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Hamburg - Lewis Holtby ist ein symphatischer und freundlicher Fußball-Profi, der sich auch in der Niederlage eigentlich immer den bohrenden Fragen der Medienvertreter stellt. Doch am Sonntagabend winkte er alles ab.

Wild fluchend stapfte der Spielmacher des Hamburger SV durch die Mixed Zone der Imtech Arena, trat auf die herumliegenden Rasenstücke ein, schleuderte die Durchgangstür zur Kabine auf und verschwand dann sichtlich verärgert.

Das Verhalten Holtbys zeigte deutlich, dass die Hausherren mit dem 1:2 gegen Eintracht Frankfurt nicht zufrieden sein wollten und konnten. "Es ist unglaublich. Frankfurt stellt sich hinten rein und wir laufen einem Rückstand hinterher. Dann kämpfen wir uns zurück und dann kriegst du so einen Freistoß. Keine Ahnung, was die Frankfurter für Glück hatten, aber mit dem Unentschieden hätten sie auch gut leben können“, haderte Mittelfeldstratege Tolgay Arslan nach der Partie.

Hamburg am Drücker

Die Zahlen zum Spiel stützten Arslans These. 14:7 Torschüsse, 8:3 Ecken und 63 Prozent Ballbesitzphasen – die Hamburger waren vor allem auch zum Ende am Drücker. Doch ein Kunstschuss des eingewechselten Brasilianers Lucas Piazon in der Schlussminute beendete die Träume der "Rothosen“ auf den ersten Punktgewinn in dieser Saison.

Trainer Joe Zinnbauer war mit dem Auftritt seiner Mannschaft dennoch zufrieden. "Die Mannschaft hat Gesicht gezeigt und gezeigt, was in ihr steckt. Dass ein Sieg heute in der Luft lag, stimmt mich positiv“, meinte er.

Müller verhindert den Negativrekord nicht

Für großen Jubel sorgte dabei zumindest der zwischenzeitliche Ausgleich von Nicolai Müller, der für den ersten HSV-Treffer in dieser Saison sorgte. Der Neuzugang aus Mainz traf aber zu spät, um einen traurigen Negativrekord zu verhindern.

Denn vor dem 1:1 blieben die Hamburger 507 Minuten ohne eigenen Treffer und stellten damit eine neue "Bestmarke“ zum Saisonstart auf, die bis dahin der VfL Bochum mit 475 Minuten hielt. Auch vereinsintern wurde die bis dahin längste torlose Serie überhaupt mit 473 Minuten vom Team gleich mit pulverisiert.

"Fortschritt ist zu sehen"

Doch für den HSV bleibt nicht viel Zeit, um groß die Wunden zu lecken. Denn am nächsten Spieltag wird die Aufgabe in Dortmund nicht leichter. Beim letzten Auftritt dort kamen die Hamburger mit 2:6 unter die Räder - auch wenn das Rückspiel dann überraschend klar mit 3:0 gewonnen wurde.

Coach Zinnbauer ließen solche Zahlen kalt. Ihn interessierte viel mehr die Entwicklung seiner Kicker. Zinnbauers Spielphilosophie, mit einer hoch stehenden Viererkette und offensiven Außen für Druck zu sorgen, war gegen die Eintracht auf jeden Fall schon wieder ein Stückchen deutlicher zu erkennen. "Wir werden weiter arbeiten und nach vorne schauen. Wenn die Mannschaft so weiter macht, wird sie sich auch belohnen“, erklärte der 44-Jährige.

Arslan pflichtete seinem Trainer bei und sendete dabei einen Gruß an die Glücks- und Schicksalsgöttin Fortuna. "Der Fortschritt ist zu sehen. Wir haben dominant gespielt und wenn wir so weiter machen, kommt auch das Glück zurück.“ Vielleicht dann schon in Dortmund.

 

Aus Hamburg berichtet Michael Reis