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Gelsenkirchen - Dennis Aogo zog erst die Augenbrauen zusammen, dann ging sein Blick verärgert zur Seite. "Wir lassen uns jetzt nicht sofort wieder alles schlecht reden", entgegnete der Mittelfeldspieler vom FC Schalke 04 nach dem 1:1 gegen Maribor auf kritische Nachfragen. Seine Unzufriedenheit über das magere Ergebnis in der Champions League konnte und wollte aber auch Aogo nicht leugnen.

Nur drei Tage nach dem enthusiastisch gefeierten Derbysieg ist Schalke schneller wieder in der Normalität angekommen als erwartet. Nach dem Unentschieden gegen die Slowenen aus Maribor war es Ernüchterung auf allen Ebenen, die sich dieses Mal den Weg bahnte. Die Fans quittierten den Schlusspfiff mit einem kurzen Pfeifkonzert, dann herrschte triste Ruhe. Jens Keller, der an gleicher Stelle nach dem Dortmund-Spiel noch Luftsprünge vollführt hatte, ging nachdenklich über den Rasen.

"Haben uns das ein bisschen anders vorgestellt"

Die Spieler gestanden zumindest teilweise ihre Enttäuschung offen ein. "Das war nicht unser Spiel", klagte Ralf Fährmann. Und Julian Draxler, nach zwei Spielen Sperre in der Bundesliga zurück in der Mannschaft, gab zu, dass "wir uns das alles ein bisschen anders vorgestellt haben. Die drei Zähler zuhause gegen Maribor waren eigentlich eingeplant."

Zugleich bemühten sich die Profis, Gründe für den unerwarteten Rückschlag zu finden - und dabei bloß nicht die generelle Linie wieder in Frage zu stellen. So wie eben Dennis Aogo, der eine Ursache auch im Gegner aus Maribor ausgemacht hatte: "In der Champions League gibt es keine einfachen Gegner, die Spiele sind eng. Kleine Fehler werden sofort bestraft.

Vielleicht war die Erwartungshaltung zu groß." Fährmann sprach von einem unglücklichen Gegentreffer: "Danach hat Maribor tief gestanden und auf Konter gelauert." Und Tranquillo Barnetta hatte zahlreiche Möglichkeiten zum Sieg gesehen, "die wir aber nicht genutzt haben". Tatsache ist: Schalke fehlte es auf der europäischen Bühne eindeutig an Durchschlagskraft.

Zu wenig Torgefahr

Von der Leidenschaft und dem unbedingten Willen aus dem Derby war nicht mehr viel zu sehen. Vielmehr wirkte die Mannschaft über weite Strecken lethargisch, oft zu behäbig und inkonsequent und verbreitete nur wenig Torgefahr. Schöne Kombinationen blieben genauso Mangelware wie erstklassige Chancen. Und hatte Jens Keller seine Spieler nach dem Derby noch für die Umsetzung seiner Taktik gelobt, blieben seine Vorgaben dieses Mal eher Theorie: "In der Pause haben wir uns noch einmal darauf eingeschworen, das Spiel über die Außen zu verlagern", plauderte Barnetta aus dem Nähkästchen - es blieb allerdings bei dem Vorsatz.

So verwundert es nicht, dass Torschütze Klaas-Jan Huntelaar seinen Mitspielern nach der Partie durchaus deutlich ins Gewissen redete: "Wenn wir cleverer agiert hätten, wären wir vermutlich als Sieger vom Platz gegangen. Und wir haben zu wenig für das Spiel gemacht. Normalerweise müssen wir den Ball mehr laufen lassen."

"Werden die drei Punkte mitnehmen"

Für Jens Keller aber war genau das auch eine Frage der Kraft und Frische. Man dürfe nicht vergessen, "dass die vergangenen Wochen unheimlich intensiv waren und sehr viel Kraft gekostet haben. Man hat zum Schluss gemerkt, dass einige Spieler auf dem Zahnfleisch gehen." Eine Einschätzung, die auch Julian Draxler teilt: "Die Mannschaft hat unheimlich viel Aufwand betrieben, um aus der vermeintlichen Krise der letzten Wochen herauszukommen. Das haben wir in der Bundesliga hervorragend gemacht. Aber es war natürlich auch ein großer Kräfteverschleiß."

Zugleich bemühte sich nicht nur Draxler - ganz im Sinne von Dennis Aogo - um Optimismus: "Das nächste Spiel gegen Sporting Lissabon ist wieder zuhause - da werden wir die drei Punkte dann mitnehmen." Auch Barnetta ist überzeugt, dass "wir noch ausreichend Chancen haben, Punkte einzufahren." Die nächste Gelegenheit dazu wartet allerdings erst einmal in der Bundesliga: Am Samstag ist Schalke zu Gast bei der bislang ungeschlagenen TSG 1899 Hoffenheim.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte