Köln - Vier Wochen hatte Franck Ribery gefehlt, ehe er in dieser Woche wieder ein eindrucksvolles Comeback hinlegte. Erst glänzte er im DFB-Pokal gegen den FC Schalke 04 gleich mit einer Topleistung und zwei Assists beim 3:0-Erfolg. Nun steuerte der Franzose beim souveränen 3:0-Auswärtssieg des Rekordmeisters beim 1. FC Köln als Joker einen Treffer bei. Danach sprach der 33-Jährige im Interview über den Teamgeist beim FC Bayern München, die Parallelen zwischen Carlo Ancelotti und Jupp Heynckes und die kommende Aufgabe in der Champions League.

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Frage: Franck Ribery, Ihr Teamkollege David Alaba meinte, sie wären eine Maschine. Immer wenn Sie nach Verletzungen zurückkommen, spielen Sie gleich gut. In Köln ist Ihnen auch direkt wieder ein Tor gelungen. Wie machen Sie das?

Ribery: Wenn du mental stark bist und sich deine Mannschaft für dich freut, wenn du wieder auf dem Platz bist, tut dir das gut. Das ist schön. So macht es Spaß.

"Die Mannschaft braucht jetzt jeden Spieler"

Frage: Was sagen Sie zu den anderen eher ungewöhnlichen Torschützen Javi Martinez und Juan Bernat?

Ribery: An ihnen sieht man, dass die Mannschaft im Moment sehr gut funktioniert. Ich habe immer gesagt, dass wir alle Spieler brauchen, wenn wir viele Titel gewinnen wollen. Jetzt fehlen nur noch zwei Spieler, bis auf Renato Sanches, der ein bisschen krank ist, und Jerome Boateng, der wieder sehr stark arbeitet und so schnell wie möglich zurückkommen will. Diesmal haben viele Spieler auf der Bank gesessen, die sonst spielen. Und die Jungs, die für sie auf dem Platz waren, haben es super gemacht.

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Frage: Zum Beginn des neuen Jahres gab es viele knappe Bayern-Spiele. Ist jetzt die Phase angebrochen, in der die Mannschaft ihre Partien souverän gewinnt?

Ribery: Wir müssen so weitermachen. Es ist schön, die Spiele so zu gewinnen. Man kann aber nicht jedes Spiel 3:0 oder 4:0 gewinnen. Im Moment läuft es sehr gut. Jetzt kommen die drei wichtigsten Monate der Saison, in denen die Mannschaft jeden Spieler braucht.

Frage: Sie haben unter der Woche gemeint, dass Sie sich wie in der Triple-Saison des FC Bayern fühlen. Können Sie beschreiben, wie Sie zu diesem Gefühl kommen?

Ribery: Wenn du so spielst und es so gut funktioniert wie im Augenblick, dann kommst du auch in diese richtige Stimmung. Wir wollen alle zusammen etwas gewinnen. Auch die Spieler auf der Bank sind hochkonzentriert und wie ich jetzt auch bereit für eine halbe Stunde oder zwanzig Minuten.

"Ich habe noch nicht die Power für 90 Minuten"

Frage: Letzte Woche haben Sie noch gemeint, dass Ihnen noch etwa zehn bis zwanzig Prozent fehlen. Wie fühlen Sie sich nun persönlich?

Ribery: Ich habe noch nicht die Power für 90 Minuten. Das Spiel heute war sehr wichtig für mich, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Ich fühle mich immer besser.

Frage: Wie viel Spaß macht es Ihnen unter Carlo Ancelotti, der den FC Bayern so cool moderiert?

Ribery: Er geht gut mit seinen Spielern um, er redet viel und gibt einem Vertrauen. Er ist locker und cool. Er ist ein großer Trainer. Ich bin schon lange Profi. Für mich ist diese Beziehung zum Trainer sehr wichtig. Er fragt uns viel, aber am Ende müssen wir machen, was er verlangt. Von der Mentalität ist er ähnlich wie Jupp Heynckes.

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Frage: Ist der FC Bayern jetzt zur richtigen Zeit in Topform?

Ribery: Wir haben schon in den letzten Spielen gut gespielt. Wir haben viele Tore erzielt. Gegen Köln haben wir nach der Führung sehr kontrolliert gespielt. Wir waren schon etwas müde, haben es aber gut gemacht.

"Modeste in der Nationalmannschaft? Warum nicht?"

Frage: Der FC Bayern hat nun sieben Punkte Vorsprung vor RB Leipzig. Ist das schon fast eine Vorentscheidung im Meisterschaftskampf?

Ribery: Wir haben einen großen Schritt Richtung Titel gemacht. Aber wir sind natürlich noch nicht fertig.

Frage: Wäre Ihr Landsmann Anthony Modeste vom 1. FC Köln auch ein Kandidat für die französische Nationalmannschaft?

Ribery: Ich glaube schon. Er hat Qualität, er spielt eine gute Saison. Er ist stark und ein guter Spieler. Also warum nicht.

Frage: Was für ein Spiel erwarten Sie am Dienstag in der Champions League beim FC Arsenal? Wird das nach dem 5:1-Sieg im Hinspiel eine Partie mit Freundschaftsspiel-Charakter?

"Wenger ist ein große Trainer"

Ribery: Nein. Das wird kein Freundschaftsspiel. Wir spielen in einem schönen Stadion gegen eine gute Mannschaft in der Champions League. Wir wollen auch das Spiel gewinnen. Für uns und unser Selbstvertrauen ist die Partie wichtig.

Frage: Für Arsenal-Trainer Arsene Wenger könnte es das letzte Spiel in der Champions League sein. Wie sehen Sie ihn und seine Karriere?

Ribery: Die letzten drei, vier Jahre waren vielleicht ein bisschen schwierig für ihn. Aber sonst hat er es bei Arsenal überragend gemacht. Er hat viele Titel gewonnen. Er ist ein großer Trainer und eine große Person.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski