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Dortmund - Blauer Himmel, ein paar Sonnenstrahlen. Die Handvoll BVB-Spieler, die zurzeit nicht auf Länderspielreise ist, dreht auf dem Trainingsgelände ihre Runden. Am Rand stehen die Fans, schauen zu, fachsimpeln und wirken mindestens so entspannt wie die Spieler. Doch der Schein trügt - das Duell gegen den FC Bayern wirft seine Schatten auch in Dortmund meilenweit voraus.

Bei Katharina Steinhüser blitzen die Augen, wenn sie an die Partie beim Rekordmeister denkt. "Ich freue mich schon wie verrückt auf das Spiel", erzählt die Dortmunderin lachend. "Oder um es mal in unserer Sprache zu sagen: Ich bin heiß wie Frittenfett!"

"Ein 5:1-Sieg wird es wohl nicht werden"

So wie der 33-Jährigen geht es allen Kiebitzen, die Weidenfeller, Bender und Co. in diesen Tagen bei ihren Übungseinheiten beobachten. Nach der letzten Erfolgsserie der Borussia, nach fünf Siegen aus sechs Spielen kennt die Vorfreude kaum Grenzen. "Unsere Mannschaft findet wieder zu alter Form zurück", meint Steinhüser, die den BVB selbst regelmäßig auf der Südtribüne anfeuert.

Und was heißt das konkret für den 19. November, wenn der Deutsche Meister in München antritt? "Ein 5:1-Sieg wie gegen Wolfsburg wird es wohl nicht werden, weil die Bayern in dieser Saison wirklich richtig guten Fußball spielen", will sie nicht zu euphorisch werden, "aber mindestens einen Punkt werden wir dort holen."

Anhang optimistisch

Lars Perkelmann (24), der nur ein Stück weiter Felipe Santana bei seinen Dehnübungen beobachtet, ist da deutlich optimistischer. "Die Bayern können sich schon mal warm anziehen", ruft er hinüber, "wir machen es wieder wie im letzten Jahr - mindestens!" Damals gewann Borussia Dortmund mit 3:1. "Mia san besser" haben ganz euphorisierte BVB-Fans in den letzten Tagen im Internet mit schönen Grüßen nach München gepostet.

In Dortmund halten sie offenbar alles für möglich. Und hier ist auch fast alles im Bereich des Vorstellbaren. Fast hätten die Dortmunder in diesem Jahr auf die Spitze ihrer Riesentanne auf dem Weihnachtsmarkt einen großen, illuminierten Fußball gesetzt anstelle eines Weihnachtsengels. Quasi in letzter Sekunde hat man sich umentschieden. Das Weihnachtsfest regiert König Fußball dann doch nicht. Noch nicht - wer weiß, was nach einem Sieg in München los wäre.

"Man muss vor den Bayern Respekt haben"

Den Optimismus von Perkelmann teilen allerdings nicht alle Fans. Und auch nicht die Meinung von Kevin Großkreutz, dass die Borussia den Bayern auf Augenhöhe begegnen wird. Katrin Müller, die häufig eigens aus dem heimischen Gladbeck zum Training nach Dortmund fährt, bleibt vorsichtig: "Ich glaube nicht, dass wir mit den Bayern mithalten können. Wir werden uns gut verkaufen und nicht 0:7 untergehen. Aber die Bayern sind einfach zu stark in dieser Saison."

Die einen skeptisch, die anderen euphorisch - die Wahrheit liegt wie immer auf dem Platz und ein bisschen auch in der goldenen Mitte. Holger Krontal, seit 45 Jahren eingefleischter Borussen-Anhänger, vertritt das, was wohl gängige Mehrheitsmeinung ist in der Fanszene des Meisters: "Man muss vor den Bayern Respekt haben, aber keine Angst. Wenn man sich auf seine eigenen Stärken konzentriert, kann man die Schwächen der Bayern nutzen. Und dann ist vielleicht sogar ein knapper Sieg drin."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte