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München - Die Spatzen pfeifen es schon seit einiger Zeit von den Dächern: Die Bundesliga wird immer jünger. Wo früher Woche für Woche fast nur gestandene Kerle die Knochen hinhielten, gehen heute mehr und mehr Kicker im Knabenalter zu Werke. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel - und so bieten nach wie vor diverse Routiniers dem Nachwuchs die Stirn. bundesliga.de präsentiert die Top-Akteure in der Altersklasse "Ü 30".

Die Torwartposition galt über Jahrzehnte als die Domäne für die älteren Semester. Ein guter Schlussmann, so die verbreitete Expertenmeinung, benötige Erfahrung beinahe mehr als alles andere. Wenngleich diese antiquierte Sichtweise allmählich aus der Mode gerät und in der vergangenen Saison mit Manuel Neuer & Co. gerade die aufstrebenden Keeper zwischen 20 und 25 für Schlagzeilen sorgten, wissen die alten Kempen nach wie vor mitzuhalten.

Erfahrung im Tor = Erfolg?

Beim Meister Borussia Dortmund avancierte Roman Weidenfeller zum absoluten Rückhalt. Der 30-Jährige spielte ligaweit am häufigsten zu Null (14 Mal) und wehrte darüber hinaus die zweitmeisten Schüsse ab (76,4 Prozent). Dass die "Schwarz-Gelben" alles in allem die wenigsten Gegentore kassierten (22), ist also auch sein Verdienst. Auch wenn Jürgen Klopp einst im Spaß erklärte, den "Weidenfeller müssen wir uns manchmal schönsaufen", weiß der Trainer ganz genau um die Stärken seiner Nummer 1.

Was ein erfahrener Torhüter wert sein kann, sah man nämlich auch beim Hamburger SV. Mit Frank Rost holten die "Rothosen" in der abgelaufenen Spielzeit 42 von insgesamt 45 Punkten. Demgegenüber vermochte man nur eines von drei Spielen ohne den 37-Jährigen für sich zu entscheiden.

"Zweiter Frühling" für Raul

Gerade in der Fremde scheint sich die Gelassenheit der "Oldies" des Öfteren auszuzahlen: So feierte der 1. FSV Mainz 05 vier seiner sieben Auswärtssiege mit dem 33-jährigen Heinz Müller zwischen den Pfosten, die anderen drei mit seinem nur zwei Jahre jüngeren Stellvertreter Christian Wetklo.

Aber auch bei den Feldspielern sorgte so mancher "alter Hase" für Furore. Vorneweg natürlich Raul, der als lebende Ikone von Real Madrid keineswegs lediglich deshalb zum FC Schalke 04 gekommen war, um seine Karriere gemütlich ausklingen zu lassen. Denn der Stürmer stand nicht nur in allen 34 Partien in der Gelsenkirchener Startelf. Der 33-Jährige gab außerdem die meisten Torschüsse seines Teams ab (77) - und war mit 13 Treffern (drei Assists) schlussendlich der alleinige Top-Torjäger der "Königsblauen".

Abschied vom "ewigen" Ze Roberto

Auch abseits des Platzes wurde der Spanier schnell zum neuen Publikumsliebling. Ein Star zum Anfassen: "Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes 'Senor Raul' kennenlernen dürfen: Einen Weltstar, der sein Ego hinten anstellt, aber Erfolg magisch anzieht", schwärmte sein Mitspieler Christoph Metzelder in der "Welt".

Während Raul mit den Gelsenkirchenern nach dem Gewinn des DFB-Pokals weiterhin viel vor hat, endete beim HSV eine Ära. Nach 336 Spielen verlässt Ze Roberto Deutschland als alleiniger Rekordspieler: Als Ausländer mit den meisten Bundesliga-Partien auf dem Buckel.

"Heimspiel-König" Petric

Der Abschied des Brasilianers ist jedoch bestimmt nicht leistungsbedingt, wie sein Schnitt von 75 Ballkontakten pro Spiel und stolze neun Torvorlagen bestätigen. Der 36-Jährige fällt vielmehr der strikten Verjüngungskur zum Opfer, die sich der Verein verordnet hat. "Ich hatte eine sehr schöne, intensive Zeit beim HSV und wünsche dem Verein alles Gute für den geplanten Umbruch", geht der Mittelfeldspieler ohne Zorn.

Dafür könnte sein Kollege Mladen Petric beim Neuaufbau durchaus mithelfen, der Kroate ist immerhin erst knappe 30, war besonders in Heimspielen stets brandgefährlich (acht Treffer) - und mit insgesamt elf Saisontreffern der Top-Torjäger der Hanseaten. Eine Mannschaft braucht schließlich auch Eckpfeiler.

Ruhepol Hajnal

Der VfB Stuttgart machte es vor: Die Schwaben verpflichteten im vergangenen Winter den ebenfalls 30-jährigen Tamas Hajnal, der sich sofort zum neuen Taktgeber im Mittelfeld aufschwang. 60 Ballkontakte pro Spiel sowie 76 Prozent angekommene Pässe sprechen im Prinzip für sich. Unter dem Strich hatte der Ungar mit seiner Spielintelligenz und Übersicht sowie gerade mit seinen drei Toren und vier Assists gehörigen Anteil am Klassenerhalt.

Fazit: Individuelle Klasse kann man nicht lernen, die muss man schon selbst mitbringen. Das werden die "Silberrücken" der Bundesliga auch in der neuen Saison wieder unter Beweis stellen.

Stefan Missy

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