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Köln - 20 Jahre nach ihrer bis dato letzten Finalteilnahme im DFB-Pokal will sich Borussia Mönchengladbach auch von Arminia Bielefeld nicht auf dem Weg nach Berlin stoppen lassen. Der Drittligist soll am Mittwoch Abend (ab 18.45 Uhr im Liveticker) nicht zum berühmten David werden.

Das Spiel ist mit 26.137 Zuschauern längst ausverkauft, die Borussia erwartet in der SchücoArena ein ostwestfälischer Hexenkessel gegen eine Mannschaft, die aktuell vor Selbstvertrauen nur so strotzt. Sieben Spiele vor Saisonende hat die Arminia als Spitzenreiter der 3. Liga bereits neun Punkte Vorsprung auf Platz vier, die Rückkehr in die 2. Bundesliga ist denkbar nah. Und auch im DFB-Pokal konnten sich die Bielefelder bereits als Favoritenschreck erweisen. Nach dem 4:1 gegen Zweitligist SV Sandhausen, schalteten sie auch die Bundesligisten Hertha BSC (4:2 n.E.) und SV Werder Bremen (3:1) aus.

"Wir wollen ins Finale nach Berlin"

Trotzdem steht für die Borussia das Ziel fest. "Natürlich wollen wir ins Finale nach Berlin", betont Manager Max Eberl. Dort war der fünffache Deutsche Meister und dreimalige Pokalsieger zuletzt 1995, holte schließlich auch durch ein 3:0 gegen den VfL Wolfsburg letztmals den DFB-Pokal. Patrick Herrmann, damals gerade einmal vier Jahre alt, hat genug von Finals vor dem TV: "Wenn du jedes Jahr im Fernsehen das Finale anschaust, dann sagst du dir immer: Da will ich auch hin." Und Nationalspieler Max Kruse stellte klar: "Wir brauchen keine Extra-Motivation. Mit zwei Siegen sind wir in Berlin. Jeder hat dieses Ziel vor der Nase."

Trainer Lucien Favre, der beim 2:0 vor zwei Wochen sogar den FC Bayern München taktisch überlistete, warnt dagegen vor dem Außenseiter, der bei Standards "total gefährlich" sei und "nicht umsonst" die dritte Liga anführe: "Fragen Sie mal nach bei Hertha und Werder." Der Schweizer Erfolgscoach erwartet "einen typischen Pokalfight, tschüss oder weiterspielen".

Auch Herrmann ist bewusst, "dass es gegen unterklassige Gegner immer schwer wird und die Gefahr zu verlieren immer besteht. Aber wir müssen die Favoritenrolle annehmen, klar im Kopf sein und Gas geben".

Hoffen auf eine weitere Sensation

Bei der Arminia ist die Hoffnung auf die Wiederholung des biblischen Coups des kleinen David gegen den großen Goliath dennoch groß. Trainer Norbert Meier ermutigte sein Team, "den ostwestfälischen Stolz durchkommen zu lassen und mit viel Mut" in das Spiel gehen. Verstecken gelte nicht. "Wir sind noch krasserer Außenseiter als in den Spielen zuvor", sagte Geschäftsführer Marcus Uhlig dem SID, versprach aber: "Es wird typisch Bielefelder Atmosphäre herrschen. Wir haben ein fantastisches, fanatisches Publikum, Aprilwetter, Flutlicht - und wir werden uns mit allem, was wir haben, wehren." Auch Sportchef Samir Arabi hofft "natürlich auf eine weitere Sensation".

Sollte Bielefeld den Sprung ins Halbfinale schaffen, wären die Ostwestfalen erst der fünfte Drittligist, dem diese Sensation in der langen Geschichte des DFB-Pokals gelingt. Vor der Arminia schafften dies bereits die 2. Mannschaft von Hertha BSC (1993), Energie Cottbus (1997), Eintracht Trier (1998) und Union Berlin (2001). Alle außer Trier marschierten auch ins Endspiel, gewonnen hat dies dann aber keiner.