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Stuttgart - 3:3 nach 0:3 – der VfB Stuttgart hat gegen Bayer 04 Leverkusen ein beeindruckendes Comeback gefeiert. Mittendrin: Martin Harnik. Der Österreicher hat sich nach schwierigen Wochen in die Mannschaft zurückgekämpft.

Auch wenn er in seiner Zeit beim VfB Stuttgart schon so viele wichtige Tore für die Schwaben erzielt hat: Martin Harnik hatte es nicht immer leicht im bekannt kritischen Schwabenland. Oft werden die zuletzt immer häufiger werdenden schwachen Auftritte des VfB von den Fans an dem österreichischen Nationstürmer festgemacht. Technisch fehlerhaft und schlecht im Kombinationsspiel - so lauten die Hauptvorwürfe, mit denen Harnik immer wieder konfrontiert wird. So war es auch in der ersten Hälfte der Partie gegen Bayer 04 Leverkusen, als der VfB eine desolate Vorstellung zeigte und mit einem 0:3 in die Kabinen schlich.

Nach Wiederanpfiff aber zeigte der VfB eine beinahe heldenhafte Aufholjagd und sicherte sich noch einen verdienten Punkt. Hauptverantwortlich dafür: der zuvor so gescholtene Harnik, der am Samstag in der zweiten Hälfte all das zeigte, was sein Spiel auch ausmachen kann: Kampfstärke, ein unbändiger Willen, Anführer-Mentalität und nicht zuletzt exzellente Abschlussqualitäten, von denen die Stuttgarter in den vergangenen Jahren immer wieder profitierten.

Ein Tor und zwei Chancen zum Siegtreffer

Am Samstagnachmittag reichte ein Blick in Martin Harniks Augen, um zu erkennen, wie sehr die Stuttgarter Leistung der ersten Hälfte gegen Bayer 04 an ihm nagte. Der 27-Jährige machte nicht nur den Ausgleichstreffer zum 3:3, sondern hatte kurz vor dem Ende sogar noch zwei Mal die Gelegenheit, den Sieg für seine Stuttgarter herauszuschießen.

"Bei der ersten Aktion hätte ich überlegter abschließen müssen, bei dem Kopfball danach hat Bernd Leno einfach überragend reagiert", analysierte Harnik im Anschluss gewohnt redegewandet die beiden Szenen. Schon immer galt der Sohn einer Hamburgerin und eines Steirers als Wortführer und als einer, der sich auch seinen Kritikern stellt.

"Schritt für Schritt zurückgearbeitet"

Zuletzt aber lief es sportlich nicht mehr wie gewünscht. Eine schwere Schulterverletzung, die er sich in der Endphase der vergangenen Saison zuzog, verhinderte eine durchgängige Saisonvorbereitung. Harnik konnte erst verspätet das Training aufnehmen. Folge: VfB-Trainer Armin Veh setzte an den ersten Spieltagen nicht mehr auf den kampfstarken Außenstürmer und setzte ihn auf die Bank.

Harnik selbst war deshalb auch erleichtert, gegen Leverkusen wieder von Beginn an auf dem Platz zu stehen. "Für jeden Spieler ist es schlecht auf der Bank zu sitzen", erklärt Harnik. "Allerdings war das bei mir auch die logische Konsequenz aus meinen Leistungen und meiner schwierigen Vorbereitung." In den vergangenen Wochen allerdings habe er sich "Schritt für Schritt zurückgearbeitet". Hinzu kommt, dass er mit der österreichischen Nationalmannschaft zuletzt mit zwei Siegen erfolgreich war und dort lange zum Einsatz kam.

Fakt ist: Harnik ist zurück. Die Krise des VfB allerdings ist noch nicht vorbei. Das weiß auch der 27-Jährige, der nach dem Remis gegen Leverkusen den Finger in die Wunde legte: "Unser Trainer wird uns in den kommenden Tagen sicher an die erste Halbzeit erinnern, denn da haben wir fast jeden entscheidenden Zweikampf verloren." Für Harnik war das famose Stuttgarter Comeback auch eine Frage der Ehre. "Der Umschwung war auch eine Charakterfrage, der Trainer hat in der Halbzeit an unsere Ehre appelliert." Und damit vor allem Harnik an der entscheidenden Stelle gekitzelt.

Jens Fischer