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In blau glitzernden Lettern war ein großes HSV auf der Gegengerade zu lesen, die Nordkurve ließ das Stadion in einem Papierschnipsel-Meer versinken, die Lautstärke in der HSH Nordbank Arena war ohrenbetäubend: Vor dem Halbfinal-Hinspiel des Hamburger SV gegen den FC Fulham war alles für einen spektakulären Fußballabend bereitet.

Doch die Stimmung bei den Fans schwappte nicht auf die Mannschaften auf dem Rasen über, nach dem Schlusspfiff zeigte die Anzeigetafel ein mageres 0:0. Der Traum des HSV vom Endspiel im eigenen Stadion droht zu platzen.

Fulham "mit zehn Mann hinten drin"

Das Ergebnis war jedoch nicht verwunderlich. Denn die Gäste aus Fulham beschränkten sich einzig darauf, ohne Gegentor die Heimreise antreten zu können. Eine Chance in der 14. Minuten durch einen abgefälschten Schuss von Zoltan Gera stand letztlich für die Engländer zu Buche. Gegen die dicht gestaffelte Abwehr fanden die Hamburger einfach kein Mittel.

"Fulham stand mit zehn Mann hinten drin. Wir haben alles versucht. Aber wenn der Gegner nicht wirklich Fußball spielen will, ist es schwierig, gegen so ein Abwehrbollwerk anzukommen", erklärte Piotr Trochowski gegenüber bundesliga.de.

Hoffmann sieht Chancen bei 50:50

Nach der Niederlage am vergangenen Wochenende im Heimspiel gegen Mainz nun also der nächste Rückschlag für die "Rothosen". Nächste Woche im Tollhaus Craven Cottage in London gilt Fulham als Favorit auf den Einzug ins Finale.

Vorstandsboss Bernd Hoffmann sieht die Chancen dagegen ausgeglichen. "Wir haben in den letzten Runden immer gezeigt, dass wir auswärts ein Tor schießen können. Deshalb stehen die Chancen weiter 50:50", so Hoffmann.

Auch Trochowski glaubt noch an ein Weiterkommen. "Wenn man zuhause spielt, ist es vorranging wichtig, dass man kein Gegentor kassiert. Das haben wir geschafft und das ist positiv", sagte der Nationalspieler und ergänzte: "Es war mehr drin, wir waren aber nicht durchschlagskräftig genug. Das 0:0 ist in Ordnung, weil wir auswärts immer für ein Tor gut sind."

Keine Ideen beim HSV

Doch gerade die Ideenlosigkeit der HSV-Offensive macht den Fans wenig Mut, dass es ausgerechnet in London mit einem Treffer klappt. In Hamburg versuchte einzig Jonathan Pitroipa, sich mit Sololäufen gegen die dicht gestaffelte Fulham-Abwehr durchzusetzen. Ansonsten wurden die Bälle immer wieder von links nach rechts geschoben und im Zweifel hoch in den Strafraum geschlagen.

Ze Roberto ist weit entfernt von seiner Form der Hinrunde, lief phasenweise nur mit. Kapitän David Jarolim mühte sich wie immer redlich, als Offensivkünstler ist er jedoch nicht bekannt. Stürmer Paolo Guerrero, der nach langer Verletzungspause wieder von Beginn an ran durfte, war die fehlende Spielpraxis deutlich anzumerken. Ruud van Nistelrooy wurde von den bärenstarken Innenverteidigern Aaron Hughes und Brede Hangeland abgemeldet. Und die Außenverteidiger Dennis Aogo sowie Guy Demel wussten nie so recht, wie sie sich in die Offensive einbringen sollten, ohne den Raum um den Strafraum noch enger zu machen.

Auswärts immer getroffen

"Natürlich hätten wir uns gewünscht, ein Tor zu machen. Aber es ist ja nicht so, dass wir in Fulham chancenlos sind. Wir sind auch auswärts immer in der Lage, ein Tor zu schießen. Und dann muss der Gegner schon zwei machen", analysierte Coach Labbadia die neue Ausgangslage auf der Pressekonferenz nach der Partie. Und das zu Recht. Denn in den drei Auswärtsspielen in der K.o.-Runde schossen die "Rothosen" bislang immer mindestens zwei Tore - zuletzt gelang ein überzeugendes 3:1 bei Standard Lüttich.

Joris Mathijsen hat die Hoffnung auf das Finale am 12. Mai vor heimischem Publikum ebenfalls noch nicht aufgegeben. "Es gibt schlechtere Ergebnisse als ein 0:0. Mit einem Auswärtstor in Fulham können wir viel bewegen", stellte der Niederländer fest.

Aus Hamburg berichtet Michael Reis