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Köln - Leonardo Bittencourt ereilte zuletzt drei Mal in Folge ein ungewohntes Schicksal: Er wurde eingewechselt. Während er im Auswärtsspiel beim FC Bayern am 7. Spieltag und im Playoff-Hinspiel der U21 keine entscheidenden Impulse geben konnte, drehte er beim 2:0-Sieg im Rückspiel gegen die Ukraine mit einem Assist und eine Tor mächtig auf. 

In München saß der Offensivspieler von Hannover 96 erstmals in dieser Saison und erstmals in der Bundesliga seit dem 30. März dieses Jahres auf der Bank.

Auszeit "macht mich noch heißer"

"Wenn ich mal ein Spiel auf der Bank sitze, macht mich das nur noch heißer, weiter hart zu arbeiten, um am Wochenende wieder spielen zu dürfen", sagt Bittencourt im Gespräch mit bundesliga.de. Normalerweise ist er auf der rechten Außenbahn bei 96 gesetzt - mit gerade einmal 20 Jahren ist Bittencourt der jüngste Stammspieler der Niedersachsen. "Das Ziel eines jeden Spielers ist es, Stammspieler zu sein - egal wie alt man ist", ergänzt Bittencourt.

Vor einem Jahr wechselte der 1,71 Meter große Flügelspieler von Borussia Dortmund nach Hannover. In einer schwierigen, lange vom Abstiegskampf geprägten Saison war der Youngster einer der Lichtblicke. In 31 Bundesliga-Spielen erzielte der Rechtsaußen vier Tore und bereitete fünf weitere vor.

Bittencourt blüht unter Korkut auf

Aber erst unter dem neuen Trainer Tayfun Korkut, der in der Winterpause das Amt von Mirko Slomka übernommen hatte, blühte Bittencourt so richtig auf. "In den Gesprächen merke ich, dass er mir voll vertraut und mich so gut wie mögliche entwickeln möchte", beschreibt Bittencourt das gute Verhältnis. "Dieses Vertrauen nehme ich dankend an und probiere, es zurückzuzahlen." Auf diese Weise bescherte er seinem Coach beim Rückrundenstart einen Einstand nach Maß, als er beim 3:1-Auswärtssieg in Wolfsburg den ersten Doppelpack seiner Bundesliga-Karriere schnürte.

Das schaffte nicht mal Bittencourts berühmter Vater Franklin, der in der Bundesliga für den VfB Leipzig und Energie Cottbus spielte. Bereits früh schickte sich der junge Leonardo an, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten - und das beim gleichen Verein. Als 5-Jähriger trat er beim FC Energie in die Jugendabteilung ein, als 17-Jähriger feierte er sein Profi-Debüt in der 2. Bundesliga und von da an nahm seine Karriere richtig Fahrt auf.

Großer Sprung von Cottbus nach Dortmund

Im Sommer 2012 wagte er den Sprung zu Borussia Dortmund. Im Derby gegen den FC Schalke 04 feierte er sein Bundesliga-Debüt. Das Herz habe schon ein wenig höher geschlagen, sagte er damals. Doch es blieb bei diesem einen Kurzeinsatz in der Hinrunde 2012/13. Auch in der Rückrunde kam er zumeist nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Daher entschloss er sich 2013 für den Schritt nach Hannover.

"Mein Ziel ist es, soviel wie möglich zu spielen, auch am besten von Anfang an", betont Bittencourt. In Hannover habe er Woche für Woche die Möglichkeit in der Startformation zu stehen. Und er strebt immer nach Verbesserung. "Ich arbeite weiter daran, mehr Tore zu schießen und mehr Tore vorzulegen."

"Müssen noch einen Tick effizienter sein"

In der laufenden Spielzeit wartet Bittencourt allerdings noch auf seinen ersten Treffer. In München wurde er zur Pause eingewechselt, brachte nochmals ein wenig frischen Wind, doch das Spiel war bereits entschieden. Wie Bittencourt blieb auch Hannover im vierten Auswärtsspiel in dieser Saison ohne eigenes Tor. "Wir müssen auswärts vorne einen Tick effizienter sein", fordert Bittencourt. "Zuhause kriegen wir das ja auch ganz gut hin."

Nach dem guten Saisonstart mit zehn Punkten aus den ersten fünf Spielen trübten die beiden Auswärtsniederlagen in Stuttgart und in München zuletzt ein wenig die Stimmung bei den 96ern. Mit Borussia Mönchengladbach steht nach der Länderspielpause die Hannoveraner Heimstärke vor einer schweren Bewährungsprobe. "Zuhause sind wir sehr, sehr gut, von daher bin ich guter Dinge, dass wir uns schnell wieder berappeln", meint Bittencourt. Er selbst könnte dazu beitragen - dann auch wieder, wie gewohnt, von Anfang an.

Maximilian Lotz