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Berlin - Mit dem 1:1-Unentschieden in der Hauptstadt hat sich der FC Bayern München einen neuen Eintrag in den Bundesliga-Geschichtsbüchern gesichert. Viel wichtiger ist aber eine Bestmarke, die am Saisonende winkt.

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"Duselbayern, Duselbayern – hey, hey!" Selbstironisch skandierten einige Fans des FC Bayern nach dem Spiel in Berlin einen neuen Schlachtruf. Er spielte auf die Szene an, die am Ende in aller Munde war: Nach 95 Minuten und 57 Sekunden überschritt der Ball die Linie des Hertha-Gehäuses. Schiedsrichter Patrick Ittrich erkannte den Treffer an und pfiff die Partie nicht wieder an – Ausgleich für die Bayern zum 1:1 in der allerletzten Sekunde der Nachspielzeit. Fünf Minuten Nachspielzeit hatte Ittrich anzeigen lassen. Unter anderem wechselte Hertha innerhalb dieses Zeitraums noch zwei Mal und vor dem Freistoß, der zum Ausgleichstor führte, war das Spiel ebenfalls noch eine Weile unterbrochen. Diese verlorene Zeit hinten an die Nachspielzeit dranzuhängen, ist absolut regelkonform.

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Damit hat der FCB einen neuen Rekord aufgestellt: Noch nie seit Beginn der detaillierten Datenerfassung 1992 fiel so spät in einem Bundesligaspiel noch ein Treffer. Es war ein Rekord, der den Münchnern ziemlich egal war und bei den Berlinern für einige Aufregung sorgte. Als der erste Ärger über die spät verlorenen zwei Punkte wieder verflogen war, räumte allerdings auch Hertha-Trainer Pal Dardai ein, dass ein Spiel eben erst vorbei ist, wenn der Referee es abpfeift und seine Mannschaft den Freistoß besser hätte verteidigen müssen.

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Dennoch wurde natürlich über die "Duselbayern" diskutiert. Immerhin schon zum sechsten Mal in dieser Saison traf der Rekordmeister in der 90. Minute oder später. Allein nach der Winterpause sicherte sich der FCB durch Tore ab der 90. Minute schon fünf Zähler, es war 2017 bereits das dritte Bundesligaspiel mit einem Punktgewinn in der Nachspielzeit. Glück also? Oder doch eher Können und ein unbändiger Wille?

Lahm: "Der letzte Pass hat gefehlt"

Thomas Müller, der diesmal in vorderster Spitze den vom Champions-League-Spiel erschöpften Robert Lewandowski vertrat, befand: "Wir wollten unbedingt, sind angerannt und haben den 1:1-Ausgleich noch erzwungen." Für den Nationalspieler ist klar: "Die Mentalität bei uns ist vorhanden." Auch Mats Hummels betonte, dass der Punktgewinn verdient gewesen sei, weil sein Team alles gegeben hatte: "Wir haben einfach bis zum Ende alles versucht, bis zum Ende daran geglaubt."

Besonders für Müller war es ein schwieriges Spiel gewesen. Denn "der letzte Pass hat phasenweise gefehlt", räumte Kapitän Philipp Lahm ein. Am Ende zweier englischer Wochen mit fünf Spielen in 14 Tagen fehlte trotz Feldüberlegenheit gegen defensivstarke Herthaner ein wenig die geistige Frische. So musste schließlich zusätzlich doch noch Lewandowski ran. Für den ist so ein spätes Tor "immer etwas Besonderes." Der Pole räumte ein: "Mein schönstes Tor war es wahrscheinlich nicht." Aber eben eins, für das man den richtigen Riecher braucht.

Ancelotti erstmals in Berlin

Auch Bayern-Trainer Carlo Ancelotti wusste, wem ein Sonderlob gebührte: "Robert Lewandowski ist ein fantastischer Spieler und sehr wichtig für uns." Der Italiener war das erste Mal überhaupt in Berlin. "Das war ein besonderer Tag für mich", so der 57-Jährige, der bedauerte, nicht mehr von der Stadt gesehen zu haben. Ein Reporter fragte ihn nach den wirklich wichtigen Rekorden, die er mit den Bayern diese Saison noch erreichen kann: Den fünften Deutschen Meistertitel in Folge für den Verein. Und den vierten Champions-League-Titel für den Trainer Carlo Ancelotti. Beides wäre neuer Rekord. Und bei beidem befindet sich der FCB auf einem sehr guten Weg. Doch da blieb der Mister cool. "Ich werde mein Bestes dafür geben. Wie immer." Nicht mehr und nicht weniger.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo