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München - Mario Götze und große Endspiele. Beides fand bisher noch nicht zusammen. Im Champions-League-Finale 2013 fehlte der Ausnahmekönner - damals noch beim BVB unter Vertrag - wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel und auch im DFB-Pokal-Finale 2012 spielte der Offensivspieler keine Minute, weil ihn zuvor eine Schambeinverletzung Monate außer Gefecht gesetzt hatte.

Götze hat also Nachholbedarf. "Es wird mal Zeit, dass ich ein Finale spielen darf", sagte der 21-Jährige vor dem Rückspiel im Viertelfinale der Champions League gegen Manchester United (Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). Voraussetzung dafür ist selbstredend ein Weiterkommen gegen die Engländer, die den Münchnern im Hinspiel auf der Insel zumindest ein 1:1 abtrotzten.

Götze im Zentrum vor Lahm und Kroos

Manchester wird die Partie in der Allianz Arena sehr wahrscheinlich in einer ähnlichen Ausrichtung angehen wie das Hinspiel. Die Elf von David Moyes wird sich sehr weit zurückziehen und versuchen, mit Kontern und Standards zum Erfolg zu kommen. Die Aufgabe der Bayern wird es sein, den Moyes-Riegel zu knacken.

"Wir müssen im letzten Drittel entschlossener sein und wenn sie ungeordnet sind, schnell nach vorne spielen", erklärt Götze, der normalerweise auf seiner Lieblingsposition im Zentrum vor den beiden Sechsern Philipp Lahm und Toni Kroos zum Zug kommen wird. "Ich bin flexibel, aber im Zentrum fühle ich mich am wohlsten. Dort habe ich in der Jugend gespielt und mehr Möglichkeiten als auf der Außenbahn."

Boateng: "Rooney ist der Schlüsselspieler"

Dass der FC Bayern seit sage und schreibe drei Spielen ohne Sieg ist, macht an der Säbener Straße keine Pferde scheu. "Ich bin entspannt", so Götze. Und auch Innenverteidiger Jerome Boateng, der vor Wochenfrist im Old Trafford nicht sein bestes Spiel zeigte, versicherte: "Das beunruhigt niemanden."

Boateng wird wieder an der Seite von Dante verteidigen, der auf der Insel noch gelbgesperrt gefehlt hatte. Ob es das Duo mit Uniteds Star-Stürmer Wayne Rooney zu tun bekommt, ist noch in der Schwebe. Der Engländer laboriert an einem Bluterguss im Zeh und war am Wochenende beim 4:0-Sieg gegen Newcastle nur Zuschauer.

"Wayne Rooney ist der Schlüsselspieler. Wenn er fehlt, ist das ein großer Verlust für Manchester", konstatierte Boateng, der sich aber nicht länger mit der eigenen Defensivarbeit befassen wollte, sondern das Augenmerk schnell auf den eigenen Angriffsfußball lenkte. "Wir werden wieder viel den Ball haben. Wir müssen schneller spielen, schneller flanken und auch mal aus der zweiten Reihe schießen."

Geschwindigkeit in den Aktionen entscheidet

Was Götze und Boateng bemerkten, wird Trainer Pep Guardiola wohl auch so sehen. Entscheidend wird die Geschwindigkeit in den Aktionen. Wenn sich die Bayern in endlosen und langsamen Passstafetten im Mittelfeld verlieren, wird Manchester in Ruhe einen Halbkreis um den Strafraum formieren. Nur schnelle Kombinationen und Tempodribblings werden Löcher in die massierte United-Defensive um die kantigen Verteidiger Rio Ferdinand und Nemanja Vidic reißen können.

Trotz der nicht ungefährlichen Ausgangslage wächst die Vorfreude an der Säbener Straße. "Es kribbelt schon", versicherte Boateng. Götze war - getrieben von der Lust auf ein großes Finale - mit den Gedanken schon einen Schritt weiter: "Barcelona und Real Madrid sind die größten Anwärter aufs Finale." Zusammen mit dem FC Bayern.

Vom FC Bayern berichtet David Schmidt