Darmstadt - Für den SV Darmstadt 98 und Torsten Frings hat am 29. Dezember 2016 eine neue Zeitrechnung begonnen: Der ehemalige Nationalspieler soll das Schlusslicht auf seiner ersten Position als Cheftrainer vor dem Abstieg retten.

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Seinen ersten Auftritt als Coach am Böllenfalltor machte Frings in Jeans und T-Shirt. Von ihm ist bekannt, dass er die Ärmel hochkrempeln kann - das hat er in der Bundesliga für den FC Bayern München, Borussia Dortmund und den SV Werder Bremen sowie in 78 Einsätzen für die deutsche Nationalmannschaft in seiner erfolgreichen Profikarriere oft genug bewiesen. Nun soll der 40-Jährige Darmstadt vor dem Abstieg retten. Wobei: Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch betont, man habe Frings nicht als Retter geholt - sondern als jemanden, der den Club auch ein Stück weit mitentwickeln soll. "Und genau darauf habe ich total Bock", sagt Frings.

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Als Spieler haben seine Kampfkraft und Leidenschaft die Gegner eingeschüchtert. Und genau diese Eigenschaften will Frings nun als Trainer auch auf sein Team übertragen. Diese werden in Südhessen auch dringend wieder benötigt: Zuletzt verloren die Darmstädter acht Spiele hintereinander und erzielten nach der Entlassung von Norbert Meier unter Interimscoach Ramon Berndroth bei drei Niederlagen kein Tor. Frings glaubt, wenn die alte Stabilität in der Defensive zurückkommt, dann kommt auch die Qualität in der Offensive wieder - durch Spieler wie Änis Ben-Hatira und Marcel Heller sieht er diese als vorhanden an. "Wir wollen wieder eine unangenehme Mannschaft werden", lautet sein Hauptziel. Der erste Gegner, für den es am "Bölle" wieder unangenehm werden soll, heißt nach der Winterpause Borussia Mönchengladbach.

Volle Kaderverantwortung beim Neuen

Frings ist Profi genug, um zu wissen, dass es nicht nur um Entwicklung geht - sondern auch darum, den Abstieg noch zu verhindern. Denn ein Abstieg wäre auch für "das junge Pflänzchen, die kleine Lilie, die erst seit zweieinhalb Jahren wieder im modernen Profifußball ist" (Präsident Fritsch), ein Rückschritt. Der Einstieg in den Beruf als Cheftrainer im Abstiegskampf ist keine einfache Sache - aber Frings ist nie einer gewesen, der den leichten Weg gesucht hat. Es ist aber auch zu konstatieren: Niemand kann sagen, wo die Stärken und Schwächen des Übungsleiters Frings liegen - bisher sammelte der Vize-Weltmeister von 2002 und Vize-Europameister von 2008 zweieinhalb Jahre Erfahrung als Assistenzcoach von Viktor Skripnik in Bremen. Über die Chance, in der Bundesliga als erster Mann zu agieren, freut er sich: "So eine Chance bekommt nicht jeder, ich will das Vertrauen rechtfertigen."

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Mit einigen Spielern sprach Frings bereits, der Tenor habe ihm gefallen. "Ich habe gemerkt, dass alle heiß sind, es viel besser machen zu wollen als in der Vorrunde. Das hat bei mir den Glauben gestärkt, es doch noch packen zu können", erzählt er. Frings wird in Darmstadt die volle Kaderverantwortung tragen, einen Sportdirektor wird es nicht mehr geben, nachdem neben Meier auch Holger Fach den Club verlassen musste. Ein neuer Co-Trainer wird noch kommen, Torwarttrainer bleibt Dimo Wache und Berndroth wird wieder im Scouting und als Chef des Nachwuchsleistungszentrums arbeiten. Laut Fritsch sollen dann sukzessive neue Leute in Planung und Scouting auf der handwerklichen Ebene eingestellt werden. Nach dem kometenhaften Aufstieg aus der 3. Liga ins Oberhaus hinken die professionellen Strukturen dem Erfolg noch hinterher. Der Kulturwandel unter Meier funktionierte nicht, nun soll es mit Frings wieder durch die Grundlagen der letzten Spielzeit aufwärts gehen. Kapitän Aytac Sulu sieht darin den richtigen Weg: "Wir werden die Punkte in der Bundesliga nicht mit Schönspielerei holen, sondern mit Kampf, Leidenschaft und Zusammenhalt."

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"Wir werden nicht nur grätschen im Training"

Als Spieler ist Frings für viele große Trainer aufgelaufen. Er wolle aber keinen kopieren. Der Neue am Böllenfalltor möchte ein Coach sein, der nah an seiner Mannschaft ist: "Ich möchte auch einmal einen Flachs kassieren. Wenn die Spieler merken, dass ein Trainer ihnen vertraut, gehen sie für ihn durchs Feuer." Frings verspricht aber auch: "Wir werden nicht nur grätschen im Training."

Einen Teil seiner Vergangenheit will er in Darmstadt hinter sich lassen - seinen ungeliebten Spitznamen "Lutscher". "Ich mag ihn überhaupt nicht", sagt Frings schmunzelnd. "Er stammt aus meiner Zeit als junger Profi bei Werder Bremen. Ich habe Andi Herzog, den Top-Star damals, so genannt. Er hat das umgedreht und mich dann immer so gerufen. Das hat sich dann verselbstständigt. Es wäre mir lieb, wenn man das hier nicht zu mir sagen würde." Torsten Frings ist nun ein erwachsener Trainer.

Tobias Schächter