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München - Es ist nicht das erste Mal, dass der FC Bayern München auf einen Spieler verletzungsbedingt verzichten muss. Es ist auch nicht das erste Mal, dass es Mittelfeldmotor Bastian Schweinsteiger trifft. Allerdings könnte der Ausfall des Nationalspielers diesmal für den FCB schwerer wiegen, denn der 27-Jährige spielte bis zu seinem Schlüsselbeinbruch im Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen den SSC Neapel in einer überragenden Form.

Trainer Jupp Heynckes muss wohl bis zur Winterpause nicht nur den geschickten Fußballer Schweinsteiger ersetzen, sondern auch eine "große Spielerpersönlichkeit", wie der Coach am Freitag vor dem Spiel beim FC Augsburg (ab 17 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) erklärte.

"Eine große Spielerpersönlichkeit"

"Der Ausfall von Bastian Schweinsteiger wiegt schon schwer, denn er ist ein Spieler, den ich nicht nur besonders schätze. In den letzten Wochen hat er sich als Leader der Mannschaft hervorgetan", meinte Heynckes zu seinem Mittelfeldspieler. "Er ist eine große Spielerpersönlichkeit, eine Spielerpersönlichkeit braucht sich nicht extern zu produzieren, sondern befasst sich mit dem Fußball und sieht das Ganze und versucht, es mit zu beeinflussen und zu gestalten."

Trotzdem darf dieser Ausfall keine Entschuldigung dafür sein, dass der FCB, der in den vergangenen Wochen und Monaten so dominant in seiner Spielweise in der Bundesliga aufgetreten ist, jetzt die Zügel schleifen lässt. "Wir haben in dieser Saison bereits Ausfälle wichtiger Spieler kompensieren können, wie zum Beispiel Arjen Robben. Das haben wir ganz gut gemacht, und ich hoffe natürlich, dass das bei Bastian ähnlich sein wird."

Keine große Rotation

Durch die Verletzung des Nationalspielers muss Heynckes nun aber sein Mittelfeld längerfristig umbauen. Der 66-Jährige ließ aber schon durchblicken, dass er auf die ganz große Rotation verzichten möchte. "Wenn eine Mannschaft funktioniert, dann sollte man einen Ausfall eins zu eins ersetzen", sagte Heynckes.

Somit wird wohl nicht Toni Kroos auf die Sechser-Position zurückgezogen, die der 21-Jährige auch schon in der Nationalmannschaft gespielt hat. Neben Anatoliy Tymoshchuk und Luiz Gustavo, die am Mittwoch nach der Verletzung von Schweinsteiger zunächst die "Doppel-Sechs" übernahmen, nannte Heynckes auch Danjiel Pranjic und David Alaba als Alternativen.

Gespräche über Alaba

Insbesondere Alaba darf sich wohl große Hoffnungen auf einen Platz in der Startelf gegen Augsburg machen. Unlängst von Heynckes als "Juwel" ausgemacht, hat der österreichische Nationalspieler in den letzten Wochen gute Leistungen gezeigt, auch wenn er in der Rangfolge an Franck Ribery auf der Position des linken Mittelfeldspielers nicht vorbeikam.

Und noch ein Indiz könnte für Alaba, der die defensive Mittelfeldrolle auch schon bei 1899 Hoffenheim gespielt hatte, sprechen. Jupp Heynckes hatte erst am Donnerstag mit Marcel Koller, dem neuen Nationaltrainer Österreichs, über den 19-Jährigen geredet, und dabei auch über dessen Position im Bayern-Spielsystem. Anscheinend denkt Koller ebenfalls darüber nach, Alaba entweder auf links oder auf der "Sechs" einzusetzen, wie Heynckes durchblicken ließ.

Den Gegner nicht unterschätzen

Wer auch immer am Sonntag gegen Augsburg auflaufen wird, muss in große Fußstapfen treten, denn Schweinsteiger hatte dem Bayern-Spiel in den letzten Wochen als Stratege im Mittelfeld deutlich seinen Stempel aufgedrückt. Heynckes geht aber optimistisch in die Partie: "Ich bin überzeugt, dass das, was ich machen werde, funktionieren wird."

Unterschätzen werden die Münchner den Derby-Gegner aus Augsburg auf keinen Fall. "Dafür habe ich schon viel zu viel erlebt", fügte Heynckes hinzu. "Für die gegnerische Mannschaft ist es das Spiel des Jahres. Und wenn wir nicht unsere Top-Leistung zeigen, dann können wir auch dort verlieren."

Verletzungssorgen auch beim FCA

Allerdings muss auch der Gegner aus Augsburg auf wichtige Spieler verzichten und seine Startelf umbauen. Neben dem gesperrten Torsten Oehrl fehlen Kapitän Uwe Möhrle, Torhüter Simon Jentzsch und Mittelfeldspieler Axel Bellinghausen. "Das ist die Chance für die anderen Spieler, die sich nun beweisen können", meinte FCA-Trainer Jos Luhukay. "Wir haben vollstes Vertrauen in den gesamten Kader und haben in den letzten Jahren diese Ausfälle immer als Kollektiv aufgefangen. Das werden wir auch nun wieder tun."

Der Aufsteiger, der noch kein Heimspiel in dieser Saison gewann, geht trotz der Ausfälle optimistisch in die Partie. Luhukay erklärte weiter: "Es wäre nicht das erste Mal, dass eine kleine Mannschaft eine Große schlägt. Es würde auch nicht das letzte Mal sein. Warum soll uns am Sonntag nicht der erste Heimsieg gelingen?"

"Ein optimistischer Typ"

Bastian Schweinsteiger geht es derweil den Umständen entsprechend gut. Nach seiner Schulter-OP, bei der dem 27-Jährigen eine Platte eingesetzt wurde, hatte Heynckes ihm am Donnerstag erst eine SMS geschickt und später ausführlich mit ihm telefoniert.

"Es geht ihm relativ gut. Natürlich bedauert er seine lange Ausfallszeit, aber war schon wieder guten Mutes. Er ist ein optimistischer Typ", meinte der Trainer. Das erste Bundesliga-Derby gegen den FCA wird sich Schweinsteiger aber trotzdem vor dem Fernseher zuhause anschauen müssen.

Jessica Pulter