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Rom - Selbst die Anzeigetafel im Olympiastadion hatte irgendwann genug. Nach dem Treffer zum 7:1-Endstand von Xherdan Shaqiri versagte die Technik erst minutenlang, ehe dann zumindest das historische Resultat des FC Bayern gegen den AS Rom wieder erleuchtete, ohne aber die Torschützen aufzuzählen.

Es war eine historische, eine magische Nacht in der Ewigen Stadt. Ein Ergebnis, dass viele Fans an den Auftritt des DFB-Teams im Halbfinale der Weltmeisterschaft gegen Brasilien erinnerte, als Deutschland die Samba-Truppe mit demselben Ergebnis demütigte (Infografik: Rekorde zum Jahrhundertspiel).

Für die deutschen Nationalspieler, die im Juli dabei waren, schien das aber weit weg. "Das waren beides tolle Spiele. Aber ich habe nicht an Brasilien, sondern einfach nur an den schönen Abend gedacht, den wir in Rom erlebt haben", meinte stellvertretend Torwart Manuel Neuer (zum Interview).

Müller und Lahm loben Guardiola

Dass es zum höchsten Auswärtssieg der Münchner Vereinsgeschichte im Europapokal kommen konnte, dafür sorgte die perfekte Vorbereitung beim FCB. "Wir wurden vom Trainer sehr gut eingestellt. Er hat genau aufgezeigt, wo die Schwachstellen der Roma sind. So ist es dann auch gekommen", erklärte Thomas Müller, der mit seinem 23. Champions-League-Treffer zum zweiterfolgreichsten deutschen Schützen in der Königklasse hinter Mario Gomez (26) aufstieg.

4:0 gegen Hannover, 6:0 gegen Werder Bremen und nun der Kantersieg in Rom: Der FC Bayern agiert im goldenen Oktober nahe an der Perfektion. Sehr zum Leidwesen der Gegner.

"Dafür, dass viele Spieler nur eine kurze Pause nach der WM hatten, sind wir erstaunlich gut drauf. Wir sind sicherlich einen Schritt weiter als zum gleichen Zeitpunkt des letzten Jahres. Wir haben jetzt unter Pep Guardiola aber auch ein Jahr länger zusammen trainiert. Wir sind dadurch variabler geworden in unserer Spielweise", analysierte Kapitän Philipp Lahm die Überlegenheit des Rekordmeisters.

"Fußball ist kein Wunschkonzert"

Das Lob gab der Trainer zwar gern zurück, einen Sonderstatus verlieh er dem Spiel aber nicht. "Meine Mannschaft hat die Gabe, innerhalb von Sekunden entscheidende Aktionen auf den Platz zu bringen. Dies ist enorm wichtig. Aber es bedeutet nicht, dass wir ein perfektes Spiel abgeliefert haben", so Guardiola.

Viel Zeit zum Feiern bleibt den Bayern nach den Auftritten in Europa eh nicht. Und die nächste Partie hat es gleich richtig in sich. Denn am Sonntag geht die Reise zum Überraschungszweiten der Bundesliga nach Mönchengladbach (Duell-Vorschau). Müller warnte davor, schon vor dem Anpfiff in Euphorie zu verfallen.

"Am liebsten würden wir jedes Spiel so gestalten wie gegen Rom. Aber Fußball ist weiterhin kein Wunschkonzert. Sollte es in Gladbach zur Pause 0:0 stehen, heißt das Ergebnis nicht unbedingt, dass wir ein schlechtes Spiel machen. Die Erwartungshaltung darf nicht an die letzten Ergebnisse geknüpft werden", forderte Müller.

Alles andere als ein weiterer Dreier wäre aber dennoch eine Überraschung. Denn der Moment liegt ganz klar bei den Bayern, auch wenn die Borussia derzeit ebenfalls einen Lauf hat. "Wir dürfen uns zwar nie zu sicher sein, aber wenn wir so früh treffen und dann so konsequent nachlegen, dann wird es für jedes Team sehr schwierig gegen uns", prophezeite Neuer. Bleibt für die Gladbacher Fans zu hoffen, dass die Anzeigetafel im Borussia Park von den Münchnern nicht genauso arg strapaziert wird wie in Rom.

Aus Rom berichtet Michael Reis

Erster gegen Zweiter: Erstmals seit über 40 Jahren treffen Borussia Mönchengladbach und der FC Bayern München wieder als Spitzenduo der Bundesliga aufeinander - und es ist das Duell zweier echter Topteams.