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Es drohen Real Madrid, Inter Mailand, Arsenal oder der FC Chelsea - doch Bayern München sieht sich nach dem souveränen Achtelfinal-Einzug in der Champions League auch für die europäischen Spitzenclubs gerüstet.

"Wir gehören vielleicht nicht zu den Topfavoriten. Aber ich bin überzeugt, dass es bei der Qualität, Homogenität, dem Willen und der Spielfreude, die wir haben, nicht so einfach sein wird, den FC Bayern aus dem Wettbewerb rauszuwerfen. Wir sind für alle kein Wunschgegner", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem 3: 2 (3:0) im abschließenden Gruppenspiel bei Olympique Lyon beim obligatorischen Mitternachts-Bankett.

Real und Chelsea können kommen

Im Saal "Ile de France" des Metropole-Hotels in Lyon ließen sich Verantwortliche, Trainer und Mannschaft anschließend geräucherte Entenbrust mit Zuckererbsen oder gegrillte Goldbrasse schmecken - ganz im Bewusstsein, wieder im Konzert der Großen mithalten zu können. "Wir wollten auf Augenhöhe mit den europäischen Topteams. Das ist uns gelungen", sagte Coach Jürgen Klinsmann und verdeutlichte vor der Auslosung der K.o.-Runde am 19. Dezember in Nyon das Selbstvertrauen des besten Vorrundenteams: "Mir ist relativ egal, gegen wen wir spielen. Die sind alle stark. Wir haben aber in der Gruppenphase gesehen, dass wir mit allen mithalten können."

Doch bevor es im kommenden Frühjahr in der "Königsklasse" weitergeht, wollen die "Mir-san-mir"-Bayern im finalen Hinrunden-Spiel der Bundesliga beim VfB Stuttgart erst noch ihre Chance auf die Herbstmeisterschaft wahren. "Wir haben Hoffenheim zuletzt schon gezeigt, dass wir die erste Macht im Lande sind. Jetzt wollen wir auch am Samstag zeigen, dass die Herbstmeisterschaft nach München gehört. Burschen, konzentriert euch und gebt noch einmal alles", rief Rummenigge seinen Stars bei seiner Bankettrede zu.

Auch Manager Uli Hoeneß forderte noch einmal "Vollgas" zum Jahresabschluss. Aber schon vor dem Südderby fiel sein Fazit positiv aus: "Wir können sehr zufrieden sein. Die Mannschaft hat eine überragende Vorrunde gespielt. Wenn nun auch noch das Spiel in Stuttgart gut geht, dann war es ein perfektes Jahr."

Durchwachsenen zweiten Hälfte

Für Rummenigge war nach dem Erfolg von Lyon schon "alles wunderbar" und "großartig", nachdem der Rekordmeister nunmehr seit 15 Pflichtspielen ungeschlagen ist und als Gruppensieger im Achtelfinal-Rückspiel Heimrecht genießt: "In der Allianz Arena traue ich uns zu, dass wir fast jedes Ergebnis umbiegen können." Hoeneß sprach von einem "immensen Vorteil, speziell gegen diese Granaten, die wir kriegen können".

Dass die Brust der Bayern nach dem 3:2 gegen den französischen Serienmeister nicht noch breiter war, lag an einer durchwachsenen zweiten Hälfte im "Stade Gerland". Nachdem die Bayern 38.349 Zuschauer im ersten Durchgang noch beeindruckt und sich bei den Toren der starken Miroslav Klose (12./37.) und Franck Ribery (34.) als Meister der Effizienz präsentiert hatten, "war unsere Leistung nach der Pause nicht mehr Champions-League-reif. Da haben wir aufgehört, Fußball zu spielen", stellte Philipp Lahm fest.

Dennoch wollte Rummenigge "kein Wasser in den Wein schütten". Laut Franz Beckenbauer, dessen Wutrede nach dem 0:3 in Lyon im Jahr 2001 längst Legende ist, sei "alles in Bewegung, ganz im Gegensatz zu den Spaziergängern von vor sieben Jahren". Rummenigge bewertete die Darbietung seiner Stars vor dem Wechsel "weltklasse". "Erste Sahne", meinte Klinsmann, der deshalb ebenfalls den Einbruch nicht überbewerten wollte.

"Schade, dass die Winterpause kommt"

Da habe man sich das Leben eben etwas schwerer gemacht, sagte er lapidar. Sidney Govou (52.) und Karim Benzema (68. ) schafften nur noch den Anschluss, auch weil Michael Rensing wohl sein bislang bestes Spiel als Nummer eins der Münchner absolvierte.

So langsam scheint der 24-Jährige sich aus dem langen Schatten von Oliver Kahn lösen zu können. "Wir sind mit seiner Entwicklung sehr, sehr zufrieden", lobte Klinsmann, der aber nicht nur seinen Keeper nach einem durchwachsenen Saisonstart, an dem schon viele Zweifel am ehemaligen Bundestrainer aufgekommen waren, im Aufwind sieht.

"Wir haben durch die intensive Trainingsarbeit Schritt für Schritt unseren Rhythmus gefunden. Wir sind sehr, sehr konstant und haben ein Niveau, das sich auch international sehen lassen kann. Es macht Spaß und es ist beeindruckend, was sich entwickelt", betonte Klinsmann und fügte an: "Es ist schade, dass jetzt die Winterpause kommt."