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Sieglos, ratlos, perspektivlos - fünf Jahre lang dem europäischen Fußball-Adel zugehörig, ist Werder Bremen in der "Königsklasse" förmlich vom Hof gejagt worden.

"Als es darauf ankam, hatten wir nicht die erforderliche Klasse", kommentierte Sportdirektor Klaus Allofs das 2:2 (0:0) bei Anorthosis Famagusta, das die letzten Hoffnungen der Hanseaten auf das Erreichen des Champions-League-Achtelfinales brutal zerstörte.

Schaaf: "Die Enttäuschung ist riesengroß"

Erst als die Partie nach zwei Gegentoren durch Nikos Nikolaou (62.) und Savio (68.) bereits verloren schien, stemmten sich die Norddeutschen mit aller Macht gegen die erste Auswärtsniederlage, zu mehr als zwei Treffern von Diego (72., Foulelfmeter) und Hugo Almeida (87.) reichte es jedoch nicht mehr.

Was Trainer Thomas Schaaf sichtlich ärgerte: "Erst am Schluss waren Mut und Wille da, wir hätten eher damit anfangen sollen. Wir sind derzeit einfach nicht imstande, konstant starke Leistungen abzuliefern. So gesehen haben wir unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllt. Die Enttäuschung ist riesengroß, denn es wäre mehr möglich gewesen." "

Frings spricht Klartext

Torsten Frings stieß ins gleiche Horn. Auch dem Nationalspieler glückte im mit 18.461 Zuschauern ausverkauften GSP-Stadion von Nikosia beileibe nicht alles nach Wunsch. Doch der Mittelfeldkämpfer zeigte vorbildlichen Einsatz, stand schon nach fünf Minuten dicht vor einer Gelben Karte und sprach nach der Partie wie gewohnt Klartext: "Insgesamt hat uns der letzte Wille gefehlt, wir hätten dieses Spiel gewinnen müssen."

In der vermeintlich leichtesten Vorrundengruppe geht es für die Hanseaten nach dieser erneuten sportlichen Enttäuschung nun am 9. Dezember gegen Inter Mailand nur noch um den Trostpreis UEFA-Pokal. Dafür ist ein Sieg gegen die bereits in der nächsten Runde stehenden Italiener Pflicht, gleichzeitig darf jedoch der Neuling aus Zypern sein Auswärtsspiel bei Panathinaikos Athen nicht gewinnen.

Zum dritten Mal in Folge das Aus in der Vorrunde

Hätte, wenn und aber - schon vor dem letzten Spieltag steht unumstößlich fest, dass man an der Weser sportlich in eine Sackgasse geraten ist. Zum dritten Mal in Folge wurde die Vorrunde nicht überstanden und auch im Liga-Alltag läuft es nicht nach Wunsch. Als Tabellenneunter müssen die Hanseaten bereits die Ferngläser herausholen, um noch Sichtkontakt zu den Spitzenteams zu halten.

Noch nie seit der Deutschen Meisterschaft 2004 war die Gefahr so groß, die Champions League schon im Herbst nur als Zuschauer zu betrachten. In allen Wettbewerben fehlt es den "Grün-Weißen" an der Konstanz, die sie in der Vergangenheit Jahr für Jahr zumindest unter die Top-Drei der Liga führte.

Zwar gab Allofs nach dem vierten Remis im fünften Spiel tapfer den Berufsoptimisten, doch in der derzeitigen Verfassung ist an eine Siegesserie, die die Bremer wieder an die Bundesligaspitze bringen könnte, überhaupt nicht zu denken.

Allofs bemängelt fehlenden "Druck aus der zweiten Reihe"

Stattdessen muss darüber nachgedacht werden, in der Winterpause personell nachzurüsten. Während Schaaf über das permanente Beleuchten des Kaders philosophierte und keine öffentliche Personalkritik betreiben wollte, wurde Allofs durchaus konkreter: "Einige haben nicht so gut eingeschlagen, wie wir es uns erhofft hatten. Vor allem kommt zu wenig Druck aus der zweiten Reihe."

Das war im Vorjahr noch ganz anders, als die Bremer ungeachtet einer nicht enden wollenden Serie von Verletzungen zumindest national immer vorn dabei waren.

Und so könnte das Gastspiel des italienischen Meisters im Weser-Stadion das Ende der erfolgreichsten Phase in der 109-jährigen Vereinsgeschichte des Traditionsclubs markieren. Denn für einen Sieg gegen Inter müsste in der augenblicklichen Form wohl mal wieder ein Werder-Wunder her...