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Gelsenkirchen - Sein Comeback hatte sich Julian Draxler anders vorgestellt. Auch mit dem Nationalspieler, der zuletzt in der Bundesliga eine Rotsperre absitzen musste, kam der FC Schalke 04 in der Champions League nicht über ein 1:1 gegen NK Maribor hinaus.

Auch eine Folge des Kräfteverschleißes der letzten Spiele, meint Draxler im Interview.

Frage: Julian Draxler, mit ihrer persönlichen Leistung nach der Zwangspause dürften sie zufrieden sein – mit der Punkteteilung aber wohl kaum?

Julian Draxler: Wir haben uns das alles etwas anders vorgestellt. Wir wollten die drei Punkte haben. Aber man muss auch das Große und Ganze betrachten: Die Mannschaft hat unheimlich viel Aufwand betrieben, um aus der vermeintlichen Krise der letzten Wochen herauszukommen. Das haben wir in der Bundesliga hervorragend gemacht. Aber es war natürlich auch ein großer Kräfteverschleiß, vor allem zuletzt gegen Dortmund. Ich selbst war zwar zwei Spiele ausgeruhter als die anderen. Aber leider habe ich es auch nicht geschafft, das entscheidende Tor zu schießen. Ich habe viel versucht, aber irgendwie sollte es nicht sein. Jetzt heißt es, das 1:1 mitzunehmen, das Spiel abzuhaken und die Punkte dann an anderer Stelle zu holen.

Frage: Maribor stand phasenweise nicht so tief wie eigentlich erwartet. War Schalke davon überrascht?

Draxler: Gerade in der Anfangsphase hatten wir viel Platz. Da hätten wir in Führung gehen müssen, indem wir es konsequenter gespielt hätten. Dann wäre das ganze Spiel anders gelaufen und auch einfacher geworden. Mit der Führung von Maribor war klar, dass die Slowenen alle hinten stehen. Dort hindurch zu kommen, war nicht einfach. Wir hatten trotzdem ein paar Chancen, aber zum zweiten Tor hat es nicht gereicht.

Frage:Unentschieden in Chelsea, Sieg gegen Dortmund - tut sich Schalke gegen die großen Teams leichter als gegen vermeintlich kleinere Mannschaften wie Maribor?

Draxler: Das würde ich so nicht sagen. Es stimmt zwar, dass wir unsere besseren Spiele bisher gegen die vermeintlich großen Teams gemacht haben. Aber generell bekommen wir das auch gegen andere Mannschaften hin. Wie schon gesagt: Der Kräfteverschleiß war dieses Mal sehr groß. Der eine oder andere Spieler ging schon auf dem Zahnfleisch. Außerdem reden wir immer noch von der Champions League und Maribor war sicherlich kein Kanonenfutter.

Frage: War der Kräfteverschleiß der Grund, warum sich Schalke nach einer druckvollen Anfangsphase mehr zurückgezogen hat?

Draxler: Bei mir war die Puste noch nicht raus. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass bei dem einen oder anderen Spieler angesagt war, einen Gang zurückzuschalten, nachdem wir 15, 20 Minuten richtig Druck gemacht haben. Wir hätten einfach in der Anfangsphase das 1:0 machen müssen, als wir diesen Druck aufgebaut haben. Weil wir das verpasst haben, wurde es schwer.

Frage: Nach dem Ausgleich war noch eine halbe Stunde Zeit für den Siegtreffer. Hat es Schalke da auch an der Kraft gefehlt? Oder auch an der Qualität?

Draxler: Eine Mischung aus beidem. Wir haben keine wirklich konsequenten Angriffe gefahren. Wir hätten es besser über die Außen spielen müssen. Es war aber auch schwer, weil Maribor dann sehr weit in der eigenen Hälfte stand. Eine Qualitätsfrage war es in dem Sinne nicht. Aber es gibt einfach solche Spiele, in denen der Ball nicht hinein will. Ich habe selbst 10 Mal aufs Tor geschossen, die Mannschaft rund 25 Mal - aber solche Tage gibt es eben. Am Samstag geht es weiter.

Frage: Was bedeutet das zweite Remis im zweiten Gruppenspiel jetzt für die Champions League?

Draxler: Wir müssen die Punkte jetzt natürlich woanders holen. Die drei Zähler zuhause gegen Maribor waren eigentlich eingeplant. Das nächste Spiel gegen Sporting Lissabon ist wieder zuhause - da werden wir die drei Punkte dann mitnehmen.

 

Aus Gelsenkirchen  berichtet Dietmar Nolte