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Leverkusen - Nach dem 2:1-Sieg von Bayer Leverkusen gegen den FC Valencia scheint bei Andre Schürrle der Knoten zu sein. Der Stürmer von Bayer 04 Leverkusen ließ seinem ersten Tor in der Bundesliga gestern auch seinen ersten Treffer in der Champions League folgen.

Beide Tore waren nicht nur sehr schön anzuschauen, sondern auch eminent wichtig und spielentscheidend. Im Interview spricht der 20-Jährige über seine große Erleichterung und die Situation in Leverkusen.

Frage: Andre Schürrle, Bayer hat seinen Fans gegen Valencia ein außergewöhnliches Kontrastprogramm serviert. Auf eine sehr schlechte erste Hälfte folgte eine wesentlich bessere zweite. Aus einem 0:1-Rückstand wurde ein 2:1-Sieg. Wie ist dieser Unterschied zu erklären?

Andre Schürrle: Das ist schwer zu erklären. Die erste Halbzeit war wirklich indiskutabel. Wir waren zu passiv und ängstlich auf dem Platz. Es hat gar nichts gepasst. Wir waren total verunsichert. Wir können wirklich glücklich sein, dass es nur 0:1 stand. Daher musste und konnte sich nur etwas ändern. Wir mussten uns in der Halbzeit zusammenraufen, weil es ja nicht mehr schlechter werden konnte. Wir haben versucht, alles hinter uns zu lassen und ohne nachzudenken, einfach den Gegner zu attackieren und zu zeigen, was wir können. Wir sind dann auch direkt gut in die ersten Zweikämpfe gekommen, haben die Bälle erobert und nach vorne gespielt. Dann haben wir auch die Qualität, zwei wichtige Tore zu machen. Am Ende hätten wir sogar das eine oder andere Tor mehr schießen können. Dann wäre das Spiel früher entschieden.

Frage: Wie gut hat Ihnen persönlich Ihr erstes Tor in der Champions League getan?

Schürrle: Sehr gut. Aber das noch wichtigere Tor habe ich am Wochenende in Mönchengladbach erzielt. Danach spürte ich eine große Befreiung im Kopf. Ich musste bei meinen Aktionen nicht mehr großartig darüber nachdenken, wann ich endlich treffe. Obwohl ich mir sicher war, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Tore wieder kommen, brauchte ich das Tor. Aber noch wichtiger war, dass die Mannschaft gegen Valencia gewonnen hat. So kann es weitergehen.

Frage: Bayer hat nun aus drei Spielen sechs Punkte geholt und als Zweiter vier Zähler Vorsprung auf den 3. Rang. Wie beurteilen Sie nach dem Erfolg die Konstellation in der Champions-League-Gruppe?

Schürrle: Es sieht gut aus. Jetzt geht es in zwei Wochen nach Valencia. Wenn wir da etwas mitnehmen, haben wir eine riesen Ausgangslage. Die wollen wir uns nicht mehr nehmen lassen. Wir müssen versuchen, in Valencia zu punkten. Dann können wir die Gruppenphase überstehen und in der Champions League überwintern.

Frage: In den letzten vier Pflichtspielen gab es immerhin drei Siege und ein Unentschieden. Zeichnet es die Bayer-Mannschaft im Moment aus, dass sie auch dann Punkte holt und Siege einfährt, auch wen sie nicht ihre optimale Leistung abruft?

Schürrle: Ja, wir haben einfach die individuelle Qualität, dass wir auch Tore machen können, wenn es in der Mannschaft spielerisch nicht läuft. Das zeichnet uns auf jeden Fall aus.

Frage: Es wurde in den letzten Tagen in der Öffentlichkeit viel über das Innenleben der Mannschaft und das Verhältnis zum Trainer diskutiert. Wie ist das Verhältnis zum Coach?

Schürrle: Diese Frage taucht inzwischen alle drei Tage auf. Es ist müßig, über dieses Thema zu reden. Wir haben kein Problem mit dem Trainer und ein gutes Verhältnis zu ihm. Wir verstehen uns gut innerhalb der Mannschaft. Wir trainieren gut. Wir spielen auch gut. Im Moment klappt sicher nicht alles auf dem Platz. Deshalb tun uns, dem Trainer und den Fans jetzt der Last-Minute-Punkt in Mönchengladbach und der Sieg gegen Valencia gut.

Frage: Am Sonntag gastiert der FC Schalke 04 in der BayArena. Wie sehen Sie die Perspektive in der Bundesliga?

Schürrle: Jedes Spiel ist wichtig. Gegen Schalke wäre es ungemein wichtig, auch in der Bundesliga drei Punkte nachzulegen. Jetzt steht die nächsten Tage aber erst einmal die Regeneration im Vordergrund. Dann werden wir uns auf Schalke einstellen und versuchen, so zu spielen wie gegen Valencia in der zweiten Halbzeit und das Spiel zu gewinnen.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski