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München - Die Fastenzeit ist vorbei. Da entwickeln selbst Abwehrspieler neuen Torhunger. Während im Keller mancherorts schon der Sekt kaltgestellt wird, serviert ein Dortmunder ein Galamenü der Königsklasse. Und am Ende bleiben nicht mehr viele Häppchen - darüber spricht die Liga am 31. Spieltag.

Abwehrspieler hauen rein

Die Zeit der Tordiät ist vorbei: Allein beim 4:1 der Leverkusener in Nürnberg gingen alle vier Treffer der Gäste auf das Konto nomineller Defensivspieler - dabei traf in den 30 Spielen zuvor kein einziger Bayer-Abwehrspieler. Innenverteidiger Emir Spahic schlug gleich doppelt zu (Topdaten). In Dortmund feierte Außenverteidiger Lukasz Piszczek seine Torpremiere im eigenen Stadion. In Freiburg sorgte ein Abwehrspieler spektakulär für die Wende: Oliver Sorgs Traumtor in den rechten Winkel leitete den 4:2-Sieg des Sport-Clubs gegen Gladbach ein, dabei ließen die Gäste zahlreiche Möglichkeiten aus, das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden (Nachbericht). "Aber es waren nicht nur die vergebenen Chancen", sagte der Ex-Freiburger Max Kruse, "wir haben uns insgesamt die Butter vom Brot nehmen lassen."

Die Getränke stehen kalt

In Freiburg darf man indes schon mal den guten badischen Wein aus dem Keller holen, denn nach der Niederlage der Nürnberger ist der Direktabstieg bei neun Punkten Vorsprung nur noch theoretisch möglich (). Auch in Frankfurt und Hannover dürfte der Sekt bei gleichem Polster bereits im Kühlschrank stehen (Tabelle). Die Bremer sind schon einen Schritt weiter, denn der direkte Abstieg ist definitiv nicht mehr möglich. Und das ist auch ein Verdienst der Bremer Fans. "Sie haben einen viel größeren Anteil an unserem Punktestand als sie vielleicht selbst glauben", sagte Dutt. Selbst Hoffenheims Coach Markus Gisdol musste eingestehen: "Wir mussten hier gegen zwölf Mann spielen - und damit meine ich nicht den Schiedsrichter, sondern die Fans von Werder Bremen." Und die  über die TSG, allerdings noch mit leicht gebremstem Schaum.

Feierlaune nach Galavorstellung

In Dortmund knallen derweil die Korken. Der BVB sichert sich die Champions-League-Teilnahme für die kommende Saison. Und einmal mehr stand Marco Reus (Wahl zum "Spieler des Spieltags") im Mittelpunkt: Mal servierte er, mal zog er selbst ab, ein Mal haute er das Ding selbst rein und zwei Mal stand der Pfosten einem weiteren Treffer im Weg. Insgesamt war Reus an der Hälfte der Dortmunder Torschüsse beteiligt (15 von 30). Gegner Mainz wurde beim 4:2 phasenweise an die Wand gespielt. "Das war herausragend", . "Sie haben den inneren Schweinehund besiegt und sind nur noch gelaufen." Gästecoach Thomas Tuchel war verständlicherweise weniger in Feierlaune. "Ziemlich viel" habe ihm am Spiel seiner Mannschaft nicht gefallen, "aber das ist auch nicht so schlimm, weil das nicht unsere Liga mit Bayern und Dortmund ist."

Nur noch neun Häppchen zu vergeben

Und ein Trio am Tabellenende muss mehr denn je darum bangen, ob es auch noch in der kommenden Saison Teil dieser Liga mit Bayern und Dortmund ist. In Hamburg, Nürnberg und Braunschweig ist Katerstimmung angesagt - von Festessen keine Spur. Und weil die Braunschweiger Correia und Bellarabi schon beim Frühstück zu spät kamen, waren sie im Spiel gegen die Bayern gar nicht erst dabei. Auch ohne das Duo hielten die Braunschweiger mit viel Einsatz das Spiel gegen den Deutschen Meister lange Zeit offen, standen aber am Ende dennoch - ebenso wie die Konkurrenz im Keller - mit leeren Händen da. "Ich hätte meiner Mannschaft einen Punkt gegönnt", sagte Trainer Torsten Lieberknecht (Trainerstimmen). Aber weder für Braunschweig noch für Nürnberg und Hamburg ist die Sache schon gegessen (Restprogramm). Doch drei Spiele vor Schluss sind die Sahneteilchen bereits vergriffen - jetzt geht es nur noch darum, so viele Krümel wie möglich aufzusammeln.

Maximilian Lotz