Dortmund - Richtig müde, aber auch ziemlich zufrieden: Gonzalo Castro spiegelte nach dem 1:0-Erfolg über Ingolstadt ganz gut den Gemütszustand von Borussia Dortmund wider. Der mühsam erkämpfte Sieg rundete eine erfolgreiche Woche ab. Für den Mittelfeldspieler der Dortmunder galt das in ganz besonderem Maße.

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Erst der Pokalerfolg gegen Lotte, der dem BVB den Einzug ins Halbfinale beschert hat. Dann Castros Vertragsverlängerung bis 2020 und jede Menge lobende Worte von Sportdirektor Michael Zorc: "Gonzo hat sich sowohl sportlich als auch von seiner Persönlichkeit in kurzer Zeit zu einem sehr wertvollen Mitglied im Mannschaftsgefüge entwickelt." Und jetzt noch der Erfolg über Ingolstadt, der sechste Sieg in den letzten sieben Pflichtspielen. "Es war eine wichtige Woche für mich, die am Ende perfekt gelaufen ist", fasste Gonzalo Castro die letzten Tage treffend zusammen.

"Ein dreckiger Sieg"

Dabei verhehlte der Lenker des Dortmunder Spiels aber nicht, dass der Sieg über den Tabellenvorletzten nicht nur ein schweres Stück Arbeit, sondern auch ein stückweit glücklich war. "Das war auf jeden Fall ein dreckiger Sieg. Aber solche Spiele hat man eben auch mal nach so anstrengenden Wochen mit so vielen Spielen." Der BVB durfte sich am Ende bei Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang bedanken, der mit seinem 23. Saisontor den Treffer des Tages erzielte. Und bei den Gästen aus Ingolstadt, die viele gute Chancen nicht zu nutzen wussten.

"Die letzten Körner haben dieses Mal gefehlt", bekannte Castro. "Wir waren nicht so frisch, auch mental nicht. Wir waren auch vom Kopf her nicht richtig da." Sich selbst wollte der 29-Jährige da gar nicht ausnehmen. Zwar war er in zentraler Rolle auch dieses Mal um fußballerische Kontrolle und Ordnung bemüht, aber richtig gelingen wollte das auch ihm dieses Mal nicht.

Seit Jahren wartet Castro auf sein sechstes Länderspiel

Sonst sieht das in dieser Spielzeit zumeist ganz anders aus. In seiner zweiten Saison in Dortmund hat sich der gebürtige Wuppertaler zum Motor im Mittelfeld aufgeschwungen und drückt dem Spiel des BVB seinen Stempel auf. Mit seiner Übersicht kann er das Spiel lenken, überzeugt mit einer starken Passquote und schaltet sich immer wieder in das Angriffsspiel ein, auch wenn zwei Treffer und vier Vorlagen das nicht unbedingt widerspiegeln. Sowohl nach seiner ganz starken Form im vergangenen Herbst als auch jetzt bleibt ihm ein Lohn aber versagt – Joachim Löw nominiert Castro konsequent nicht für die Nationalmannschaft. Seit Jahren wartet er auf sein sechstes Länderspiel, was nicht nur Michael Zorc verwundert zur Kenntnis nimmt: "Gonzo hätte sich längst einen Einsatz verdient.!

Der Spieler selbst hat seine Enttäuschung zwar eingestanden, bleibt seinem unaufgeregten, bescheidenen Naturell aber treu und stellt öffentlich keine Forderungen. Stattdessen versucht es Castro positiv zu nehmen. "Ich bin jetzt auch froh, dass ich in der Länderspielpause ein bisschen auftanken kann", sagte er nach dem Sieg über Ingolstadt. "Es waren schon sehr viele Spiele in letzter Zeit, wir waren viel im Einsatz. Dazu haben sich über die letzten Spiele ein paar Verletzungen und ein paar Wehwehchen angesammelt. Da sind wir alle froh, mal ein paar Tage Pause zu haben."

Im April jagt ein Highlight das nächste

Ausruhen und Kräfte tanken für die entscheidende Phase der Saison, heißt die Devise beim BVB. Denn im April jagt ein Highlight das nächste, wenn für die Dortmunder gleich vier englische Wochen in Folge auf dem Plan stehen. Erst geht es gegen Schalke und den HSV, dann warten die Bayern, schließlich stehen die Spiele in der Champions League gegen Monaco an, eine Woche später muss man im Pokal wieder zu den Bayern. "Das werden sehr schöne Spiele, auch sehr aufregende Spiele", freut sich Gonzalo Castro auf die Kracher, "aber um diese Spiele erfolgreich zu bestreiten, brauchst du eben auch sehr viel Kraft, auch mentale Kraft."

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Der 29-Jährige wird alles daran setzen, bis zum Derby gegen Schalke am 1. April physisch und psychisch wieder topfit zu sein. Dann will er dem BVB-Spiel wieder seinen Stempel aufdrücken, die Mannschaft zu Siegen und Erfolgen führen. Schließlich hat Castro nach seiner Vertragsverlängerung noch einiges vor in Schwarz-Gelb. Sein Ziel, ausnahmsweise mal ganz unbescheiden: "Ein paar Titel mitnehmen!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte