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Köln - Nach dem 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg (Spielbericht) steht der SC Freiburg erstmals seit dem 19. Spieltag wieder über dem Strich. Gegen die Schwaben feierte auch Nils Petersen nach fünfwöchiger Verletzungspause sein Comeback.

Der aus Bremen ausgeliehene Stürmer traf zum 2:0-Endstand und erzielte dabei bereits in seinem vierten Spiel für die Breisgauer seinen vierten Treffer. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 26-Jährige über die Chancen auf den Klassenerhalt und sein "Luxusproblem".

bundesliga.de: Nils Petersen, der SC Freiburg war am vergangenen Wochenende der Gewinner im Tabellenkeller und konnte die Abstiegsränge verlassen. Wie wichtig war der 2:0-Heimsieg gegen Augsburg?

Nils Petersen: Der Sieg war extrem wichtig nach den nicht siegreichen Spielen zuvor. Wir waren darauf angewiesen, dass die anderen Mannschaften nicht zu sehr punkten. Jetzt konnten wir selbst etwas Zählbares holen und können nur auf uns schauen. Gegen Augsburg hat uns auch nicht jeder einen Dreier zugetraut. Wir haben jetzt selbst wieder ein Zeichen gesetzt und wollen im nächsten Heimspiel gegen Köln nachlegen. Wir haben immer von diesen beiden Heimspielen gesprochen, die für die Zukunft entscheidend sein können. Jetzt haben wir einen Dreier vorgelegt. Man sieht es auch am Sieg von Stuttgart und dem Punkt von Paderborn, dass der Sieg für uns sehr wichtig war. Wir wollen gegen Köln den nächsten Schritt machen und uns vielleicht sogar etwas absetzen.

"Es werden noch zwei harte Monate"

bundesliga.de: Wie gut tut der Mannschaft der Sprung auf Platz 15?

Petersen: Es ist eine schöne Momentaufnahme. Aber im Fußball geht es immer schnell. Zur Winterpause waren wir Letzter, dann waren wir raus aus dem Abstiegskampf und dann wieder mittendrin durch die Sieglosserie. Jetzt tut es gut, auf Platz 15 durchatmen zu können. Wir können das jetzt während der Länderspielpause genießen. Aber wir wissen auch, dass es noch zwei harte Monate werden.

bundesliga.de: Sie haben die Serie von drei Niederlagen ohne eigenem Treffer angesprochen. Wie ist die Mannschaft damit umgegangen?

Petersen: Wir hatten auch in den Spielen unsere Möglichkeiten, wenn ich nur an die Partie gegen Wolfsburg oder das Spiel gegen Bremen denke, in denen der Ball nicht ins Tor gehen wollte. Gegen Augsburg haben wir uns wieder dieses Glück erkämpft. Wir waren wieder dran und hatten es verdient, in Führung zu gehen. Das tut unserem Spiel sichtlich gut. Dann wird das Spiel für uns einfacher. Wir bekommen mehr Sicherheit rein. Nichtsdestotrotz müssen wir auch mit Rückständen umgehen können. Das ist uns noch nicht so gut gelungen.

bundesliga.de: In den letzten Jahren hat den Sport-Club immer ausgezeichnet, in der Rückrunde noch zulegen zu können und die Nerven besser im Griff zu haben als die Konkurrenz. Glauben Sie, dass es auch in diesem Jahr der entscheidende Vorteil sein könnte, zumal andere Vereine wie Hamburg oder Stuttgart unten mitmischen, die viel mehr unter Druck sind?

Petersen: Der Druck ist für alle Mannschaften riesig. Natürlich haben wir nicht diese Medienlandschaft oder das unruhige Publikum. Das kann ein Vorteil sein. Ich habe das vorher auch in Bremen erlebt, wo erst eine andere Erwartungshaltung herrschte, die Zuschauer dann aber im Abstiegskampf bedingungslos zum Verein gehalten haben und die Stimmung gut geworden ist. Am Ende bringt das aber auch noch keine Punkte. Man muss dem Druck Stand halten. Wir können in Freiburg in Ruhe arbeiten. Aber wir können uns natürlich nicht darauf verlassen, dass es inden vergangenen Jahren immer gut geklappt hat.

"Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft"

bundesliga.de: Sie haben fünf Spiele verletzt gefehlt und mussten tatenlos zusehen. Wie hart war diese Zeit für Sie?

Petersen: Das war keine schöne Situation. Ich bin ja nach Freiburg gegangen, damit ich zu Einsätzen komme. Wenn man sich dann gleich verletzt und fünf Spiele ausfällt, ist das extrem bitter. Leider hat es so lange gedauert. Es hat sicher keinen Spaß gemacht, in der Situation zugucken zu müssen, wenn man das Gefühl hat, dass man der Mannschaft hätte helfen können.

bundesliga.de: Wie steht es jetzt um Ihre Fitness? Sind Einsätze über 90 Minuten schon wieder möglich?

Petersen: Für mich lief es mit der halben Stunde gegen Augsburg perfekt. Jetzt habe ich die zwei Wochen Zeit, um mich wieder nahe an die 100 Prozent zu bringen.

bundesliga.de: Ihre Quote mit vier Toren in vier Spielen kann sich dennoch sehen lassen.

Petersen: Absolut. Ich hätte auch nicht gedacht, dass es so gut läuft. Ich freue mich, dass ich dem Team mit den Toren helfen konnte. Ich würde mich freuen, wenn es so weitergehen würde und wir die Liga halten würden. Dann hätten wir alles richtig gemacht.

bundesliga.de: Wie groß ist Ihre Zuversicht, dass der Klassenerhalt gelingt?

Petersen: Die ist groß. Wenn ich davon nicht überzeugt gewesen wäre, hätte ich mich gar nicht nach Freiburg ausleihen lassen. Ich weiß, dass die Mannschaft die Qualität hat. Aber auch die anderen Mannschaften haben viel Qualität. Dementsprechend wird es ein Hauen und Stechen bis zum letzten Spieltag. Wir haben noch ein schweres Programm, haben aber auch gesehen, dass wir den Tabellen-Sechsten schlagen können.

"Ich fühle mich bei beiden Vereinen sehr wohl"

bundesliga.de: Sie werden sicher auch den Weg von Werder Bremen verfolgen. Dort stehen Sie noch unter Vertrag. Werder spielt eine großartige Rückrunde. Gab es schon Signale aus Bremen, wie es mit Ihnen nach der Saison weitergeht?

Petersen: Nein, ich habe noch nichts Weiteres gehört. Beide Vereine konzentrieren sich auf ihre Saisonziele. Irgendwann werden wir uns zusammensetzen. Freiburg hat die Möglichkeit, mich zu verpflichten. Ansonsten läuft mein Vertrag in Bremen bis 2017 weiter. Für mich ist das ein Luxusproblem, weil ich bei beiden Vereinen sehr wohl fühle. Nichtsdestotrotz identifiziere ich mich mit Freiburg und freue mich, dass ich hier sein darf. Es hängt am Ende von vielen Faktoren ab, davon ob Freiburg die Liga hält oder sich Bremen international qualifiziert. Ich brauche mir keinen großen Kopf zu machen. Ich gebe weiter Vollgas.

bundesliga.de: In zehn Tagen gastiert der 1. FC Köln im Breisgau, den der Sport-Club vor drei Wochen aus dem Pokal geworfen hat. Das wird das nächste richtungsweisende Spiel.

Petersen: Absolut. Wir sind als SC Freiburg darauf angewiesen, dass wir die Heimspiele siegreich gestalten, da wir auswärts noch nicht so viele Punkte geholt haben. Ich habe das Gefühl, dass sich die Gegner wieder etwas unwohl fühlen, wenn sie nach Freiburg kommen. Das tut uns gut. Auch Köln wird mit Respekt nach Freiburg reisen, der FC ist auch noch nicht durch. Wir tun gut daran, den Schwung aus dem Augsburg-Spiel mitzunehmen, positiv zu denken und die Heimspiele zu nutzen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski