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München - Wenn am Samstag um 18:30 Uhr der Anpfiff ertönt, dann steht für die Bundesliga-Fans kein ganz normales Spiel auf dem Programm. Es spielt der Rekordmeister gegen den Deutschen Meister, der Tabellenführer gegen den Zweiten, die "Roten" gegen die "Schwarz-Gelben", oder kurz: der FC Bayern München gegen Borussia Dortmund.

Die Münchner können mit einem Sieg in diesem prestigeträchtigen Duell (ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) nicht nur Revanche nehmen für die 1:3-Niederlage im Heimspiel im Februar, die den Borussen den Weg zum Titelgewinn ebnete, die Fußballexperten erwarten vom Ausgang des Spiels auch einen Fingerzeig auf die restliche Saison.

Selbstvertrauen holen

"Entschieden wäre die Meisterschaft nicht, aber es wäre ein großer Schritt in Richtung Titel", meinte der ehemalige Bayern-Stürmer Giovane Elber im exklusiven bundesliga.de-Interview. "In solchen Spielen holt man sich Selbstvertrauen."

FCB-Trainer Jupp Heynckes sieht das ähnlich: "Wir müssen all das zeigen, was uns zuletzt so stark gemacht hat. Denn dieses Gipfeltreffen ist richtungsweisend für die nächsten Wochen."

BVB will auf Augenhöhe gelangen

Auf jeden Fall würden die Bayern aus fünf Punkten Vorsprung auf die Westfalen acht Zähler machen. Bis zur Winterpause wäre dieser Rückstand vom BVB nur schwer aufzuholen. Trotzdem ist Dortmunds Trainer Jürgen Klopp davon überzeugt, dass sein Team aus München etwas mitnehmen kann.

"Wir wissen, dass wir sehr, sehr viel richtig machen müssen, um aus München etwas mitzunehmen. Aber wir trauen uns das zu", erklärte der Coach, der taktische Maßnahmen ergreifen möchte, "um den Gegner auf unser Niveau herunter zu ziehen. Und wenn wir dann auf Augenhöhe sind, können wir die Bayern schlagen".

Herausragende Torbilanz des FCB

Dass dies keine leichte Aufgabe wird, zeigen vor allem die letzten fünf Bundesliga-Heimspiele der Bayern. Alle fünf Partien gewann der Rekordmeister, mit einer Torbilanz von 23:0 und dabei wurde keine Partie mit weniger als drei Treffern bestritten.

"Es wird schwer für uns. Die Bayern sind wesentlich gefestigter als in der letzten Saison, vor allem im Defensivbereich", meinte daher auch Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc bei bundesliga.de.

Aber nicht nur die Viererkette steht sicherer, mit Manuel Neuer hat der FC Bayern den Keeper zwischen Pfosten, der in der Vorsaison mit dem FC Schalke beim 0:0 im Signal Iduna Park die Dortmunder Angreifer mit seinen Paraden zur Verzweiflung gebracht hat.

Robben wieder dabei

Allerdings wird gegen den BVB vor allem das defensive Mittelfeld der Münchner auf dem Prüfstand stehen. Der verletzungsbedingte Ausfall von Bastian Schweinsteiger wiegt weiterhin schwer, gegen den FC Augsburg kamen am vergangenen Spieltag nach der Halbzeitpause zu wenig Impulse nach vorne und zusätzlich wird auch Anatoliy Tymoshchuk wegen einer Rotsperre aus dem bayerischen Derby fehlen.

Dieser Engpass würde für ein zentrales Mittelfeld mit Luiz Gustavo und David Alaba sprechen. Aber da wäre ja noch Arjen Robben: Der Niederländer wird nach langer Verletzungspause erstmals wieder im Kader des Tabellenführers stehen. "Ich bin froh, dass seine Leidenszeit zu Ende ist", erklärte Heynckes. Robben habe im Training "gut gearbeitet" und sei "motiviert" für ein Comeback. "Durch ihn haben wir eine Waffe in der Hinterhand. Gut für uns, schlecht für Dortmund. Mit ihm sind wir noch besser", freut sich FCB-Torjäger Mario Gomez über Robbens Rückkehr.

Somit kommt der Superstar der Bayern als Einwechselspieler für die rechte Mittelfeldposition in Frage, Thomas Müller könnte in die Mitte der offensiven Dreierkette rücken und Toni Kroos wäre eine weitere sehr gute Lösung für die Doppel-Sechs. Dass Kroos auf dieser Position Schweinsteiger hervorragend vertreten kann, hat der 21-Jährige erst am Dienstag in der Nationalmannschaft beim 3:0 gegen die Niederlande unter Beweis gestellt.

Schmelzer-Einsatz auf der Kippe

Aber egal, ob nun Robben oder doch Müller auf der Position des Rechtsaußen auflaufen wird, es könnte ein entscheidendes Duell auf dem Flügel werden. Denn aus Dortmunder Sicht droht Linksverteidiger Marcel Schmelzer mit einer Wadenzerrung auszufallen.

Für ihn würde Chris Löwe auflaufen, der mit der Erfahrung aus nur sechs Bundesligaspielen vor einer Mammutaufgabe stehen würde. Das macht seinen Trainer Klopp aber nicht nervös: "Chris hat mehrfach bewiesen, dass er ein Top-Bundesligaspieler ist." Verzichten muss der BVB auf jeden Fall aber auf Neven Subotic, der nach einem Mittelgesichtsbruch in der Hinrunde nicht mehr auflaufen kann.

"Wir wissen, dass wir besser sind"

Die Statistik spricht auf jeden Fall für den FC Bayern, denn von den 42 Heimspielen gegen den BVB gewann der Rekordmeister 26 Partien und ging bei neun Remis nur sieben Mal als Verlierer vom Platz. "Wir spielen zuhause und wollen unsere Spielkultur durchziehen - auch gegen unseren größten Konkurrenten", forderte auch Bayerns Gomez, der mit viel Selbstvertrauen in die Partie geht. "Wenn wir alles abrufen, bin ich hundertprozentig davon überzeugt, dass wir gewinnen. Wir wissen, dass wir besser sind."

Beweisen kann der Top-Stürmer dies dann am Samstag um 18:30 Uhr. Dann, wenn der Anpfiff zu dem nicht ganz normalen Bundesligaspiel ertönt.

Jessica Pulter