine Mannschaft, die tief steht, ist das zumindest theoretisch auch öfter ein geeignetes Mittel.

Frage: Ist Ihnen schon bewusst, dass es das jetzt wahrscheinlich für die nächsten eineinhalb Jahre war mit der Champions League in Dortmund?

Hummels: Das Wort wahrscheinlich ist leider fehl am Platz. Für eineinhalb Jahre ist jetzt Schluss mit der Champions League. Das wird sich nicht mehr ändern lassen. Aber es ist schade. Jeder, der hier in den letzten Jahren Zuschauer in der Champions League war, der hat sehr große, spektakuläre und schöne Abende erlebt. Wieder zurückzukommen in die Königsklasse, das wird natürlich in der nächsten Saison das Ziel sein.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte