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Trondheim - Jupp Heynckes kannte keine Gnade. Trotz des vorzeitigen Einzugs in die K.o.-Runde der Europa League setzte der Coach von Bayer Leverkusen kurz vor dem Rückflug in die Heimat noch schnell eine Trainingseinheit im eisigen Trondheim bei minus 15 Grad an.

"Das macht einfach mehr Sinn", erklärte der Coach nach dem 1:0 (1:0)-Sieg beim norwegischen Meister Rosenborg und hatte längst schon das rheinische Derby gegen den 1. FC Köln am Sonntag im Blick.

Geschonte Stars wieder dabei

Bei der "Werkself" sind in den letzten Wochen des Jahres die Augen ganz auf die Bundesliga gerichtet. Bis zur Winterpause soll der üppige Elf-Punkte-Rückstand auf den designierten Herbstmeister Borussia Dortmund noch ein wenig verkleinert werden. Dafür ist ein Sieg gegen den FC Pflicht. Doch Sportchef Rudi Völler warnt: "Von den nächsten drei Spielen ist es das schwerste. Trotzdem sind wir Favorit, da gibt es nichts wegzudiskutieren."

Gegen Köln dürfte dann auch wieder die erste Elf auflaufen, hatte Heynckes doch den Südamerikanern Renato Augusto und Arturo Vidal die "Zitterpartie" erspart. Auch Kapitän Simon Rolfes und Tranquillo Barnetta waren geschont worden und hatten die Reise in den hohen Norden erst gar nicht mitangetreten. Ungewiss ist die Situation noch bei Nationaltorhüter Rene Adler, der am Mittwochmorgen wegen eines Hexenschusses abgereist war und für Sonntag fraglich ist. Für ihn würde sonst wieder Fabian Giefer spielen, der die Sache bei seinem Europacup-Debüt laut Heynckes "wunderbar" gemacht habe.

Matchwinner freut sich über "kleinen Lauf"

Ohnehin ist Heynckes mit seinem zweiten Anzug sehr zufrieden. "Ich konnte viele Spieler einsetzen. Meine Mannschaft hat sich weiterentwickelt. Wir sind cooler geworden. Das stimmt mich für den Europacup zuversichtlich", sagte der Fußball-Fachmann.

Als Gruppensieger zieht Bayer in die Zwischenrunde ein, doch vorher wartet am letzten Spieltag noch das Duell mit Atletico Madrid. Und den Titelverteidiger aus dem Wettbewerb zu befördern, hat für die Leverkusener durchaus ihren Reiz. "Klar, da geben wir wieder volle Pulle. Das macht den Spielern Spaß und mir auch", sagte der Coach.

Spaß hatte trotz der Eiseskälte auch Sidney Sam. Der Youngster, der vom Hamburger SV verpflichtet wurde, avancierte mit seinem Treffer vor 11.096 Zuschauern im Lerkendal-Stadion einmal mehr zum Matchwinner (35.). "Ich habe momentan einen kleinen Lauf", sagte Sam, der als Ergänzungsspieler gekommen war und nun schon acht Pflichtspiel-Treffer auf dem Konto hat. Nicht wenige Experten sehen in dem pfeilschnellen Außenstürmer den nächsten Leverkusener Nationalspieler.