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Wolfsburg - "Wir haben alles verändert und noch mal bei null angefangen", flachste ein blendend aufgelegter Klaus Allofs auf die Frage, was sich beim VfL Wolfsburg in den drei Tagen zwischen der 1:4-Pleite beim FC Everton und dem Erfolg in gleicher Höhe über Bayer Leverkusen geändert habe.

Allofs fuhr dann aber ernsthaft fort, dass Trainer und Mannschaft das Spiel gegen Everton gut analysiert und die richtigen Schlüsse gezogen hätten. "Es war ein schöner Nachmittag", so der Sportdirektor. "So ein Erfolgserlebnis kann viele Dinge verändern", so Allofs. "Die Spieler werden in positivem Sinne lockerer. Das hat man heute besonders in der zweiten Hälfte auch gesehen. Es war ein verdienter Sieg."

Rodriguez ragt heraus

Herausragender Akteur auf Seiten der Gastgeber war Ricardo Rodriguez, der zwei Tore selbst erzielte und seinem Mitspieler Vierinha den Ball zum "psychologisch optimalen Zeitpunkt", wie Trainer Dieter Hecking analysierte, kurz vor dem Halbzeitpfiff zum 2:1 so präzise auf den Kopf servierte, dass der den Ball nur reinmachen konnte.

"Das war eine tolle Flanke von Richie", lobte Vierinha, der nicht gerade für seine Kopfballstärke bekannt ist. "Es war nicht mein erstes Kopfballtor. Aber das letzte ist schon ein paar Jahre her."

"Elf gegen Zehn nicht immer leicht"

Zu diesem Zeitpunkt spielte Leverkusen bereits seit 37 Minuten mit nur zehn Mann. Giulio Donati war nach einer Notbremse im eigenen Strafraum in der 8. Minute des Feldes verwiesen worden. "Unsere junge Mannschaft musste sich erst einmal an diese neue Situation gewöhnen", so Leverkusen-Coach Roger Schmidt. "Als des geschehen war, hat man gemerkt, dass man auch in Unterzahl noch eine Chance hat."

Dem stimmte sein Gegenüber Hecking zu. "Man weiß, dass eine Führung auch bei Elf gegen Zehn nicht immer leicht zu verteidigen ist. Hilfreich für uns war das Tor kurz vor der Halbzeit. Nach dem Wechsel waren wir wieder enger am Mann. Das 3:1 hat uns den Sieg letztendlich gesichert, der so auch verdient war", so Hecking.

"Die Top-Teams sind ja noch nicht so weit weg"

"Wir wollten diese Spiel unbedingt gewinnen", so Rodriguez. "Unser Start in die Saison war alles andere als optimal. Da war dieser Sieg wichtig." Der Schweizer bläst im bundesliga.de-Interview zum Angriff auf die Spitze: "Wir wollen uns an die Tabellenspitze heranarbeiten. So weit sind die Top-Teams ja noch nicht weg."

Dafür wollen die Wölfe am Mittwoch bei der Hertha (Duell-Vorschau) unbedingt nachlegen (Tabellenrechner). "Wir müssen sehen, dass wir diese Leistung wiederholen, diesen Siegeswillen Spieltag für Spieltag zeigen", fordert Allofs. "Dann ist diese Mannschaft gut genug, noch eine Menge Punkte zu holen." Und ihren Sportdirektor wieder flachsen zu lassen.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs