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München - Für Trainer Jupp Heynckes bedeutete die Genesung von Arjen Robben ein Luxusproblem und ein Dilemma: Wenn die beiden Tempodribbler Robben und Franck Ribery fit sind, ist nur noch ein Platz frei in der offensiven Dreier-Reihe.

Gegen Dortmund durfte Thomas Müller ran, konnte aber nicht überzeugen. Während Robbens Verletzung hatte Heynckes auf Toni Kroos vertraut - so auch wieder beim 3:1-Sieg über Villarreal.

Und wie schon in vielen Spielen seit Saisonbeginn überzeugte der Nationalspieler auf ganzer Linie, übernahm bei fast jedem Angriff die Verantwortung und bereitete zwei Tore von Franck Ribery mustergültig vor. Beim 1:0 war sogar eine Balleroberung des gebürtigen Greifswalders vorangegangen. Für die UEFA war nach dem Spiel Kroos, nicht etwa Ribery, der "Man of the Match".

Mit bundesliga.de sprach der 21-Jährige über den Sieg über die Spanier - und warum er besser vorbereitet ins Spiel ging als Franck Ribery. Außerdem spricht der Mittelfeldspieler über die Frage nach seiner Lieblingsposition und blickt auf die nächsten Aufgaben in der Bundesliga voraus.

bundesliga.de: Herr Kroos, Glückwunsch zum Sieg. Wie wichtig war das frühe Tor für das Spiel?

Toni Kroos: Das ist natürlich ideal, so in ein Spiel reinzukommen. Man führt, das gibt vor allem mehr Selbstvertrauen. So konnten wir von Anfang an mit der Führung im Rücken frei aufspielen, natürlich ist das gut. Aber wir haben auch schon viele Spiele gehabt, in denen wir nicht direkt in Führung gegangen sind, wir aber trotzdem gewonnen haben.

bundesliga.de: Im Mittelfeld war sehr viel Platz zum Kombinieren, vor allem im Vergleich zum Dortmund-Spiel. Hatten Sie von Anfang an das Gefühl, dass Villarreal nicht wirklich an seine Chance geglaubt hat?

Kroos: Naja, ich glaube, sie hatten auch einige Verletzungsprobleme. Es stimmt, sie sind im Mittelfeld nicht so gut drauf. Deswegen sind wir auch immer direkt draufgegangen, wollten ihnen gar keine Chance geben. Das haben wir gemacht und deswegen haben wir dann auch souverän gewonnen.

bundesliga.de: Nebelschwaden in der Arena, Eiseskälte: Gefühlt waren es Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Franck Ribery hat sich nach einigen Minuten schon Handschuhe geholt. Haben Sie es besser ausgehalten?

Kroos:(lacht) Ja, denn ich hatte direkt welche an!

bundesliga.de: Heute haben Sie wieder auf der "Zehn" gespielt. Zuletzt gegen Dortmund auf der "Sechs". Auf welcher Position fühlen Sie sich besser aufgehoben?

Kroos: Ich finde, dass mir beides gut liegt. Ich spiele auch beide Positionen sehr gerne. Logisch ist, dass man auf der "Zehn" mehr in der Offensive eingebunden ist, was mir auch liegt. Aber ich spiele auf der anderen Position auch gerne.

bundesliga.de: Und wenn Sie es sich aussuchen könnten?

Kroos:(lacht) Kann ich aber nicht!

bundesliga.de: Die Qualifikation fürs Achtelfinale ist geschafft. Hilft das im Liga-Alltag, dass der Fokus jetzt der Bundesliga gelten kann?

Kroos: Ja, natürlich nehmen wir das mit. Das wichtigste Spiel ist nunmal immer das nächste, und das ist häufig bei uns alle drei, vier Tage der Fall. Jetzt spielen wir in Mainz, dann haben wir mal eine Woche Ruhe und dann wieder Bundesliga gegen Bremen. Beide Spiele wollen wir natürlich gewinnen.

bundesliga.de: Der FC Bayern ist jetzt sogar schon sicher Gruppenerster. Wie groß ist überhaupt noch die Motivation, nach Manchester zu fahren?

Kroos: Bei einer Mannschaft, die gerade einer der besten Ligen dominiert, werden wir uns sicher nicht abschießen lassen, sondern zeigen, dass wir genauso gut, wenn nicht sogar besser sind. Das haben wir auch im Hinspiel schon gezeigt.

Das Gespräch führte Christoph Gschoßmann