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Kaiserslautern/München - Christian Tiffert ist in der Mitte angekommen, in mehrfacher Hinsicht. Beim 1. FC Kaiserslautern ist der 28-Jährige in dieser Saison die prägende Figur im zentralen Mittelfeld, mit neun Assists zudem der beste Vorbereiter der Bundesliga.

Bemerkenswert für einen Profi, der in den vergangenen beiden Jahren noch in der 2. Bundesliga sein Geld verdiente. Das Etikett "ewiges Talent" hat er abgestreift, endlich, mit 28 Jahren, im besten Fußballalter also. Er sei im Laufe seiner Karriere ruhiger geworden, sagt der Mittelfeldspieler: "Dies hat mir auch als Fußballer sicherlich nicht geschadet."

Im Interview spricht der Spielmacher über seine persönliche Entwicklung, das richtige Maß Emotionalität auf dem Rasen und das Aufsteigerduell mit dem FC St. Pauli am 15. Spieltag.

bundesliga.de: Herr Tiffert, Sie sind mit neun Assists der derzeit beste Vorbereiter der Bundesliga. Woran liegt es, dass Sie mit 28 Jahren die bislang wohl stärkste Saison Ihrer Karriere spielen?

Christian Tiffert: Ich weiß nicht, ob es die stärkste Saison ist, das müssen andere beurteilen. Ich fühle mich auf meiner aktuellen Position sehr wohl. Ich habe als Stürmer angefangen und dann meist Rechtsaußen gespielt. Aber vielleicht hatte ich damals auch noch nicht die Qualität für die zentrale Position. Ich denke, heute ist meine Erfahrung ein großer Vorteil. Außerdem taten die Jahre in der 2. Bundesliga gut, ich habe zum Beispiel das Kämpfen gelernt und die Belohnung ist jetzt die Bundesliga mit dem FCK.

bundesliga.de: Sie gelten auf dem Rasen als Heißsporn und Kämpfer. Dinge, die gerade auf dem Betzenberg von den Fans honoriert werden. Inwiefern passt Ihre Mentalität zu der des Vereins?

Tiffert: Die richtigen Emotionen können nicht schaden. Das Publikum auf dem "Betze" hat da schon ein sehr gutes Gespür für. Ich denke außerdem schon, dass ich die Emotionalität brauche. Ich werde aber nicht ausfällig oder cholerisch.

bundesliga.de: Sie galten bei Ihrem Wechsel von Tennis Borussia Berlin zum VfB um die Jahrtausendwende als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Wie erklären Sie es sich, dass Ihnen der ganz große Durchbruch in Stuttgart nie gelungen ist?

Tiffert: Meistens läuft das doch so, dass man aus irgendeinem Grund auf einer Position eingesetzt wird und wenn man dann überzeugt, dann bleibt man dort. Jeder schätzt einen Spieler anders ein, und damals war ich zudem noch nicht auf dem Stand von heute.

bundesliga.de: Nach Ihrer VfB-Zeit sind Sie nach Österreich gegangen, danach mit Duisburg in die 2. Bundesliga. Im Sommer sind Sie beim FCK wieder auf die große Bühne Bundesliga zurückgekehrt und prompt in eine Rolle Führungsspieler geschlüpft. Wie entscheidend waren diese Jahre für Ihre Entwicklung?

Tiffert: Ich habe im Laufe der Karriere, vor allem während meiner Zeit in Österreich, gelernt, ruhiger zu werden. Dies hat mir auch als Fußballer sicherlich nicht geschadet.

bundesliga.de: Der FCK präsentiert sich in dieser Saison sehr unberechenbar. Anfangs legte Ihr Team fulminant los, dann kam der Absturz, mittlerweile geht es wieder aufwärts. Zuletzt haben Sie und Ihr Team Schalke mit 5:0 abgefertigt. Worin sehen Sie die Gründe für das Auf und Ab?

Tiffert: Wir sind ein Bundesliga-Aufsteiger und wir haben eine noch unerfahrene Mannschaft. Für einige waren das die ersten Spiele in der Bundesliga. Trotzdem haben wir in vielen Spielen, die wir am Ende verloren haben, schon eine gute Leistung gezeigt. Ich denke vom spielerischen und auch vom Einsatz her sind wir seit Beginn der Saison angekommen und zuletzt stimmen auch die Ergebnisse.

bundesliga.de: Am Freitagabend treten Sie mit dem FCK beim FC St. Pauli zum Aufsteigerduell an. Was für eine Partie erwarten Sie?

Tiffert: Es ist eine ganz spezielle Atmosphäre am Millerntor. Sehr eng und sehr laut. Von uns werden wieder fast 3.000 Fans mitgereist sein. Diese heißblütigen Fans, die den Einsatz jedes Spielers würdigen und ein tolles Gespür dafür haben, wie sie der Mannschaft helfen können, sind etwas ganz besonderes. Fußballerisch wollen wir da anknüpfen, wo wir gegen Nürnberg und Schalke aufgehört haben.

Die Fragen stellte Andreas Messmer