ANZEIGE

München - Laut eines ungarischen Sprichwortes ist der Platz eines ungeladenen Gastes hinter der Tür. So ähnlich muss sich Szabolcs Huszti bei der Meisterfeier des russischen Erstligisten Zenit St. Petersburg gefühlt haben. In der Saison 2011/12 kam der Ungar in der Premjer-Liga nicht mehr über den Status als Einwechselspieler hinaus und entschied sich nach nur 58 Liga-Spielen in drei Jahren zum Abschied. Es folgte der Wechsel zu dem Club, der ihn 2009 nach Russland ziehen ließ - zu Hannover 96.

Trotz mangelnder Spielpraxis glaubt man bei den Niedersachsen weiterhin an die Qualitäten des Mannes, der bei 96 schon einmal zu den absoluten Leistungsträgern zählte. "Seine Stärken kommen sicherlich im linken offensiven Mittelfeld am besten zur Geltung. Ich bin überzeugt davon, dass er unsere Qualität im Team noch einmal erhöht", sagt Slomka.

Zurück zu alter Stärke



"Es ist schön, wieder zurück zu sein. Ich hatte in Hannover eine tolle Zeit, deswegen wollte ich auch gerne wieder zu 96", sagt der Linksfuß und hofft, die vergangene Spielzeit trotz Meisterschaft vergessen machen zu können.

Von 2006 bis 2009 etablierte Huszti sich mit Hannover 96 in der Bundesliga und steuerte in 81 Bundesliga-Spielen 17 Tore sowie 24 Torvorlagen zum Aufschwung des Clubs bei. Im Durchschnitt gelang ihm also in jedem zweiten Spiel ein Scorer-Punkt.

Qualitäten auf und neben dem Platz



"Ich weiß nicht, ob ich ein Publikumsliebling bin, aber ich hoffe, dass die Fans mich und meine Art Fußball zu spielen mögen", sagte Huszti im Interview mit bundesliga.de 2007. "Wenn sie mich mögen, bin ich glücklich."

Und glücklich ist man bei 96 in jedem Falle mit der Verpflichtung des 1,73 Meter großen Technikers (Wechselbörse). "Ich habe ihn in sehr guter Erinnerung, was seine fußballerischen Qualitäten angeht. Und auch neben dem Platz ist Szabolcs jemand, der sich sehr gut in die Mannschaft einbringt", sagt Slomka. Eigenschaften, die ihm laut seinem damaligen Nationalmannschaftskollegen Pal Dardai in seiner ersten Amtszeit bei Hannover 96 noch fehlten.

"Fußballerisch hat er die Qualität schon, menschlich braucht er vielleicht noch ein, zwei Jahre zum absoluten Führungsspieler", sagte Dardai 2007.

"Einsatz, Kaltschnäuzigkeit, Leidenschaft"



Dass Huszti überhaupt zum international begehrten Spieler wurde, hat er vor allem Lothar Matthäus zu verdanken, der ihn 2004 als ungarischer Nationaltrainer im Spiel gegen Japan debütieren ließ. Huszti dankte es ihm mit einem verwandelten Elfmeter zum 3:2-Siegtreffer. "Ich habe gesehen, was für ein Talent da schlummert", erinnert sich Matthäus und ergänzt: "Einsatz, Kaltschnäuzigkeit, Leidenschaft - da war alles, was ihn für meinen Aufbau einer jungen Elf interessant machte."

Für die kommende Saison kann sich Huszti einen Wunsch erfüllen, den er bereits zu auf seiner ersten Station bei 96 hatte. "Ich hoffe, dass wir mal im UEFA-Pokal oder sogar in der Champions League spielen werden." Jetzt hat er die Möglichkeit, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Auf einer möglichen Siegesfeier würde er mit Sicherheit kein ungeladener Gast sein.

Steffen Hoss