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Stuttgart - Endlich gewonnen! Nach einer turbulenten Woche konnte der VfB Stuttgart nach dem 1:0-Sieg gegen Hannover 96 wieder einmal lachen. Doch aufgepasst: Der Erfolg war höchstens ein kleiner Befreiungsschlag für die Schwaben.

Antonio Rüdiger war die Erleichterung deutlich anzumerken. Als der Stuttgarter Jung-Nationalspieler die Interview-Zone des Stuttgarter Stadions betrat, war er merklich gut gelaunt. "Natürlich war es wichtig, endlich einmal zu gewinnen", sagte Rüdiger am Samstagabend den wartenden Journalisten nach dem hart erkämpften 1:0-Erfolg gegen mutlose Hannoveraner.

Veh setzt ein klares Zeichen

Die Erfahrungen der letzten Wochen allerdings haben Rüdiger bescheiden gemacht. "Jetzt gilt es in Berlin nachzulegen." Das Spiel gegen Hertha steigt bereits am kommenden Freitag.

Fakt aber ist: Der zuletzt so kriselnde VfB hat zumindest im Moment die Abstiegsränge verlassen - und das nach einer Woche, die es in sich hatte. Sportvorstand Fredi Bobic wurde entlassen in der Hoffnung, damit die sportliche Wende einzuleiten. Das gelang gegen Hannover, auch wenn Spieler und Verantwortliche nach dem Sieg nicht müde wurden zu betonen, dass der Ausgang des Spiels nichts mit Bobic‘ Demission zu tun habe. Die Mannschaft trage immer noch Bobic‘ Gesicht, war die allgemeine Meinung.

Trainer Armin Veh setzte aus sportlicher Sicht vor Spielbeginn ein klares Zeichen und beförderte Stammkeeper Sven Ulreich auf die Bank. Ulreichs Ersatzmann Torsten Kirschbaum, dem Veh nach dem Spiel eine längerfristige Perspektive einräumte, erlebte gegen die mutlosen Niedersachsen einen extrem entspannten Nachmittag. "Ich habe jeden Tag im Training auf meinen Einsatz hingearbeitet", sagte Kirschbaum, der zugab, dass es in der momentanen Lage natürlich nicht einfach sei, ins kalte Wasser geworfen zu werden. "Ich habe am Nachmittag erfahren, dass ich spielen werde. Dann habe ich versucht, mich nicht verrückt zu machen."

Kostic bringt die ersehnte Wende

Die Stuttgarter taten sich lange extrem schwer gegen die tief stehenden Hannoveraner. Wie bereits die Kölner und Hoffenheimer in dieser Spielzeit wartete die Mannschaft von Trainer Tayfun Korkut auf Konter und Fehler der Stuttgarter. Vor allem in der ersten Halbzeit wurden die Stuttgarter Schwächen der vergangenen Wochen deutlich. Langsam, umständlich, ohne Tempo - Torchancen blieben Mangelware.

Erst der Stuttgarter Neuzugang Filip Kostic, der nach 45 Minuten von der Bank kam, brachte Gefahr ins Schwaben-Spiel. Schnell, trickreich und mit Zug zum Tor brachte er die Hannoveraner ein ums andere Mal in Bedrängnis und bereitete zudem per Eckball den entscheidenden Treffer von Daniel Schwaab vor. "Der offensive Wechsel hat uns gut getan" analysierte Veh.  "Filip hat auf der linken Seite richtig Schwung ins Spiel gebracht", meinte auch Rüdiger.

Noch kein Befreiungsschlag

Viel wichtiger aber - und das auch in psychologischer Hinsicht: Dem VfB ist es im Gegensatz zu vielen Spielen in den vergangenen Monaten endlich einmal gelungen, die Führung auch über die Zeit zu bringen. "Es war wichtig, dass wir nach dem Führungstreffer kein Gegentor mehr kassiert haben", so Veh. Das war zuletzt beim beachtlichen 2:2 in Dortmund zum wiederholten Male nicht gelungen.

Nun aber geht der Blick nach vorne. Allen Protagonisten war am Samstagabend im Stuttgarter Stadion anzumerken, dass von einem Befreiungsschlag noch nicht die Rede sein kann. Zu labil wirkt immer noch das gesamte Gefüge - Erschütterungen weiter nicht ausgeschlossen. "Letztlich haben wir nur ein Spiel gewonnen, nicht mehr und nicht weniger", lautete Vehs Fazit. Dennoch: Wichtig für die Spielerköpfe waren die drei Punkte allemal. Es war ein Happy End nach schweren Tagen - wenn auch nur ein kleines.