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Köln - Dicke Luft in Köln: Nach der deprimierenden 0:4-Packung im rheinischen Derby gegen Borussia Mönchengladbach rutschte der 1. FC Köln ans Tabellenende. Wenige Tage vor der Jahreshauptversammlung ist die Stimmung in der Domstadt auf dem Nullpunkt angekommen.

Denn viel schlimmer hätte es nicht kommen: Ausgerechnet gegen den Erzrivalen vom Niederrhein, der als Tabellenletzter zum Derby angereist war, kamen die "Geißböcke" böse unter die Räder. Nach einer engagierten Vorstellung in der 1. Hälfte brachte ein direkt verwandelter Freistoß von Borussia-Stürmer Raul Bobadilla den FC total aus dem Konzept.

Es folgte der spielerische Offenbarungseid einer verunsicherten Mannschaft, die sich in der Schlussphase ein Gegentor nach dem anderen einschenken ließ. Spätestens nach dem 0:3 verließen die enttäuschten Zuschauer in Scharen das RheinEnergieStadion.

"Bitter und deprimierend"

Erklären konnte den Einbruch niemand. "Ich frage mich selbst, warum wir in der 2. Halbzeit keine Reaktion gezeigt haben", meinte FC-Torjäger Milivoje Novakovic zerknirscht: "Nach dem Tor sind wir untergegangen. Das tut sehr weh - uns, den Fans und der ganzen Stadt. Wir müssen jetzt weiter hart arbeiten und kämpfen und das Maximum herausholen. Nur zusammen kommen wir da raus."

Restlos bedient war auch FC-Ikone Lukas Podolski: "Man kann verlieren, aber nicht in der Höhe und durch solche Tore. Es ist ein Schock. Wie wir gespielt haben, ist eine Beleidigung gegenüber unseren Fans. Die Niederlage tut uns weh. Sie sitzt ganz tief. Das ist bitter und deprimierend."

Zu den seelischen Schmerzen gesellten sich bei Podolski auch noch Beschwerden am Sprunggelenk, die den Nationalstürmer zur Absage des Länderspiels in Schweden zwangen. So ist der Kölner Führungsspieler zumindest im Club präsent, wenn in den kommenden Tagen Ursachenforschung betrieben wird.

Schaefer versteht die Fans

Denn nicht nur die Fans verlangen nach den Gründen für die sportliche Talfahrt. Schon am Sonntag nach dem Desaster forderten ein paar Dutzend Anhänger am Geißbockheim Antworten von den Profis, die gerade eine Laufeinheit absolviert hatten. "Die Fans haben das Recht, Fragen zu stellen", sagt Trainer Frank Schaefer. "Es lief alles friedlich ab. Es war ein konstruktiver Dialog, nicht destruktiv. Das motiviert mich unheimlich."

Am kommenden Mittwoch könnte es bei der Jahreshauptversammlung dagegen emotionaler und ungemütlicher für die Vereinsführung werden. Auch die Mitglieder werden wissen wollen, wie es zur sportlichen Misere kommen konnte, welcher Trainer den Club vor dem Abstieg bewahren soll und wie es um die finanzielle Lage des Traditionsvereins bestellt ist.

"Sachlicher Dialog" zum Wohle des Vereins

FC-Präsident Wolfgang Overath und Manager Michael Meier werden gefragt sein. Letzterer gibt sich kämpferisch. "Mitglieder sind ja keine Gegner. Wir sind Partner in derselben Sache", glaubt Meier: "Dass wir uns auf Tabellenplatz 18 kritischen Fragen stellen müssen, ist völlig normal. Wir sind hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben. Ich hoffe trotzdem, dass wir einen sachlichen Dialog führen können."

Der 1. FC Köln muss in den kommenden Wochen eine Menge von Problemen lösen. Sonst wird es ungemütlich, sonst droht dem Verein der fünfte Abstieg aus der Bundesliga.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski