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Madrid - Der Salon Albeniz im Intercontinental Madrid, dem Mannschaftshotel des FC Bayern, war dem Anlass entsprechend gewählt. Für eine Pressekonferenz zum Halbfinal-Hinspiel in der Champions League (Mittwoch, ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) ist das Beste gerade gut genug. Fünf riesige Kronleuchter sorgten auch ohne Licht für Glanz in der noblen Hütte und die Pilaster in grünem Marmor rundeten das edle Gesamtbild ab.

Die 100 anwesenden Journalisten hatten etwas Zeit, sich an diesem Prunk sattzusehen, denn die Bayern waren dem Zeitplan ein bisschen hinterher. So nahmen Philipp Lahm und Javi Martinez erst mit rund 20 Minuten Verspätung am Rednerpult Platz.

Lahm: "Leidenschaft und Herz sind wichtig"

Von Anspannung und Druck war bei den beiden Defensivkünstlern trotz der anstehenden Aufgabe nichts zu spüren. Lahm machte aber sofort klar, worauf es im Halbfinale zwischen diesen Schwergewichten des Weltfußballs ankommt.

"In solchen Spielen entscheiden Herz und vor allem Leidenschaft. Klar, die Spieler müssen auch einen guten Tag erwischen. Aber: Leidenschaft und Herz sind wichtig", erklärte der Kapitän: "Wenn das im Halbfinale aber nicht gegeben ist, wo dann?"

Martinez wurde vor allem von den spanischen Medienvertretern in die "Mangel" genommen und immer wieder zum "neuen" Real mit Trainer Carlo Ancelotti gefragt. Martinez' analysierte die Situation bei den "Königlichen" unaufgeregt.

"Bei Kontern sind sie gefährlich, denn sie haben sehr schnelle Spieler. Wenn man denen zu viel Platz lässt, dann nutzen sie das eiskalt aus. In der Offensive ist Real sicherlich stärker besetzt als in der vergangenen Saison unter Jose Mourinho", sagte der Spanier.

Guardiola lässt sich nicht locken

Für die Fragerunde mit Pep Guardiola, der nach seinen Spielern auf dem Podest im Salon Albeniz an der Reihe war, schnellten dann sofort dutzende Zeigefinger hoch. Ob auf Deutsch, Spanisch, Englisch oder Katalan - vornehmlich ging es um das eine Thema: die Rivalität mit Real in den vergangenen Jahren, vor allem mit dem damaligen Coach Mourinho.

Doch Guardiola ließ sich nicht aus der Reserve locken, antwortete aber immer ausführlich in der passenden Sprache. "Nach Madrid zu kommen ist immer sehr speziell für mich. Egal ob mit dem einen Trainer oder einem anderen, Real wird immer eine sehr starke Mannschaft haben, gegen die wir nur bestehen können, wenn wir eine sehr, sehr, sehr gute Leistung abrufen", meinte Guardiola.

Selbstbewusster FCB-Kapitän

Dass er in 15 Spielen gegen das "weiße Ballett" gleich neun Mal gewonnen und nur zwei Mal verloren hat, wollte Guardiola nicht zu hoch hängen: "Das sind alte Statistiken, die ich vor langer Zeit mit einem anderen Verein erreicht habe. Jetzt bin ich hier mit dem FC Bayern."

Und diese Verein strotzt trotz der zuletzt eher durchwachsenen Leistungen in der Bundesliga immer noch vor Selbstbewusstsein. "Wir sind der FC Bayern, wir sind der Titelverteidiger. Wir sind eine offensiv starke Mannschaft. Wir haben das Potenzial, auch in Madrid zu bestehen", bewertete Lahm die Chancen auf eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel.

Aus Madrid berichtet Michael Reis

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