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Brunnen - Nachdem die Fußballer der TSG 1899 Hoffenheim vergangene Woche das erste Mal aus ihren Zimmern im Seehotel in Brunnen hinaus auf den Vierwaldstätter See geschaut hatten, konnte sich Pirmin Schwegler vor Anfragen kaum retten.

So begeistert seien die Teamkameraden nach dem Panoramablick auf das Wasser und die Berge gewesen, dass sich die Kollegen bei ihm gleich erkundigt hätten, ob es in der Nähe nicht einen guten Profiverein gebe, erzählt der Schweizer. Pirmin Schwegler gibt diese Anekdote natürlich mit einem Augenzwinkern zum Besten. Er stammt aus der Gegend, sein Geburtsort Ettiswil liegt in der Nähe, viele Freunde haben ihn schon besucht in den letzten Tagen während des Trainingslagers der TSG. Aber der Arbeitsausflug in die Heimat sei nicht der Grund für seinen Wechsel von Eintracht Frankfurt nach Hoffenheim gewesen, versichert Schwegler. Und lacht. Der Mann ist gut gelaunt, trotz der schweren Beine in der Vorbereitungsphase.

Auch viele Schweizer Journalisten waren am Montag nach Brunnen gekommen, um Schwegler zu seinem Wechsel und seinen Eindrücken beim neuen Verein zu befragen. Schwegler gab entspannt und witzig Auskunft und wirkte wie einer, der sich mit voller Begeisterung auf eine neue Aufgabe freut. Es sei einfach Zeit gewesen, einen neuen Reiz zu setzten, sagt er. Fünf Jahre spielte der Schweizer zuvor bei Eintracht Frankfurt, war Kapitän und so etwas wie das Gesicht der Hessen. Spielte Schwegler gut, spielte die Eintracht gut. Spielte der Taktgeber im Mittelfeld schlecht, spielte auch die Eintracht schlecht.

Schweglers Ankunft weckt Vorfreude

Schwegler ist nur einer von sechs Zugängen der TSG Hoffenheim, aber auch der, mit dessen Verpflichtung die TSG ihren Willen am stärksten ausdrückt, sich noch nachhaltiger in der Liga zu etablieren. Gerade auch Schweglers Ankunft, weckt bei den Fans Vorfreude. Schwegler ist ein bodenständiger Typ, von großen Zielen spricht er nicht offiziell, er sagt: "Der Verein ist vor zwei Jahren nicht gut damit gefahren, große Töne zu spucken." Damals rief der Trainer Markus Babbel ohne Not das Saisonziel Europapokalteilnahme aus, die chaotische Saison wäre dann fast mit dem Abstieg geendet. Jetzt könnte die TSG mit dem neuen Kader durchaus ein bisschen frecher sein. Ist sie aber nicht, darauf achtet Trainer Gisdol ganz genau. Arbeiten, arbeiten und arbeiten und dann sehen, wo man am Ende stehe, schlägt Schwegler erstmal vor.

Pirmin Schwegler ist der Wunschspieler von TSG-Trainer Markus Gisdol, die beiden haben sich letzten Winter zufällig im Urlaub auf den Malediven getroffen. Schwegler ist ein Fußballer, der mit seiner taktischen Raffinesse, seinem spielerischem Können, aber auch mit seinem ehrgeizigen Einsatzwillen Balance ins nicht immer ausbalancierte Spiel der TSG bringen kann. "Egal, ob auf der Sechs oder Acht – Pirmin ist flexibel einsetzbar, er bereichert unser Spiel eindeutig", sagt Gisdol. Der Trainer lobt auch die charakterlichen Eigenschaften seines neuen Strategen und glaubt, dass der nur eine kurze Eingewöhnungszeit benötigen werde.

Aggressive Vorwärtsverteidigung gefällt Schwegler

Nach einer eher durchschnittlichen Saison mit einigen Verletzungspausen in Frankfurt habe er in Frankfurt eine gewisse Stagnation gespürt, erzählt Schwegler. Die aggressive Vorwärtsverteidigung der Hoffenheimer gefällt ihm. "Man lernt nie aus im Leben", sagt er und lacht. Das meint er aber diesmal ziemlich ernst.

Pirmin Schwegler freut sich auf die neue Saison, das spürt, wer mit ihm redet. Und wenn nicht alles täuscht, darf sich die TSG auch auf diesen jungen Mann freuen, der als kleines Kind an Leukämie erkrankte, seit 2003 als geheilt gilt und sich in einer Stiftung zur Behandlung krebskranker Kinder engagiert. Schwegler ist ein reifer Mensch und im "besten Fußballeralter", wie er selbst sagt. Die WM hat er verpasst, aber auch da hat er Hoffnung, unter dem neuen Trainer seinen 14 A-Länderspielen für die Schweiz weitere folgen zu lassen. "Ich rechne mir Chancen aus", sagt Pirmin Schwegler: "Ich bin ja noch nicht im Rentenalter." Stimmt, er ist erst 27.

Tobias Schächter