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Den 2:1 (0:0)-Sieg gegen Inter Mailand zum Abschluss der Champions League-Gruppenphase und den damit verbundenen Trostpreis UEFA-Pokal-Qualifikation nahm man bei Werder Bremen hanseatisch-kühl zur Kenntnis.

"Wir haben in der Champions League enttäuscht und nun am Ende mit Glück noch das Beste aus der Situation gemacht", kommentierte Nationalspieler Torsten Frings emotionslos den Erfolg gegen den italienischen Meister.

"Müssen in der Bundesliga weiterkommen"

Beim Auslaufen im fast dunklen Weser-Stadion wurde nur eher verstohlen geflachst, bisweilen huschte ein Lächeln über eines der Gesichter. Eine Einstellung, die Sportdirektor Klaus Allofs wohlwollend zur Kenntnis nahm: "Wir müssen jetzt erstmal in der Bundesliga weiterkommen. Aber wir haben nun zumindest die Chance, auch international zu zeigen, dass wir dazugelernt haben."

Auch für Trainer Thomas Schaaf ist der Bundesliga-Jahresausklang am Samstag gegen den VfL Wolfsburg mehr ein Charaktertest denn ein sportlich brisantes Nordderby. "Es gilt, in diesem Spiel erneut eine solche Leistung abzurufen. Vielleicht sind bei uns die Beine schwer, aber wir müssen uns wieder auf die rechte Bahn bringen", sagte Coach.

"Wir müssen jeden Gegner so ernst nehmen wie Mailand"

Dass die "Wölfe" parallel zu den Bremern im UEFA-Cup überwintern und ihr Renommee damit aufpolierten, kann den Hanseaten eigentlich nur recht sein, denn gegen "große" Clubs sind sie derzeit national und international erfolgreicher als gegen die "Kleinen".

Eine Sache der Einstellung, wie Ersatzkapitän Frings pointiert artikulierte: "Wir müssen eben jeden Gegner so ernst nehmen, wie wir es mit Mailand gemacht haben. Wenn man den Kampf besteht, kommt auch das Spielerische zurück."

Druck macht Beine

Anders in der Partie gegen den souveränen Tabellenführer der Serie A, der Druck des Siegenmüssens machte den Platzherren Beine.

Auch ohne den gesperrten brasilianischen Mittelfeldregisseur Diego und dessen verletzten Landsmann Naldo brachen sie den Widerstand der Gäste und erzielten durch Claudio Pizarro (63.) und Markus Rosenberg (81.) die ersten Heimtore in der "Königsklasse" seit mehr als einem Jahr. Der Anschlusstreffer durch Zlatan Ibrahimovic (88.) tat auch den Zuschauern nicht mehr weh.

Allofs enttäuscht

Schmerzen verspürte nur Sportdirektor Allofs beim Blick auf die Abschlusstabelle der angeblich leichten Vorrundengruppe B.

"Es tut schon weh zu wissen, welches Potenzial eigentlich in der Mannschaft steckt", formulierte der 52-Jährige. Vier Punkte holte der Bundesliga-Zehnte gegen Inter Mailand, mehr als gegen die vermeintlichen Außenseiter Panathinaikos Athen und Anorthosis Famagusta zusammen.

Mourinho gewohnt selbstbewusst

Da staunte auch Inter-Coach Jose Mourinho - über Werder und vor allem über seine Mannschaft, die durch die Niederlage an der Weser den Gruppensieg den Griechen überlassen musste.

"Vielleicht haben wir Athen und Famagusta unterschätzt", räumte der Fußball-Lehrer ein, um schon im nächsten Atemzug wieder das von dem Portugiesen gewohnte Selbstvertrauen an den Tag zu legen: "Dass wir Gruppen-Zweiter sind, ist Pech für den Gruppen-Ersten, der uns im Achtelfinale bekommt."