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Köln - Die Aufgabe des Schützen besteht "lediglich" darin, den Ball aus elf Metern in ein vermeintlich riesiges Viereck zu befördern. Der Torwart hingegen soll den meist mit über 100 km/h geschossenen Ball in Sekundenbruchteilen abwehren oder einen Fehlschuss seines Gegenübers zu provozieren.Möglich, aber eher selten.

Seit Bestehen der Bundesliga hat in rund drei von vier Fällen (3274 von 4392, 74 Prozent) der Spieler beim Elfmeter die Oberhand behalten. In der laufenden Saison sind es sogar 80 Prozent. Auch am 24. Spieltag gab es bislang wieder zwei der ungleichen Duelle. Mit unterschiedlichem Ausgang.

Die Statistik lügt nicht. Thomas Müller bevorzugt die linke Ecke. Das weiß auch Hannovers Ron-Robert Zieler. Dennoch ist er beim Schuss seines Nationalmannschaftskollegen chancenlos. Zu platziert versenkt der Bayern-Star nach kurz verzögertem Anlauf halbhoch "wie gewohnt" im von ihm aus linken Eck. Im Spiel des FC Bayern bei Hannover 96 war das wichtige 2:1 der Wendepunkt in einer zuvor ausgeglichenen Partie (Spielbericht). Wohl dem, der einen sicheren und souveränen Vollstrecker hat wie Müller, der nach dem Spiel Einblicke in seine Gedanken vor und nach seinem erfolgreichen Strafstoß gab.

FC Bayern perfekt vom Punkt

"Wir schießen im Training bei der Nationalelf ab und zu ein paar Elfmeter, von daher kennt Ron-Robert mich ein bisschen, aber scheinbar nicht gut genug (lacht). Man denkt vor dem Elfer schon darüber nach, etwas anderes zu machen. Aber ich bin mit meiner Strategie bisher gut gefahren und habe deshalb nichts verändert", so der Weltmeister. Der FC Bayern hat in dieser Spielzeit alle seine Elfmeter verwandelt. Drei Mal traf Müller, zwei Mal Arjen Robben.

Hannover hat nach 46 Bundesligaspielen in Folge (bisher längste Serie aller Teams) erstmals wieder einen Strafstoß verursacht. Die Niedersachsen waren zuvor auch das einzige Team in dieser Saison ohne einen Elfer gegen sich. Nun ist Hoffenheim am längsten ohne verschuldeten Strafstoß (zuletzt am 5. Spieltag der Saison 2014/15).

Am häufigsten (6 Mal) trat in dieser Spielzeit Vladimir Darida vom SC Freiburg vom Punkt an. Ein Mal allerdings fand er in Torwart Jaroslav Drobny vom Hamburger SV - neben dem Mainzer Loris Karius der einzige Keeper, der in der laufenden Saison zwei Elfer entschärfen konnte - seinen Meister. 

Ersatzschütze scheitert - doch der Nachschuss passt

So erging es auch Tobias Werner vom FC Augsburg. Doch seine Enttäuschung über seinen Fehlschuss - genau wie Diego Benaglios Freude über seine Rettungstat währte nur circa eine Sekunde, bis Augsburgs Dominik Kohr das Leder doch noch im Tor versenkte.

Wolfsburgs Schlussmann hatte die Ecke geahnt und den Ball abgewehrt, allerdings genau vor die Füße des blitzschnell reagierenden Augsburgers, der ihm im Nachschuss (dies gelang in dieser Saison neben Augsburg nur Werder Bremen ein Mal) keine Chance ließ. Von den zehn verschossenen Strafstößen in der laufenden Saison (insgesamt 51) wurden sieben von den Torhütern gehalten.

Werner hatte den verletzt fehlenden Paul Verhaegh vom Punkt vertreten. Der Niederländer ist seit der Saison 2013/14 der etatmäßige Elfmeterschütze - mit hundertprozentiger Erfolgsqoute (insgesamt sieben von sieben - in dieser Saison fünf von fünf). "Mein Dank gilt natürlich Dominik Kohr, der bei meinem verschossenen Elfmeter nachgesetzt und das Ding zum Glück noch reingemacht hat", sagte Werner nach dem überraschenden 1:0-Sieg gegen die "Wölfe" (Spielbericht).

"Wir haben gegen die Mannschaft der Stunde, die zuletzt in zwei Spielen zehn Tore geschossen hat und schier unschlagbar schien, zu null gespielt - das ist wirklich ein tolles Gefühl. Das ganze Team hat eine super Leistung gezeigt."

Auch der Siegtorschütze, der in seinem 34. Bundesligaspiel erstmals traf – mit seinem einzigen Torschuss des Spiels - zeigte sich glücklich, nicht zuletzt auch, weil er in der internen Torschützenliste nun mit seinem Torwart gleichziehen konnte. "Ich freue mich über mein erstes Bundesliga-Tor. Es wurde aber auch mal Zeit, nachdem bei uns ja schon Marwin Hitz Tore macht", meinte der 21-Jährige schmunzelnd. Der zunächst unglücklich verschossene Elfmeter kam ihm in diesem Fall wohl gerade recht.

Markus Hoffmann