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Mainz - Die Zahlen sind bitter: Mainz 05 hat vier von fünf Heimspielen in dieser Saison verloren, die vergangenen sieben Spiele nicht gewonnen und vier davon hintereinander verloren. Nach der bitteren 0:1-Heimniederlage gegen den FC Augsburg am vergangenen Wochenende hängt der Vorjahresfünfte mit nur acht Zählern im Tabellenkeller fest.

"Das ist eine Herausforderung für den Trainer und die Spieler", sagt der Mainzer Präsident Harald Strutz nun, stellt aber klar: "Wir im Verein bleiben trotzdem ruhig." Zweieinhalb Jahre ist es unter dem Trainer Thomas Tuchel immer nur aufwärts gegangen, nun zeigt der Trend erstmals nach unten.

Mehr Ballbesitz, aber kaum Torchancen

In Panik verfällt Tuchel deshalb nicht, von Mahnern, die bereits das Wort Abstiegskampf in den Mund nehmen, will er seine Arbeit nicht beeinflussen lassen. "Ich mache meine Trainingswoche nicht vom Tabellenplatz abhängig", sagt Tuchel, mit dem Konstrukt Abstiegskampf könne er ohnehin nichts anfangen.

Dass der Umbruch im Team mit elf Neuzugängen und den Weggängen von Leistungsträgern wie Lewis Holtby, Andre Schürrle und Christian Fuchs nicht glatt verlaufen würde, war den Mainzer Verantwortlichen bewusst. Doch das frühe Aus in der Europa-League-Qualifikation und der schwache Tabellenstand in der Bundesliga nach einem Viertel der Saison waren so mit dem Umzug in die neue Coface-Arena natürlich nicht einkalkuliert. Dennoch: Alles wollen sie sich nicht schlecht reden lassen, desolat spielt die Mannschaft auch nicht. Gegen Augsburg hatten sie 66 Prozent Ballbesitz, aber am Ende auch nur drei klare Torchancen.

Euphorie ist verflogen

"Unterm Strich hatten wir viel Ballbesitz und haben daraus zu wenig gemacht", analysierte Mittelfeldmann Andreas Ivanschitz. Es fehle einfach die letzte Konsequenz vor dem Tor, hadert Ivanschitz' Kollege aus der österreichischen Nationalmannschaft, Julian Baumgartlinger: "Wir wollten das Tor dann am Ende erzwingen und sind dann in einen Konter gelaufen." Es läuft in allen Mannschaftsteilen nicht rund, die meisten Neuzugänge kämpfen noch mit Anpassungsproblemen und Alteingesessene Mainzer Profis wie Eugen Polanski und Elkin Soto im Mittelfeld oder Kapitän Nikolce Noveski und Bo Svensson in der Abwehr haben ihre brillante Form des Vorjahres verloren. Der Schwung ist irgendwie weg bei "Nullfünf", die Euphorie des rauschenden Vorjahres verflogen.

"Hier wird keiner in Panik verfallen", sagt Manager Christian Heidel bestimmt, "wir haben solche Situationen in Mainz schon oft erlebt." Doch der Druck wächst, Spiele gegen schwächer eingestufte Teams wie Kaiserslautern und Augsburg wurden verloren, deshalb sagt Präsident Harald Strutz: "Im Saisonspielgel haben wir gegen Augsburg drei eingeplante Punkte verloren, die wir uns woanders wieder holen müssen."

"Werden zurückkommen"

Trainer Tuchel wird seine Spieler wieder gewissenhaft auf das nächste Spiel bei Hertha BSC Berlin vorbereiten, die Selbstkritik bei den Profis ist da: "Wir werden uns selbstkritisch hinterfragen, aber ruhig bleiben, es geht weiter", sagt Andreas Ivanschitz, der überzeugt hinzufügt: "Wir werden zurückkommen, davon bin ich überzeugt."

Trotz ist eine alte Mainzer Tugend und Manager Christian Heidel glaubt: "Dann gewinnen wir halt in Berlin, dann sieht die Welt schon wieder anders aus."

Tobias Schächter