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Freiburg - Der Höhenflug des SC Freiburg ist einer der großen Überraschungen der bisherigen Bundesligasaison. Vor der Spielzeit von vielen Experten als Kandidat für den Abstiegskampf eingestuft, legten die Breisgauer bislang eine bemerkenswerte Hinrunde hin. Nach 13 Spieltagen steht der SCF auf dem sechsten Platz und hat einen Zähler Vorsprung vor dem großen FC Bayern. bundesliga.de begibt sich auf Sprurensuche und nennt sechs Gründe für den Höhenflug des Sport-Clubs.

Ausbildungsverein

Unabhängig von den handelnden Personen hat der Club eine eigene unverrückbare Identität entwickelt. Der SC Freiburg ist ein Ausbildungsverein, der pro Jahr mehrere Millionen Euro in seine "Fußballschule", also das vereinseigene Jugendleistungszentrum, investiert. Bei einem Gesamtetat von etwa 14 Millionen Euro für den Lizenzspielerbereich ist das eine beachtliche Summe. Und das trägt Früchte: Aus der eigenen Jugend gingen unter anderem Ömer Toprak, Johannes Flum, Daniel Caligiuri und Daniel Williams hervor.

Taktikfuchs

Trainer Robin Dutt versteht sein Handwerk. Fachlich sowieso. Sein Team spielt in dieser Saison taktisch ungeheuer variabel, beherrscht das 4-5-1 genauso wie ein 4-4-2 oder ein 4-4-1-1. Und stellt zum Teil mitten in der Partie um. Im Gegensatz zur vergangenen Saison klappt nun auch die Umschaltbewegung in die Offensive: Zuletzt hatte selbst der BVB eine Halbzeit lang große Schwierigkeiten, die wild ausschwärmenden Gegenspieler wieder einzufangen. Konditionell ist das Team voll auf der Höhe. Individuelle Defizite werden so durch einen enormen läuferischen Aufwand ausgeglichen.

Motivator

Dutt ist auch als Motivator und Pädagoge auf der Höhe. Wenn die Medien einzelne Spieler herausheben wollen - zuletzt waren das der junge Keeper Oliver Baumann oder Dauer-Torschütze Papiss Demba Cissé - steuert er dezent dagegen. Er tut nicht so, als hätten sie nichts Herausragendes vollbracht, lobt aber stets auch deren Konkurrenten. Simon Pouplin wird deshalb als vermeintlicher Stammkeeper alles tun, um die Chance, die ihm Dutt rhetorisch einräumt, zu nutzen. Joker Stefan Reisinger nimmt vergleichsweise klaglos hin, dass er beim Anpfiff auf der Bank sitzt. Und das, obwohl meist etwas passiert, wenn der Niederbayer eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt wird.

Entwicklung

Die Mannschaft hat sich weiterentwickelt und wurde sinnvoll verstärkt. Das lässt sich an den Mittelefeldspielern Yacine Abdessadki und Julian Schuster verdeutlichen. Der Franzose läuft sich in jedem Spiel die Lunge aus dem Hals und zeigt ein starkes Passspiel, Schuster ist bei den Standards klar verbessert und wird allmählich zum Kopf im Mittelfeld. Noch in der vergangenen Saison waren beide bestenfalls Mitläufer. Durch die Sommertransfers (u.a. Jan Rosenthal Kisho Yano, Antun Putsila, Maximilian Nicu) ist der Konkurrenzdruck erhöht, Dutt hat nun deutlich bessere Variationsmöglichkeiten.

Abgeschiedenheit

Die Ruhe im Breisgau. Sie ist Fluch und Segen zugleich. Wie die örtliche "Badische Zeitung" jüngst zurecht feststellte, kennt schon in Karlsruhe kaum noch ein Fußballinteressierter die Namen von mehr als drei SC-Spielern. Das liegt auch daran, dass die Freiburger Troika um Dutt, Präsident Fritz Keller und Manager Dirk Dufner ausgesprochene Freunde einer defensiven Außendarstellung sind. Sportlich gesehen ist die "Konzentration aufs Kerngeschäft" (Dutt) hingegen segensreich. Sämtliche Neuzugänge betonen in der Regel nach wenigen Tagen, wie wohltuend es sei, sich voll auf den Beruf konzentrieren zu können.

Fußball-Verrückte

Das tun übrigens auch die sportlich Verantwortlichen. In der "Fußballschule" arbeiten Fußball-Maniacs wie Klemens Hartenbach und Co-Trainer Christian Streich (Foto), der parallel die A-Jugend trainiert. Und Robin Dutts Credo ist sowieso, dass "man aufgehört gut zu sein, wenn man nicht mehr besser werden will." Auch deshalb trainiert die Mannschaft seit diesem Sommer nach den Grundsätzen der "Life Kinetik" - ein spezielles motorisches Training, das die Synapsen im Gehirn besser vernetzen soll und so die Handlungsschnelligkeit der Spieler erhöhen soll.


Christoph Ruf