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München - Kurze Zeit sah es so aus, als ob der Bundesliga-Dino im "Topspiel von unten“ endlich ein Lebenszeichen von sich geben würde - bis Löwen-Trainer Torsten Lieberknecht "den Sieg einwechselte". Domi Kumbela sorgte mit drei Toren in Hälfte zwei im Alleingang für den Braunschweiger Befreiungsschlag (). Die Stimmung beim HSV erreicht derweil einen weiteren Tiefpunkt - Trainer Bert van Marwijk wurde am Abend entlassen.

Während das Schlusslicht erstmals in dieser Saison einen Rückstand drehen konnte, setzt sich die rasante Talfahrt der Hamburger unvermindert fort. Das Team von Coach Bert van Marwijk kassierte im von ihm bezeichneten "wichtigsten Spiel des Jahres“ die siebte Bundesliga-Niederlage in Folge und baute damit den Vereinsnegativrekord aus (Splitter des Spieltags). Verteidiger Dennis Diekmeier fehlten nach dem bitteren 2:4 die Worte: „In der Kabine war Totenstille. In der 1. Halbzeit haben wir noch gut dagegengehalten…“. Dann kam Super-Joker Kumbela.  Der Deutsch-Kongolese schaffte es als erster Braunschweiger und siebter Akteur überhaupt, als Einwechselspieler drei Treffer zu erzielen.

Auf dem Bierdeckel ausgespielt

"Nach der Pause hat die Mannschaft das Herz in die Hand genommen. Im Namen der ganzen Mannschaft gilt mein Dank Domi Kumbela, der uns den Sieg beschert hat“, so Lieberknecht, der vor der Partie „Abstiegskampf pur“ prognostiziert hatte (Alle Trainerstimmen des Spieltags). Die Laufdaten zeigen, dass sein Team diesen Kampf bedingungslos annimmt und den Hanseaten heute damit einen wichtigen Schritt voraus war.

Mit 116,9 Kilometern spulten die Niedersachsen über sechs Kilometer mehr ab als der Gegner, der mit 110,3 km erneut den letzten Platz des Spieltagsrankings belegt (Analyse zum Spiel) und sich am Ende - wie beim letzten Gegentor - buchstäblich auf dem "Bierdeckel ausspielen“ ließ. "Wir können mit der Situation nicht gut umgehen. Der Frust ist immens hoch. Wir müssen das erst einmal verdauen“, gab Marcell Jansen zu.

17 Sekunden bis zum Glück

Am anderen Ende der Tabelle ziehen die Bayern weiter gemütlich ihre Kreise. 13. Sieg in Serie, seit 46 BL-Spielen ungeschlagen - der Triple-Sieger war auch beim 4:0 gegen den SC Freiburg nicht wirklich gefordert. Vier Tage vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Arsenal ließ Trainer Pep Guardiola kräftig rotieren. Im Anschluss an die Partie durften die "nicht ausgelasteten Reservisten“ noch eine Trainingseinheit in der Allianz Arena absolvieren. "Sie mussten alle ein bisschen laufen, weil morgen frei ist“, erklärte Guardiola die zusätzliche Bewegungs-Maßnahme.

Ganze 17 Sekunden bewegen musste sich Dortmunds Neuzugang Milos Jojic, um nach seiner Einwechslung mit seinem ersten Ballkontakt sein erstes Bundesliga-Tor zu erzielen (Topdaten zum Spiel). "So kann man auch Geschichte schreiben, sensationell. Ich renne seit 17 Jahren in diesem Geschäft umher und versuche irgendwas in dieser Richtung zu erreichen und er kommt rein und macht sein Tor, das ist irre“, sagte BVB-Kapitän Sebastian Kehl mit einem Schmunzeln.

Sein Chef Jürgen Klopp feierte unterdessen beim 4:0 gegen Eintracht Frankfurt seinen 111. Bundesliga-Sieg mit dem BVB und stellte den Vereinsrekord von Ottmar Hitzfeld ein. Der BVB beendete zudem eine ungewohnte Durststrecke und gewann erstmals seit dreieinhalb Monaten wieder vor heimischer Kulisse. Auch dank Pierre-Emerick Aubameyang, der schon zum 4. Mal in dieser Saison zwei Tore in einem Spiel erzielte.

Huntelaar: "Der Dreier schmeckt mir super“

Ungewohnt harmonisch und extrem erfolgreich präsentiert sich nach wie vor der FC Schalke 04, der durch den 2:1-Sieg im Big-Point-Spiel in Leverkusen dem BVB und der Werkself in der Tabelle mächtig Druck macht. "Wir sind unserem Ziel wieder ein Stück näher gekommen“, sagte Torschütze Leon Goretzka mit Blick auf die direkten Champions-League-Plätze. Ein Schlüssel für den Erfolg: "Die Mannschaft ist zwischenmenschlich extrem zusammen gewachsen“, so Trainer Jens Keller. Fest steht, Schalke und sein Siegtorschütze Klaas-Jan Huntelaar ("Der Dreier schmeckt mir super“) ist nach 12 Punkte aus vier Spielen wieder richtig  auf den Geschmack gekommen.

Markus Hoffmann