ANZEIGE

Köln - "So ein Tag, so wunderschön wie heute. So ein Tag, der dürfte nie vergehen.", heißt es in einem gern gesungenen Lied, das den Freitagabend vortrefflich beschreibt. Zum Auftakt des 28. Spieltags empfing Borussia Dortmund den VfB Stuttgart, und was beide Clubs den Fans im Stadion und an den Bildschirmen boten, wird noch lange im Gedächtnis bleiben.

Am Ende einer packenden Partie hieß es 4:4-Unentschieden, und doch gab es einen Sieger: den Fußball! Der BVB startete wie gewohnt mit Vollgas in die Begegnung. Shinji Kagawa hatte bereits in der 2. Minute die Führung auf dem Fuß, verzog aber um einen knappen halben Meter. Hochgeschwindigkeitsfußball von Anfang an - in diesem Tempo sollte es weitergehen.

Dortmund macht alles klar - eigentlich

Die Dortmunder, die insgesamt 120,81 Kilometer liefen, drückten und kamen zu zahlreichen Chancen. Erst ließ Robert Lewandowski Stuttgarts Sven Ulreich aussteigen, um danach doch noch an Georg Niedermeier zu scheitern, der kurz vor der Linie per Kopf klärte. Kurze Zeit später konnte sich der Gäste-Keeper beim Aluminium bedanken, das das 1:0 von Kevin Großkreutz verhinderte. Schließlich gingen die "Schwarz-Gelben" doch noch in Front. Kagawa nutzte einen Geistesblitz von Kapitän Sebastian Kehl, der am Fünfer per Kopf auf den Japaner ablegte. Der Rest war Formsache.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs schien es, als kämen die Schwaben unter die Räder. Nachdem Lukasz Piszczek einen seiner 33 Sprints (2. Platz) mit einem Pfostentreffer abschloss, traf Jakub Blaszczykowski in der 49. Minute zum 2:0. Auch wenn die Stuttgarter zu guten Chancen kamen - William Kvist scheiterte in 63. Minute am Innenpfosten - zeigte ein Blick auf die Torschuss-Statistik in Spielminute 65, wie es um die Kräfteverhältnisse bestellt war: Dortmund führte mit 19:4 Abschlüssen.

Der Wahnsinn beginnt

Der Sieg des BVB schien in sicheren Tüchern, einzig die Frage nach der Höhe stellte sich zu diesem Zeitpunkt noch - bis zur 71. Minute. Plötzlich war Vedad Ibisevic zur Stelle, nutzte eine Kopfballablage von Niedermeier und verkürzte auf 2:1. Dieser Treffer war nicht nur der Weckruf für die Stuttgarter, sondern auch der Auftakt zu 23 wahnsinnigen Minuten, wie sie die Bundesliga bisher nur selten gesehen hat!

Der VfB merkte, dass noch etwas möglich war und setzte alle Kräfte frei, wie 124,06 km belegen. Binnen zwei Minuten drehte Julian Schieber (10,81 km) das Spiel für die Schwaben. Erst umkurvte er Neven Subotic, Mats Hummels und Roman Weidenfeller auf dem Weg zum Ausgleich (77.) - 120 Sekunden später tauchte er alleine vorm BVB-Keeper auf und schob zum 2:3 ein.

Doch die Freude währte nicht allzu lange, da der deutsche Meister durch einen Fernschuss Hummels' (82.) konterte und das Spiel durch das 4:3 des eingewechselten Ivan Perisic in der 87. Minute sogar erneut drehte. Die Südtribüne stand Kopf, der VfB schien am Boden, doch die Partie war noch nicht vorbei. In der zweiten Minute der 180 Sekunden währenden Nachspielzeit irritierten sich Hummels (68 Prozent gewonnene Zweikämpfe) und Marcel Schmelzer gegenseitig und erlaubten so dem ebenfalls eingewechselten Christian Gentner den Treffer zum 4:4-Endstand!

Hannover mit später Effizienz

Sehr viel ruhiger ging es dagegen zum Abschluss des Spieltags in den beiden Sonntagspartien zu. In der frühen Begegnung zwischen Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach fingen beide Teams sogar erst nach dem Seitenwechsel an, offensiven Fußball zu spielen. Der erste Durchgang war von den jeweiligen Defensivreihen geprägt, die in der zweiten Hälfte mehr zu tun bekamen.

"Es war sehr schwer, sich Chancen zu erspielen", kommentierte 96-Trainer Mirko Slomka im Nachhinein die Leistung seiner Mannschaft. Drei gute Gelegenheiten erspielten sich die "Roten" dann doch und zeigten sich dabei gewohnt effektiv. Didier Ya Konan nutzte einen seiner drei Abschlüsse zum 1:0, ehe Sturmpartner Mame Diouf mit seinem einzigen Torschuss auf 2:0 erhöhte. Da Gladbach im direkten Gegenzug durch Harvard Nordtveit zum Anschlusstreffer kam, war die Partie wieder offen. Doch Hannover verstand es, mit guter Defensiv- und Laufarbeit (113,69 km) die Bemühungen der Gäste oft schon im Ansatz zu ersticken.

Schalke mit Mühe

Seine Probleme, ins Spiel zu finden, hatte der FC Schalke 04. Die "Knappen" mussten bei 1899 Hoffenheim ran und taten sich im ersten Durchgang schwer. Die Europa-League-Partie gegen Athletic Bilbao steckte der Truppe von Huub Stevens noch in den Knochen. Dementsprechend nutzten die Gastgeber ihre Spielanteile und gingen durch Sejad Salihovics verwandelten Elfmeter mit einer 1:0-Führung in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel kam "Königsblau" besser in die Partie, scheiterte in Jefferson Farfan und Jermaine Jones jedoch an Tom Starke, beziehungsweise an dem für seinen Keeper auf der Linie klärenden Fabian Johnson. Hoffenheim gab alles und hatte besonders läuferisch große Vorteile (119,79 gg. 112,94 km), doch am Ende kam Schalke doch noch zu einem nicht unverdienten Punkt.

In der 80. Minute ließ Andreas Beck im Strafraum das Knie gegen Chinedu Obasi stehen und Schiedsrichter Markus Schmidt zeigte erneut auf den Punkt. Diese Chance ließ sich Klaas-Jan Huntelaar nicht nehmen und sicherte mit seinem 23. Saisontreffer einen Punkt im Kampf um die direkte Champions-League-Qualifikation. Ob des verpassten "Dreiers" werden die Schalker wohl nicht gerade in Euphorie verfallen. Da der Vorsprung auf Verfolger Gladbach dennoch ausgebaut wurde, wird man sich mit diesem Spieltag wohl auch in Gelsenkirchen gut anfreunden können.

Gregor Nentwig