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Wayne Rooney? "No Chance!" Sir Alex Ferguson hat ein Machtwort gesprochen. Der Superstar wird beim Showdown im "Theatre of Dreams" gegen den FC Bayern am Mittwochabend (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) fehlen, auch wenn die englische Presse die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat.

Die United-Hoffnungen ruhen nun auf einem alten Bekannten aus der Bundesliga: dem Ex-Leverkusener Dimitar Berbatov. Der 29-jährige Bulgare soll die Offensivreihe der Hausherren anführen, die große Lücke füllen, die Rooney hinterlässt.

Kreativität statt Wucht

Es ist eine Konstellation, die vor der Saison eigentlich ganz anders geplant war. Nach den Abgängen von Carlos Tevez und Cristiano Ronaldo im vergangenen Sommer hatte sich Berbatov ohnehin als Nummer eins in Uniteds Offensivensemble gewähnt.

Doch Alex Ferguson etablierte den wuchtigen Rooney als Mittelpunkt seines Offensivsystems. In das vom Trainer bevorzugte System mit einem Stoßstürmer und zwei offensiven Außenbahnspielern passte der bullige und laufstarke Engländer einfach besser als der grazile Bulgare, der mehr von seiner Spielintelligenz lebt als von seiner Laufstärke.

"Er ist ein anderer Spielertyp als Rooney", räumt Ferguson ein, "aber wir können mit ihm als einzige Sturmspitze spielen. Was wir dann brauchen, ist gute Unterstützung für ihn."

Antizipation und Spielintelligenz

Die Stärke Berbatovs ist das Lesen eines Spiels, die Antizipation und seine unwiderstehliche, enge Ballführung. Mit präzisen Pässen und intelligenten Ablagen glänzt er als Vorlagengeber. Doch wenn er mit seiner Spielweise immer wieder das Tempo verschleppt, wirkt er wie ein Fremdkörper im auf Geschwindigkeit und physische Überlegenheit zugeschnittenen Spiel Manchesters.

"Denkt man an die traditionellen Mittelstürmer, die United über all die Jahre hatte, dann unterscheidet sich Berbatov von allen", adelte ihn United-Legende Frank Stapleton: "Er ist unberechenbar, ein Spieler, der eine enge Partie zu jedem Zeitpunkt öffnen kann. Wie viele talentierte Spieler arbeitet er ökonomisch mit seinem Laufeinsatz."

Held bei den Spurs

Für 31 Millionen Pfund wechselte er im Herbst 2008 von den Spurs zu den "Red Devils", bis heute ist er der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte, teurer noch als Rio Ferdinand oder Wayne Rooney. Und es wirkt, als schleppe er diese Hypothek auf seinen schmalen Schultern mit sich herum, wenn er sich in einer Mischung aus Schlurfen und Tänzeln über den Rasen bewegt.

Ferguson wollte ihn damals unbedingt haben, um das Spiel Uniteds noch unberechenbarer zu machen. 27 Tore hatte Berbatov zuvor in zwei Spielzeiten für Tottenham Hotspur erzielt. Am Ende seiner ersten Saison nach seinem Wechsel von Bayer 04 auf die Insel wurde er sogar zum besten Zugang der Premier League gewählt.

"80 Prozent der Fans erkennen seine Fähigkeiten"

Der Wunschspieler von "Sir Alex", dann auch noch diese horrende Summe: Die Erwartungen in Manchester waren hoch. Doch bei United wärmte der bulgarische Angreifer, wenn er nicht gerade verletzt war, zu Beginn wichtiger Spiele meist die Ersatzbank. Kam er dann ins Spiel, dann fiel er nicht durch Tugenden auf, die das englische Publikum und der britische Boulevard mit Applaus honorieren.

Zwölf Saisontore hat er in dieser Saison auf dem Konto, sein verletzter Sturmkollege Rooney stolze 26, noch dazu ist er Englands WM-Hoffnung. Keine Frage, wem da die Sympathien zufliegen.

Berbatov werde mit dem Druck nicht fertig, lautete alsbald der Vorwurf einiger Kritiker. "Dafür sehe ich keine Anzeichen", sagt Ferguson. In der Öffentlichkeit deckt der schottische Erfolgstrainer seinem Star stets den Rücken: "Ich denke, 80 Prozent der Fans erkennen seine Fähigkeiten."

Andreas Messmer