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Tschechien ist eine ebenso kleine wie sportbegeisterte Nation. Von den rund zehn Millionen Einwohnern jagen laut dem Fischer Weltalmanach immerhin 625.000 Woche für Woche dem runden Leder hinterher - und das obwohl eigentlich nicht der Fußball, sondern Eishockey im Sport den höchsten Stellenwert genießt.

Während die heimische Gambrinus-Liga im Vergleich mit anderen europäischen Spielklassen hinterherhinkt, die Partien in der Regel vor wenigen tausend Zuschauern stattfinden und Clubs wie Sparta und Slavia Prag, Slovan Liberec und Banik Ostrau in Champions League und UEFA-Cup nur selten mithalten können, hat sich die Nationalelf im vergangenen Jahrzehnt in der internationalen Spitze etabliert.

Nationalelf auf Top-Niveau

Auf ewig unvergessen bleibt der bislang größte Erfolg, als das Team um Shootingstar Karel Poborsky im EM-Finale 1996 in der Verlängerung gegen Deutschland unterlag (1:2). 2004 stand man erneut im Halbfinale, scheiterte aber wiederum am späteren Europameister Griechenland (0:1).

Nicht erst seitdem genießen Spieler aus Tschechien im Ausland einen hervorragenden Ruf. Sie sind in der Regel sowohl technisch als auch taktisch bestens ausgebildet. Auch in der Bundesliga schätzt man die Fähigkeiten der Profis aus dem kleinen Nachbarland. Allein in der Winterpause kamen drei Importe hinzu. Damit spielen im deutschen Profi-Fußball nun 15 Tschechen (zehn in der Bundesliga, fünf in der 2. Bundesliga). bundesliga.de stellt die Neuzugänge sowie einige bewährte Kräfte vor.

Jan Rajnoch (FC Energie Cottbus)

In Jan Rajnoch setzt Energie Cottbus große Hoffnungen. Der Mittelfeldspieler wurde in der Winterpause vom MK Mlada Boleslav ausgeliehen und soll der Defensive der Lausitzer zu neuer Stabilität verhelfen. Für den aktuellen Tabellenzweiten der Gambrinus-Liga absolvierte der 27-Jährige in der Hinrunde 15 von 16 möglichen Partien und erzielte dabei einen Treffer. Der Nationalspieler lief einst in der Abwehr auf - ehe Karel Jarolim ihn in der Saison 2003/04 beim 1. FC Synot weiter nach vorne beorderte.

Jiri Bilek (1. FC Kaiserslautern)

Jiri Bilek gehörte bis zu seinem Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern vor einigen Wochen zu den absoluten Leistungsträgern bei Slovan Liberec, kam in der Hinrunde in jedem Spiel zum Einsatz. Mit dem Club aus Nordböhmen spielte der 25-Jährige sogar im UEFA-Cup sowie der Qualifikation zur Champions League und machte dadurch andere Vereine auf sich aufmerksam. Den Wechsel in die Pfalz soll dem "Sechser" übrigens sein Berater Miroslav Kadlec, der Ex-Libero der "Roten Teufel", wärmstens ans Herz gelegt haben.

Tomas Galasek (Borussia Mönchengladbach)

Mit Tomas Galasek hat sich Borussia Mönchengladbach geballte Erfahrung ins Boot geholt. Für den 36-Jährigen stehen insgesamt 69 Länderspiele, zwei Meistertitel und drei Pokalsiege zu Buche, hinzu kommt reichlich Europacup-Erfahrung. Eigentlich wollte der Mittelfeldspieler seine Karriere bei seinem Heimatverein Banik Ostrau ausklingen lassen, doch "Fohlen"-Coach Hans Meyer, als dessen verlängerter Arm Galasek bereits beim 1. FC Nürnberg galt, konnte ihn zur Rückkehr in die Bundesliga bewegen.

David Jarolim (Hamburger SV)

Schon seit 1997 ist David Jarolim in Deutschland aktiv. Über das Sprungbrett des FC Bayern München II empfahl sich der Mittelfeldakteur einst für den 1. FC Nürnberg, für den der Nationalspieler insgesamt drei Jahre aktiv war. Seit 2003 rackert der 29-Jährige nun schon im Trikot des Hamburger SV, bei dem die "Nummer 14" mittlerweile sogar die Kapitänsbinde trägt. Jarolim wurde der Fußball quasi in die Wiege gelegt: Schon sein Vater Karel, der heute Slavia Prag trainiert, verdiente sein Geld als Profi, gleiches gilt für seinen Bruder Lukas (AC Siena).

Michal Kadlec (Bayer Leverkusen)

Auch Michal Kadlec entstammt einer Fußballer-Familie. Der Linksverteidiger von Bayer Leverkusen wuchs in der Pfalz auf, wo sein Vater Miroslav 1991 mit dem 1. FC Kaiserslautern an der Seite seines heutigen Trainers Bruno Labbadia die Meisterschaft gewann. Zum Beginn der laufenden Saison wechselte der 24-Jährige von Sparta Prag an den Rhein - und entwickelte sich mit gutem Stellungsspiel, präzisen Flanken und einem strammen Schuss auf Anhieb zum Stammspieler (14 Einsätze, ein Tor).

Jaroslav Drobny (Hertha BSC)

Jaroslav Drobny ist ein echter Wandervogel. In den vergangenen sieben Jahren stand der Keeper bei sieben Vereinen unter Vertrag. Nach seinem Wechsel zu Hertha BSC im Sommer 2007 scheint der 29-Jährige nun jedoch endlich sesshaft zu werden. In Berlin avancierte der ehemalige U-21-Nationalkeeper in der Hinrunde der laufenden Saison zum absoluten Leistungsträger. Drobny wehrte nicht nur ligaweit die meisten Bälle auf sein Tor ab (78,9 Prozent), sondern strahlte auf seine jungen Vorderleute auch die nötige Ruhe aus.



Stefan Missy