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Der 30. März 2010 wird mit Fug und Recht als fast perfekter Abend in die Vereinsgeschichte des FC Bayern München eingehen.

Trotz eines frühen Rückstands kämpfte sich die Mannschaft des deutschen Rekordmeisters im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen Manchester United in allerletzter Sekunde noch zum 2:1-Sieg gegen den englischen Meister.

Durch die Tore von Franck Ribery und Matchwinner Ivica Olic nehmen die Bayern ein kleines Polster mit ins Rückspiel kommende Woche in Manchester. Dann ist auch der im Hinspiel gelbgesperrte Bastian Schweinsteiger wieder mit dabei - und vielleicht ja auch Arjen Robben.

Nur das Auswärtstor des Gegners trübt die Ausgangslage ein wenig. Vorstandsboss Karl-Heinz Rumenigge spricht deshalb im Interview auch nur von einer "kleinen Chance" auf den Halbfinal-Einzug, lobt aber die starke Leistung der eigenen Elf.

Frage: Sportdirektor Christian Nerlinger hat nach dem Sieg in letzter Minute von einer "großen Nacht" des FC Bayern gesprochen. Sehen Sie das auch so?

Karl-Heinz Rummenigge: Wir tun gut daran, trotzdem ruhig zu bleiben. Es war wichtig für das Selbstvertrauen, dass wir gewonnen haben, weil es auch eine sofortige Reaktion auf die Niederlage vom Samstag gegen Stuttgart war. Aber wir haben jetzt zwei schwere Spiele vor der Brust, die über die laufende Saison entscheiden werden. Wir müssen jetzt total den Fokus auf Samstag und das Spiel auf Schalke richten, um dort wieder sofort die Tabellenführung zurückzuerobern, die wir am letzten Samstag verloren haben.

Frage: Was bedeutet das 2:1 für das Rückspiel in Manchester?

Rummenigge: Es ist jetzt eine kleine Chance da. Keiner hatte uns das vorher zugetraut, dass wir gegen diese große Mannschaft überhaupt eine Chance haben. Mit dem Sieg in wahrlich letzter Sekunde haben wir jetzt eine kleine Möglichkeit, das zu schaffen, was vor dem Spiel fast unmöglich erschien.

Frage: Hat Sie das geärgert, dass Ihrer Mannschaft vorher wenig zugetraut wurde?

Rummenigge: Nein. Ich liebe solche Situationen, in denen Bayern München mal Außenseiter ist. Das kommt ja nicht so oft vor. Die Mannschaft hat gegen Manchester gezeigt, dass sie durchaus zu Energieleistungen in der Lage ist und solch ein Spiel gegen ein Klasseteam noch zu drehen.

Frage: Ist denn United tatsächlich so stark, wie man vorher gedacht hat?

Rummenigge: Manchester ist eine Klassemannschaft und nicht zufälligerweise Tabellenführer in der Premier League. Aber man hat gesehen, dass Bayern München gegen sie eine Chance hat.

Frage: Was ging Ihnen durch den Kopf, als es nach nicht einmal zwei Minuten 0:1 aus Bayern-Sicht stand?

Rummenigge: Dass ich lieber in der ersten als in der letzten Minute ein Gegentor kassiere.

Frage: Hat der FC Bayern eigentlich zwei Gesichter?

Rummenigge: Was wir vergangene Woche im Pokal auf Schalke und nun gegen Manchester gesehen haben, waren identische Gesichter. Was wir leider in Nürnberg, Köln oder Frankfurt haben liegen lassen, müssen wir nun am Samstag gegen Schalke wieder wettmachen. Das wird ein ganz heißes Spiel, da muss man kein großer Prophet sein. Aber bei Arjen Robben sieht es gut aus, daher sind wir optimistisch, in Bestbesetzung antreten zu können und werden versuchen, auf Schalke uns die Tabellenführung zurückzuholen.

Frage: Was sagen Sie zur Leistung von Ivica Olic?

Rummenigge: Wir wissen, was wir an ihm haben. Wir haben ihn nicht ohne Grund vom Hamburger SV geholt. Ich habe immer gesagt, dass er ein Spieler ist, der uns gut zu Gesicht steht.

Frage: Wie wichtig war das Comeback von Franck Ribery?

Rummenigge: Wir sind sehr glücklich, dass er zurück ist. Er hat ein Tor gemacht und damit die Wende eingeleitet. Franck ist ein Spieler, bei dem wir froh sind, dass wir ihn haben.

Frage: Manchester tritt am Wochenende in der Liga gegen den Titelkonkurrenten FC Chelsea an. Ist das ein Vorteil für den FC Bayern, dass United keine Spieler schonen kann?

Rummenigge: Ganz ehrlich: Ich denke nur an unser Spiel am Samstag auf Schalke und die Mannschaft auch. Sie sitzt jetzt in der Kabine, und da ist keine Euphorie, sondern der Fokus liegt jetzt schon ganz klar auf Schalke. Wir wissen, dass das ein ganz schweres Spiel wird und dass das vor allen Dingen ein entscheidendes Spiel für die Saison wird. Wenn man so hart arbeitet, wie das die Mannschaft in dieser Spielzeit bislang getan hat, dann will man auch am Ende des Tages die Ernte dafür einfahren. Wir wissen, dass wir am Samstag auf keinen Fall verlieren dürfen, aber natürlich werden wir versuchen, dort zu gewinnen.

Frage: Haben Sie Leverkusen im Titelrennen auch noch auf der Rechnung?

Rummenigge: Ich denke, es ist besser, keinen Konkurrenten abzuschreiben. Wir müssen jetzt mal abwarten, wie unsere Partie auf Schalke ausgeht und wie die anderen spielen, dann sehen wir weiter. Aber im Moment liegt der Fokus wirklich nur auf Schalke und dann auf nächsten Mittwoch in Manchester.

Frage: Hat der FC Bayern durch den Last-Minute-Sieg einen psychologischen Vorteil?

Rummenigge: Nein, es gibt keinen psychologischen Vorteil. Schalke ist Tabellenführer, hat zwei Punkte Vorsprung, und den wollen wir am Wochenende wettmachen. Das wird schwer, ist aber nicht unmöglich, wie wir im Pokal-Halbfinale gesehen haben.


Aus der Allianz Arena berichtet Denis Huber


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