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Köln - 434 Tage hatte Ilkay Gündogan kein Bundesliga-Spiel mehr bestritten. Nun endete die lange Leidenszeit am vergangenen Samstag im RheinEnergieStadion des 1. FC Köln. Erstmals lief der Mittelfeldstar von Borussia Dortmund wieder in einer Bundesliga-Arena auf und hielt dabei bis zur 90. Minute durch. Zwar verlor der BVB am Ende gegen den 1. FC Köln mit 1:2. Doch Gündogan hatte den Härtetest bestanden.

"Ich habe es genossen, auch wenn das Ergebnis nicht gestimmt hat“, sagte der 23-Jährige nach dem Abpfiff. „Ich versuche, weiter an mir zu arbeiten und mein Spiel weiterzuentwickeln, um der Mannschaft zu helfen." Noch konnte er die angeschlagene Truppe nicht entscheidend nach vorne bringen. Aber das war nach der langen Zwangspause auch nicht anders zu erwarten.

Zweitmeiste Ballkontakte aller Borussen

Das Arbeitsprotokoll von Ilkay Gündogan liest sich gar nicht einmal so schlecht. 93 Ballkontakte hatte er und damit die zweitmeisten aller Borussen. Seine Fehlpassquote lag bei 21 Prozent, seine zurückgelegte Laufstrecke bei 10,8 Kilometern. Der achtmalige deutsche Nationalspieler gab zudem zwei Torschussvorlagen. Weniger gut war allerdings sein Zweikampfwert von 43 Prozent gewonnener Zweikämpfe. Hier kann und wird er sicherlich noch zulegen.

Eigentlich war nicht vorgesehen, dass Gündogan in Köln fast durchspielte. Doch der außerplanmäßige Ausfall von Erik Durm unmittelbar vor Spielbeginn und die folgende taktische Umstellung zwangen BVB-Trainer Jürgen Klopp dazu, im Verlauf der Partie andere Spielerwechsel vorzunehmen. "Gündogan stand zwangsläufig 90 Minuten auf dem Platz. Das war das einzig Positive an diesem Tag", meinte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc nach dem Spiel.

"Die Gegentore fallen blöd, unnötig"

Das Comeback des Langzeitverletzten Ilkay Gündogan und die ebenfalls erfolgte Rückkehr von Marco Reus und Henrikh Mkhitaryan waren dann auch so ziemlich die einzigen Lichtblicke bei der Niederlage gegen die Geißbockelf, die sich die Dortmunder selbst ankreiden müssen. Beiden Kölner Toren gingen individuelle Patzer der Borussia voraus.

"Wie soll ich die Fehler erklären? Konzentrationsmängel in der jeweiligen Situation. Die Gegentore fallen blöd, unnötig. Wir haben sie uns zu neunzig Prozent selbst zuzuschreiben", gab Ilkay Gündogan zu, der bei der Vorbereitung zum zweiten Kölner Treffer auch nicht energisch genug eingriff.

"Es fehlt uns an Substanz und Härte"

"Natürlich fehlt uns auch die Substanz und die Härte", analysierte BVB-Mannschaftskapitän Mats Hummels in Anspielung auf die zahlreichen BVB-Profis, die derzeit nicht hundertprozentig fit sind. Zudem fehle der Borussia derzeit das Schlachtenglück. "Es war erneut ein 50:50-Spiel. Köln war nicht die bessere Mannschaft, hat das Spiel aber am Ende gewonnen. Irgendwann wird es aber mal nicht so kommen, dass der Gegner aus zwei Chancen zwei Tore macht."

Damit es dazu kommt, muss die Borussia als Mannschaft deutlich besser werden, aber auch die Spieler müssen sich individuell steigern. Für Ilkay Gündogan war das Spiel in Köln ein erster ordentlicher Ansatz, dem nun weitere folgen müssen.

Tobias Gonscherowski