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Der Adler gehört zur Familie der Greifvögel, die sich in durchschnittlichen Flughöhen von 3.000 bis 5.000 Metern bewegen. Rene Adler ist Torwart beim Bundesligisten Bayer Leverkusen und seit vergangenen Samstag können keine verlässlichen Angaben über das Ende seines Höhenfluges mehr gemacht werden.

Im WM-Qualifikationsspiel gegen Russland absolvierte der junge Torhüter sein erstes Länderspiel mit dem Bundesadler auf der Brust und machte seine Sache beim 2:1-Erfolg der deutschen Nationalelf so gut und souverän, dass es für Bundestrainer Joachim Löw eigentlich keinen Grund gibt, auf dieser Position noch einmal etwas zu verändern.

Feuerprobe im Schalker Hexenkessel

Seit dem 25. Februar 2007 ist Adler Stammtorhüter bei Bayer. Eine Rotsperre der bis dato etatmäßigen Nummer eins Hans-Jörg Butt spülte den talentierten, damals 22 Jahre alten Nachwuchskeeper ins erste Glied.

Im Hexenkessel auf Schalke brachte er die "königsblauen" Stürmer reihenweise zur Verzweiflung, Fußballexperten ergingen sich in Superlativen ob der Paraden des bis dahin unbekannten Torhüters.

Aufgrund seiner Weltklasse-Leistung hielt der damalige Bayer-Trainer Michael Skibbe an Adler als Nummer eins fest, Butt wechselte am Saisonende den Verein.

Hausherr und Trainer Vollborn

Mit 15 war Adler vom VfB Leipzig zum Werksclub gewechselt und wohnte in den ersten vier Jahren im Haus seines Torwarttrainers Rüdiger Vollborn.

"Der Rüdiger war schon damals Trainer und Freund in einem. Zu ihm habe ich ein ganz besonderes Verhältnis. Er war für meine Karriere schon eine treibende Kraft", richtet Adler im bundesliga.de-Interview dankende Worte an seinen damaligen Hausherren, den er bereits bei diversen DFB-Lehrgängen kennengelernt hatte.

"Zwischen uns hat es gleich menschlich und sportlich gestimmt - wir lagen sofort auf einer Wellenlänge", erinnert sich der "Lehrling" an die ersten Begegnungen mit seinem "Meister".

Köpke: "Es gab einfach kein Loch"

Insgesamt hat der 1,91 Meter große und 83 Kilogramm schwere Torwart inzwischen 48 Bundesliga-Spiele im Tor der Leverkusener bestritten und bringt es dabei auf eine hervorragende Quote gehaltener Bälle von 75 Prozent. Trotz seiner Jugend und seiner Unerfahrenheit leistete sich Adler keine Patzer, fiel nicht, wie so viele Altersgenossen, nach den ersten Lobeshymnen in ein Leistungsloch

"Alle haben darauf gewartet, dass dieses Loch kommt - aber das gab s einfach nicht", zeigte sich sogar Bundestorwarttrainer Andreas Köpke überrascht.

Als Lohn erhielt er von Joachim Löw die Einladung, als Nummer drei hinter Jens Lehmann und Robert Enke zur EURO 2008 mitzufahren - eine Erfahrung, die laut Adler lehrreich und prägend war, um sich bei etablierten Torhütern einiges abzuschauen.

Jüngster Nationaltorwart nach Bodo Illgner

Lehmann beendete seine Nationalmannschaftskarriere nach der Endrunde, Enke brach sich wenige Tage vor dem wichtigen Qualifikationsspiel die Hand. Und somit ist Adler seit Samstag auch Nationalspieler. Nach Bodo Illgner, der im September 1987 seinen Einstand im Nationaltrikot mit 20 Jahren gab, ist er der jüngste Debütant unter den Keepern.

Von Nervosität oder Unsicherheit ob seines ersten Länderspiels war gegen die "Sbornaja" nichts zu sehen. "Nervosität nein, Anspannung ja", beschrieb der gebürtige Leipziger seinen Gemütszustand vor dem Kräftemessen mit den Russen und verglich die Situation mit der vor seinem ersten Bundesligaspiel.

"Damals war es ähnlich, da habe ich auch einen Tag vor dem Spiel erfahren, dass ich spiele. Ich war auch angespannt, aber dann überwog immer mehr die Vorfreude und ich habe nur noch versucht, das Spiel auf Schalke zu genießen."

"Jede Sekunde genossen"

Dieses Unterfangen gelang ihm auch gegen Russland. "Ich bin überglücklich und habe jede Sekunde in diesem Fußball-Tempel genossen. Am wichtigsten war aber, dass wir gewonnen haben", meinte der eher wortkarge Keeper, der den für ihn ungewohnten Interview-Marathon nach dem Spiel ebenso souverän meisterte wie zuvor die vielen brenzligen Situationen im Spiel.

Der Bundestrainer betonte, dass Adler "unglaublich ruhig, gelassen und souverän" agiert habe und dadurch "viel Sicherheit" ausgestrahlt habe. Am Gegentor von Andrej Arshavin sei er schuldlos gewesen.

Gegen Wales am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) wird Adler sein zweites Länderspiel absolvieren. Sollte er von Verletzungen verschont bleiben, werden sicher noch viele folgen.

Denis Huber