ANZEIGE

Der 4:0-Sieg von Bayer Leverkusen gegen Hannover 96 war wohl die bislang einseitigste Begegnung der noch jungen Bundesliga-Saison.

Das klare Ergebnis spiegelt noch nicht einmal den wahren Spielverlauf wider. Da waren sich alle einig. "Wir hätten auch zehn, elf oder zwölf Tore bekommen können", konstatierte 96-Angreifer Jan Schlaudraff kleinlaut.

Doch das Manko der Chancenverwertung geriet angesichts der imponierenden Fußballgala der Werkself ohnehin schnell in Vergessenheit.

Und mit Patrick Helmes hatte Bayer 04 auch einen Stürmer in seinen Reihen, der im Moment fast nach Belieben trifft. Mit seinen drei Toren gegen Hannover 96 schraubte der 24-jährige Nationalstürmer seine persönliche Bilanz auf sechs Tore in fünf Bundesliga-Spielen hoch.

"Er braucht sich nicht verstecken"

"Wenn wir so weitermachen, werden wir in dieser Saison noch viel Spaß haben", strahlte Helmes nach seinem Superspiel über beide Backen. Von allen Seiten prasselte das Lob nur so auf ihn ein.

So meinte Bayer-Coach Bruno Labbadia: "Patrick hat im Abschluss Qualitäten, die man in der Bundesliga suchen muss.Und Sportdirektor Rudi Völler ergänzte gut gelaunt: "Helmes braucht sich vor keinem verstecken, weder vor Klose noch vor Podolski. Gegen Hannover hat man gesehen, dass er nicht nur ein toller Schütze ist, sondern auch, wie schnell er ist."

Vertrag verlängert

Da dies inzwischen auch international hinlänglich bekannt sein dürfte, hat die Bayer-Führung den ohnehin bis 2012 laufenden Vertrag am Tag vor dem Hannover-Spiel flugs noch um ein weiteres Jahr bis 2013 verlängert. "Weil sich Patrick sehr wohl in Leverkusen fühlt", wie Rudi Völler anmerkte. "Und weil es ja sehr viele reiche englische Vereine gibt. Wir wollten nicht Gefahr laufen, dass er uns verlässt."

Mit dieser größeren Planungssicherheit im Rücken lief nicht nur Patrick Helmes zu großer Form auf, sondern die ganze Bayer-Truppe. "Wir haben nach vorne einen richtig guten Ball gespielt und phasenweise wirklich sensationelle Kombinationen gehabt", freute sich Torwart Rene Adler.

Hochgeschwindigkeitsfußball

"Es gibt Tage, an denen alles klappt. Heute hat viel geklappt", meinte Stürmer Stefan Kießling. "Wir haben Spaß am Fußball und das zeigen wir. In den zwei verlorenen Spielen waren wir zu unaufmerksam hinten drin und haben dumme Fehler gemacht. Gegen Hannover haben wir gar nichts zugelassen und richtig gut gestanden. Da sieht man, dass alles passt. Von vorne an übers Mittelfeld bis in die Abwehr."

Bayer Leverkusen zeigte gegen die völlig überforderten Niedersachsen Hochgeschwindigkeitsfußball mit sehenswerten Ballstafetten. Die Gäste wurden bereits in ihrer eigenen Hälfte attackiert, permanent unter Druck gesetzt und so zu Fehlern gezwungen. "Das war Fußball vom Feinsten", berauschte sich Rudi Völler.

"Perfekter Fußballabend"

"Wir haben sehr gut kombiniert, und die Mannschaft hat als Ganzes extrem gut funktioniert", urteilte ein rundum zufriedener Bruno Labbadia, dessen offensive Spielphilosophie voll aufging. Unter dem Strich steht der beste Saisonstart für Bayer Leverkusen seit sieben Jahren.

Die bisher erzielten 15 Tore sind einsamer Liga-Spitzenwert, Patrick Helmes führt die Torschützenliste an. Gegen Hannover 96 hat einfach alles gepasst. Oder, wie es Bayers offensiver Mittelfeldspieler Tranquillo Barnetta treffend auf den Punkt brachte: "Es war ein perfekter Fußballabend."

Tobias Gonscherowski