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747 Bundesliga-Heimspiele hat Werder Bremen bisher im Weser-Stadion absolviert. Aber sowas wie am vergangenen Samstag hat es bisher noch nicht gegeben.

Als die Spieler von 1899 Hoffenheim nach der 4:5-Niederlage relativ bedröppelt in die Umkleidekabine gingen, schlugen ihnen Standing Ovations aus der Ostkurve entgegen. Dort stehen die treuesten der Werder-Fans und es gibt normalerweise bestenfalls Schmährufe für die Gastmannschaften.

Rangnick will keine Komplimente

Der Aufsteiger eroberte aber die Herzen der Werder-Fans im Sturm. Sicher, mit einem Sieg des eigenen Teams lässt es sich bedeutend leichter für den Gegner applaudieren. Vielleicht erinnerte die offensiv so brilliante Vorstellung der Hoffenheimer gepaart mit vernachlässigter Defensive die Bremer Fans an die eigene Mannschaft.

Gäste-Trainer Ralf Rangnick mochte von alledem nichts hören. Direkt nach Schlusspfiff war die Wut über die verschenkten Punkte noch zu groß, so dass er alle Komplimente von vornherein abwiegelte:

"Hört mir bloß auf damit. Ich bin brutal enttäuscht über das Ergebnis. Beim Stand von 4:4, dann auch noch in Überzahl, hätte nie und nimmer eine Niederlage dabei rauskommen dürfen. Wir hätten das Spiel gewinnen können, wenn nicht sogar müssen."

Lob trotz Niederlage

Sein Pendant Thomas Schaaf ließ es sich trotzdem nicht nehmen, zur Leistung zu gratulieren: "Es war schon außergewöhnlich, was Hoffenheim hier abgeliefert hat." Und auch bei den Spielern des Aufsteigers überwogen trotz der unglücklichen Pleite positive Gefühle.

"Natürlich ärgert es mich, dass wir noch verloren haben. Aber ich bin stolz darauf, wie wir aufgetreten sind. Wir haben eine der stärksten Mannschaften in Deutschland an den Rand einer Niederlage gebracht", sagte Kapitän Selim Teber.

Und Stürmer Vedad Ibisevic, der per Foulelfmeter sein siebtes Saisontor erzielte, ergänzte: "Schade, dass wir verloren haben. Aber wir haben sehr gut gespielt."

Aluminium auf Bremer Seite

Und in der Tat, gerade Ibisevic in der Sturmzentrale und die pfeilschnellen Demba Ba und Chinedu Obasi auf den Flügeln stürzten die Bremer Defensive ein ums andere Mal in Verlegenheit. Neben den vier Toren trafen die Hoffenheimer noch drei Mal Pfosten oder Latte.

Per Mertesacker wusste sich in zwei Szenen nur durch Fouls zu helfen, bei der zweiten Grätsche schickte ihn dann Schiedsrichter Günter Perl mit der Roten Karte vom Platz.

Auschlaggebend für die hervorragende Offensivleistung war unter anderem die bemerkenswerte Sprintstärke der Außenstürmer Ba und Obasi, die ihren Gegenspielern Clemens Fritz und Sebastian Boenisch immer wieder davonliefen.

Rangnick: "Unsere Entwicklung ist noch nicht zu Ende"

Von Ibisevic und dem stark aufspielenden Sejad Salihovic geschickt in Szene gesetzt, liefen die Angriffe der Gäste fast ausschließlich über die Flügel. Bei konsequenter Chancenauswertung hätte es bereits zur Halbzeit 4:4 stehen können.

Dass die Gäste schlussendlich nach dem 4:5 durch Mesut Özil in der 81. Minute ohne einen einzigen Punkt dastanden, schrieb Rangnick der Unerfahrenheit seiner Truppe zu: "Wir haben eine rasante Entwicklung hinter uns. Aber wir haben auch klar gesehen, dass die noch nicht zu Ende ist."

Oliver Bülow