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Wolfsburg – Die mannschaftsinterne Torschützenliste beim VfL Wolfsburg wird von Stürmer Ivica Olic angeführt. So weit nichts ungewöhnliches, doch neben dem Kroaten hat auch Linksverteidiger Ricardo Rodriguez bereits drei Treffer auf seinem Konto. Der Schweizer Nationalspieler ist momentan der Mann für alle Fälle beim VfL Wolfsburg.

"Richi (Ricardo Rodriguez, Anm. d. Red.) sitzt in der Kabine neben mir. Er hat viel von mir gelernt", lacht Ivica Olic schelmisch nach dem hart erkämpften 2:1-Heimsieg gegen Werder Bremen, wo er höchst selbst den entscheidenden Treffer beisteuerte. Die Wölfe-Führung besorgte hingegen sein Teamkamerad aus der Schweiz.

Heckings Konstante

"Der Fehler im Auswärtsspiel bei Hertha BSC (er verschuldete nach Ballverlust das 0:1) hat mich genervt. Ich wollte zeigen, dass ich es besser kann", erklärte der 22-Jährige nach dem Spiel gegen Bremen in den Katakomben der Volkswagen-Arena. Leichtsinnige Fehler unterlaufen dem Schweizer normalerweise nicht, denn er ist die absolute Konstante im Team von Trainer Dieter Hecking. In der vergangenen Saison absolvierte Rodriguez alle 34 Ligaspiele, schoss dabei fünf Tore und legte auch noch neun Treffer auf. Mit acht Toren in 81 Bundesliga-Spielen weißt er eine - für einen Abwehrspieler - starke Quote auf.

Das weckt Begehrlichkeiten. Viele europäische Top-Clubs sollen an ihm dran sein. Doch an ein Engagement bei einem anderen Club denkt der Schweizer, der noch einen Vertrag bis Juni 2016 besitzt, nicht: "Es macht keinen Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Ich denke nur an das nächste Spiel", so Rodriguez.

Einer der besten Linksverteidiger Europas

Gegen Werder Bremen ließ er sein ganzes Repertoire aufblitzen. Nach 15 Minuten sprintete der Schweizer über das gesamte Spielfeld, schloss einen Konter über Kevin de Bruyne mustergültig ab. Es war bereits sein drittes Saisontor, aber "das erste aus Spiel heraus", wie Rodriguez stolz unterstrich. Sonst trifft er vornehmlich nach ruhenden Bällen, per Frei- oder Strafstoß. Der Sohn eines Spaniers und einer Chilenin war damit an fünf der letzten sechs Pflichtspieltreffer der Wölfe direkt beteiligt (4 Tore, 1 Assist).

Gegen Werder hatte Rodriguez die meisten Ballbesitzphasen aller Akteure (97), auch das zeigt seine Wichtigkeit für das Spiel der Wölfe. Auf der Agenda von Sportchef Klaus Allofs ist eine Verlängerung von Rodriguez´ Vertrag ganz weit oben angesiedelt. "Er ist einer der besten Linksverteidiger Europas und wir würden gerne mit ihm verlängern."

"Fehler abstellen, dann sind wir ein gutes Team"

Trotz des Sieges sind dem Schweizer auch die Schwächen im Spiel der Wölfe nicht verborgen geblieben. Unerklärliche Abspielfehler prägten über weite Strecken das Spiel der Wolfsburger. "Ich kann mir diese Fehler nicht erklären, das müssen wir abstellen, dann sind wir ein gutes Team", erklärte der Verteidiger.

Tabellarisch befindet sich der ambitionierte VfL noch nicht da, wo er sein will. Platz neun, mit zwei Siegen, zwei Remis und zwei Niederlagen, ist nicht das, was sich die Niedersachsen vor der Saison ausgerechnet haben. Die englische „Heimspiel“-Woche begann mit dem Erfolg über Werder verheißungsvoll. Jetzt soll auch am Donnerstag in der Europa League gegen den OSC Lille ein Sieg her, ehe am Sonntag dann der FC Augsburg wartet. Wegweisende Spiele für die Wölfe, in denen Ricardo Rodriguez wieder eine entscheidende Rolle zufallen könnte.

Alexander Barklage