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Hannover - Nach dem 1:1 gegen Hertha BSC ist die Situation für Hannover 96 nicht einfacher geworden. Dennoch herrscht bei den Niedersachsen weiterhin Zuversicht.

Es hätte alles so schön sein können für Hannover 96. Nach dem hart erkämpften Remis in Frankfurt nach 0:2-Rückstand wollten die Roten endlich den ersten Dreier im Jahr 2015 gegen Hertha BSC einfahren. Doch dazu kam es nicht, weil Valentin Stocker per Seitfallzieher die 96-Führung von Christian Schulz noch egalisierte. Die Enttäuschung bei den Hannoveranern war nach dem Spiel zu spüren. Trainer Tayfon Korkut sprach auf der Pressekonferenz von "einer langen Zeit des Leides für 96."

Feuerwerk nur auf dem Frühlingsfest

Es war Punkt 21.45 Uhr. Ein großes Feuerwerk war für alle Zuschauer sichtbar oberhalb des Stadions zu sehen. Leider, aus Sicht der 96-Fans, wurde es nicht angezündet, weil Hannover den ersten Sieg 2015 eintütete, sondern weil neben dem Stadion das alljährliche Frühlingsfest auf dem Schützenplatz gefeiert wurde. Ein Feuerwerk auf dem Rasen fackelten beide Teams auch nicht gerade ab, auch wenn Hertha-Trainer Pal Dardai von einem guten Spiel mit zwei guten Teams sprach.

Auf den 200. Heimsieg in der Bundesliga-Geschichte muss Hannover 96 weiter waren. Seit sechs Heimspielen haben die 96ern nicht mehr gewonnen und überhaupt ist Hannover das einzige Bundesliga-Team, das 2015 noch gar nicht dreifach punkten konnte. "Das Ergebnis ist für uns definitiv zu wenig. Man hat aber gesehen, dass das Team unbedingt gewinnen wollte", erklärte 96-Trainer Tayfin Korkut.

Schulz: "1:1 ist für uns zu wenig"

Und auch Torschütze Christian Schulz ärgerte sich über den späten Berliner Ausgleich. "Unter dem Strich ist das 1:1 für uns zu wenig - vor allem, weil wir zehn Minuten vor Schluss 1:0 vorne gelegen haben. Die Führung hätte uns eigentlich beflügeln müssen, es war aber wieder ein bisschen umgekehrt: Wir haben vorne nicht die Bälle gehalten, sind schlecht nachgerückt, und die Herthaner haben dann konsequent nach vorne gespielt. Bei uns war die Kraft dann ein bisschen am Ende."

Christian Schulz hatte trotzdem doppelten Grund zur Freude. Zum einen schoss er nach 47 Bundesliga-Spielen ohne Treffer endlich wieder ein Tor, zudem wird er Vater, wie der Torjubel eindrucksvoll zeigte. "Wir sind im sechsten Monat. Das wird ein neuer Lebensabschnitt für mich", erklärte Schulz.

Hannover mit Eichhörnchen-Taktik

Wieder also kein Dreier für 96. Doch die Roten nahmen auch das Positive mit. "Am Ende müssen wir mit dem Punkt leben - das Ergebnis tut zwar unheimlich weh und ist jetzt erstmal frustrierend, aber im Abstiegskampf weiß man nie, wozu dieser eine Punkt gut ist. Dementsprechend müssen wir es jetzt einfach positiv sehen, da bleibt uns nichts anderes übrig", erklärte Sportchef Dirk Dufner und fügte an, "dass wir nicht in der Lage waren, das 1:0 zu verteidigen. In der Situation hat man auch gesehen, dass man ein Stück weit nervös wird, wenn man etwas zu verlieren hat."

Unentschieden spielen, das können die Niedersachsen in der Rückrunde. Es war bereits das fünfte Remis in elf Rückrundenpartien. Fünfmal lagen die 96er sogar in Führung, ein Sieg sprang dabei aber bekanntlich nicht heraus. Hannover wartet jetzt seit zwölf Spielen auf einen Sieg. Eine längere Serie ohne Dreier in der Bundesliga-Geschichte gab es für 96 nur in der Saison 2009/10 als das Team 13 Partien ohne Sieg blieb.

Dreier in Leverkusen "nicht unmöglich"

"Wir hatten nicht vor wieder Unentschieden zu spielen. Bis zum Saisonende wird es für uns eine lange Zeit des Leidens", sagte Coach Korkut. Dessen ist sich auch Dufner bewusst: "Wir sind in einer schwierigen Situation und stecken da gemeinsam drin. Wir müssen die Verkrampfung lösen, aber wir haben alles noch in der eigenen Hand."

Jetzt geht es für die Roten zu Bayer 04 Leverkusen. Doch auch da sind Punkte drin. "Wir dürfen jetzt die Köpfe nicht hängen lassen - unser Ziel ist es, nicht abzusteigen und dafür werden wir alles tun, dem werden wir alles unterordnen und weiter geht's", sagte Christian Schulz. "Wir müssen stabil bleiben und nach vorne schauen. Nächstes Spiel, nächste Chance und da werden wir alles tun, um endlich wieder einen Dreier einzufahren", erklärte der Torschütze. Und auch Sportchef Dufner hat seine Mannschaft alles andere als aufgegeben: "Beim nächsten Spiel müssen wir alles dafür tun, einen Dreier zu holen - das wird in Leverkusen nicht einfach, ist aber auch nicht unmöglich."

Aus Hannover berichtet Alexander Barklage