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Porto - Nein, lamentieren über die vielen Verletzten wollten die Bayern bei der Abschluss-Pressekonferenz in Porto einen Tag vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League beim 27-maligen portugiesischen Meister FC Porto (Mittwoch, ab 20:30 Uhr im Liveticker) nicht.

Ganz im Gegenteil. Pep Guardiola und Co. beschworen vielmehr den Teamgeist und lobten den Gegner in höchsten Tönen.

Müller: "Haben Vertrauen in die Gruppe"

"Wir werden versuchen, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Wir sind hier mit diesen Spielern und werden unser Bestes versuchen", bekräftige Guardiola im Teamhotel des FC Bayern. Er wird am Mittwochabend im Estádio do Dragão vor zirka 52.000 Zuschauern sechs Ausfälle (Robben, Alaba, Benatia, Martinez, Schweinsteiger und Ribery) verkraften müssen. Am Montag sagten Franck Ribery und Bastian Schweinsteiger endgültig ab. Für die Beiden kommt das Hinspiel noch zu früh. Das Mitwirken beim Rückspiel am nächsten Dienstag ist eher realistisch.

Für Stürmer Thomas Müller, der genauso wie Torwart Manuel Neuer, den Journalisten Rede und Antwort stand, war die angespannte Personalsituation überhaupt kein Thema. "Wir haben Selbstvertrauen und Vertrauen in die Gruppe", so der Weltmeister, der noch nie in Porto gespielt hat und sich auch deshalb mächtig auf das Spiel freue.

Neuer mit besten Erinnerungen

Um diese Erfahrung ist Manuel Neuer seinem Mannschaftskollegen schon voraus. 2008 spielte Neuer in seiner ersten Champions-League-Saison - damals noch im Trikot des FC Schalke 04 - gegen den FC Porto. Neuer war der Erfolgsgarant der Schalker an jenem 5. März 2008 im "Dragão". Der Nationaltorwart erwischte, wie er selbst sagte, "einen Sahnetag" und hielt zwei Elfmeter. "Ich kann mich noch gut daran erinnern und vor allem auch an die sehr lauten und emotionalen Zuschauer, die ihre Mannschaft wieder nach vorne peitschen werden", ist sich der Bayern-Keeper sicher.

Die Schalker qualifizierten sich für das Viertelfinale und scheiterten dann am FC Barcelona, der damals von Pep Guardiola trainiert wurde.

Endspielniederlage von 1987 kein Thema mehr

Gegen den FC Porto kassierte der FC Bayern eine seiner bittersten Niederlagen in seiner Europapokalgeschichte. Im Endspiel des Europokals der Landesmeister 1987 unterlag der damals hoch favorisierte FC Bayern gegen den Underdog aus Porto mit 1:2. Doch sich Gedanken an alte Zeiten zu machen, ist nicht die Sache von Guardiola.

"Darüber ist in den letzten zwei Wochen schon genug gesprochen worden. Das ist eben so", erklärte ein etwas gereizter Bayern-Coach und auch für Müller spielt das Ergebnis von damals überhaupt keine Rolle mehr: "Ich war damals noch gar nicht geboren."

Guardiola erwartet spielstarken Gegner

Guardiola befasst sich mit dem aktuellen Gegner viel lieber als mit der Historie. Der Bayern-Trainer war - wie eigentlich immer - voll des Lobes über den portugiesischen Gastgeber: "Champions-League-Viertelfinale, das heißt der Gegner hat ein großes Niveau. Porto ist eine Top-Mannschaft. Ich bin komplett überrascht von ihrem Niveau. Wir brauchen nicht nur ein gutes Spiel zum Weiterkommen, sondern zwei."

Dass der FC Porto, wie viele andere Mannschaft in dieser Saison zuvor gegen die Bayern, sehr defensiv agieren wird, glaubt Guardiola indes nicht. "Sie wollen spielen, spielen, spielen. In 99 Prozent unserer Spiele agiert der Gegner wegen unseres Angriffspressings mit langen Bällen. Porto ist anders. Das ist keine Kontermannschaft. Sie wollen unbedingt spielen", sagte der Katalane und analysierte weiter: "Sie haben auch ein gutes Angriffspressing, können gut umschalten, verlagern oft das Spiel, haben überragende Qualitäten im Eins-gegen-eins. Sie haben eine gute defensive Ordnung und individuelle Qualität. Wir brauchen eine super Leistung - offensiv wie defensiv."

"Portugal-Schreck" will seinem Ruf gerecht werden

Thomas Müller würde sich indes über eine offensive Spielweise der Portugiesen freuen: "Wir würden dann offensiv mehr Räume kriegen als gegen eine Mannschaft, die mit elf Spielern am eigenen Strafraum verteidigt."

Der Weltmeister ist in Portugal übrigens ein rotes Tuch. Zu frisch ist immer noch die Erinnerung an die WM in Brasilien, als Müller im ersten Vorrundenspiel gegen Portugal beim 4:0 für Deutschland gleich dreimal traf. "Das ist ein Ruf, den man durchaus aufrechterhalten will", schmunzelte Müller in seiner gewohnten lässigen Art.

Aus Porto berichtet Alexander Barklage

Dante im bundesliga.de-Interview